Daniel Eblen nach Schritt in zweite Reihe bei HSG Konstanz: „Wichtig, dass mehr Konstanz in das Familienleben kommt“
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Daniel Eblen nach Schritt in zweite Reihe bei HSG Konstanz: „Wichtig, dass mehr Konstanz in das Familienleben kommt“

Neuer Job bei der HSG

Seit Anfang 2004 ist Daniel Eblen (46) Cheftrainer der HSG Konstanz, bei der der A-Lizenzinhaber alle Mannschaften von der Jugend bis zur 2. Bundesliga durchlaufen hat. Nach seiner 18. Saison tritt der dienstälteste Trainer in der 1. und 2. Bundesliga aus der ersten Reihe zurück, wird der HSG aber in anderer Funktion erhalten bleiben. Der gebürtige Konstanzer ist Diplom-Kaufmann und dreifacher Familienvater. Für ihn übernimmt EHF-Mastercoach Jörg Lützelberger als Headcoach.

 

Im Interview mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas blickt er auf bewegte 18 Spielzeiten und letzte Wochen zurück, einen „dermaßen schlechten“ Tiefpunkt in Auerbach und spricht über seine Gründe für den Schritt in die zweite Reihe sowie die Zukunft der HSG.

 

Dani, unglaubliche 18 Saisons standst Du an vorderster Front jeden Tag in der Verantwortung. Nun gehst Du in die zweite Reihe zurück. Was sind Deine Beweggründe dafür?

Das sind viele Themen. Die 2. Bundesliga fordert jedes Jahr ein hohes Pensum. Die letzte Spielzeit war besonders extrem und anstrengend. Weite Fahrten, der unklare und sich oft verändernde Spielplan. Da gab es Zeiten, in denen ich in zwei Wochen meine Familie zweimal abends nach dem Training gesehen habe. Zudem waren wir viele Jahre am Limit. Das heißt es ging in jedem Spiel um alles. Entweder im Kampf um den Klassenerhalt oder im Rennen um den Aufstieg. Auch nach der abgebrochenen Saison kam man nicht zum Durchatmen. Das hat alles viel Energie verbraucht. Nun sind es private Gründe, die mich zu dieser Entscheidung veranlasst haben. Ich möchte mich mehr um meine Familie kümmern, denn hier werde ich intensiver gebraucht.

 

Wie fällt die Bilanz Deiner letzten Spielzeit als Cheftrainer aus?

Am Ende hat uns ein Punkt gefehlt. Viele Spiele waren unglaublich knapp und wir waren nicht weit weg von zusätzlichen Punkten. Aber umgekehrt konnten wir auch in den letzten Sekunden Punkte ergattern wie in Aue und Hamm. Daheim gegen Hamm verlieren wir dann durch einen abgefälschten Wurf drei Sekunden vor Schluss. Dazu kommen die Spiele gegen Fürstenfeldbruck und Wilhelmshaven, die wir dezimiert antreten mussten. Da war mehr drin. Gegen Fürstenfeldbruck blieb uns jedoch nur ein Training, um uns vorzubereiten, David Knezevic war krank. Man könnte zu jedem Spiel eine lange Geschichte erzählen. Wir konnten jedenfalls nie konstant an einer Thematik arbeiten, denn im nächsten Training war schon wieder alles anders.

 

Was meinst Du damit?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir über Nacht unsere Abwehr umgestellt haben. Wir haben an der 6:0-Deckung gearbeitet, die wir über 17 Jahre etabliert hatten. Dann hat sich Tom Wolf (Kapitän und Chef im Innenblock, Anm. d. Red.) im Training verletzt. Wir haben sofort auf eine 3:2:1-Formation umgestellt. Das hat ein bisschen gebraucht, uns aber sicher einige Punkte gebracht und ordentlich funktioniert. Wir konnten nie ein Problemfeld bearbeiten, sondern mussten die Zeit und Energie immer in die akuteste Baustelle investieren. Wir hatten mit Peter Schramm, Tom Wolf, Joschi Braun, Tim Bornhauser und Felix Jaeger viele über einen längeren Zeitraum verletzte Spieler. Dennoch haben viele Spieler wie Felix Jager, Joschua Braun und Michel Stotz als Abwehrchef eine tolle Entwicklung genommen. Wir sind letztlich jedoch alle sehr enttäuscht, dass wir den Klassenerhalt nicht erneut sichern konnten.

 

 

 

Jetzt geht es sicher darum, diese Leere und Enttäuschung zu verarbeiten.

Und etwas Abstand zu gewinnen und zu sortieren. Ich habe drei Kinder daheim, für die es wichtig ist, dass etwas mehr Konstanz in das Familienleben kommt.

 

Aber Du wirst weiter für die HSG tätig sein. Wie muss man sich die künftige Aufgabenteilung zwischen Jörg Lützelberger, Fabian Schlaich und Dir vorstellen?

Das werden wir in den nächsten Wochen gemeinsam entwickeln. Es gibt hier viele mögliche Tätigkeitsfelder. In der Organisation, indem ich die Geschäftsführer unterstütze und natürlich Jörg da unterstütze, wo er mich braucht. Für Jörg ist es wichtig, dass wir ihm ein gutes Arbeitsumfeld schaffen.

 

Wenn man von klein auf in diesem Verein aufgewachsen ist, für die HSG brennt und sie jeden Tag lebt: Gehen einem dann Misserfolge noch näher und kosten diese dann noch mehr Kraft als ohnehin schon?

Das ist so. Man läuft Gefahr, dass das Herz zu sehr mitspielt. Ich musste daran arbeiten, nicht zu sehr als Fan mit dabei zu sein. Ich habe den Kopf trainiert und mich mental auf die Spiele vorbereitet. Das war eine zusätzliche Anstrengung.

 

Wie würdest Du dabei die Arbeit mit den Spielern, deinen „Jungs“ beschreiben?

Wir haben eine tolle Truppe und ich das Glück, einen sehr guten Draht zu den Leistungsträgern zu haben. Mit Markus Dangers, Tim Jud, Tom Wolf und Peter Schramm habe ich mich sehr intensiv ausgetauscht, aber auch mit den jungen Spielern. Es war keine einfache Saison für uns, dennoch war die Stimmung in der Mannschaft und in der Kabine richtig gut. Die Bereitschaft im Training war top. Jeder war immer voll da. Es war sehr angenehm, mit diesen Jungs zu arbeiten.

 

Lass uns einmal auf die letzten 18 Spielzeiten zurückblicken. Es gab zwei Aufstiege, zweimal den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga, viele Spieler, die über die HSG den Weg in die 1. Bundesliga gegangen sind. Was bleibt dir, positiv wie negativ, besonders in Erinnerung?

Es gab eine langsame, aber stetige Entwicklung bei der HSG. Wir haben Jahr für Jahr mehr Talente dazubekommen und das zu Beginn kleine Gerüst aufgefüllt. Wir waren damals sportlich und organisatorisch noch weit weg von der 2. Bundesliga. Dann kamen Talente wie Yannick Schatz und Kai Mittendorf aus der Region hinzu, später Paul Kaletsch, Fabian Schaich, Mathias Riedel und zuvor noch Simon Flockerzie. Mit ihm und einem starken Mann am Kreis haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht.  Seitdem gibt es eine große Tradition an starken Kreisläufern. Aber auch im linken und rechten Rückraum, in dem wir lange mit Rechtshändern agieren mussten, hat sich viel getan. Ein Spiel in Auerbach ist mir noch besonders in Erinnerung. Wir haben so katastrophal gespielt und waren so dermaßen schlecht, dass wir uns Jahre danach daran erinnert haben, als es in Leutershausen um den Aufstieg ging und haben uns unsere Entwicklung damit vor Augen geführt. Dass das in der Meisterschaft endet, dass sich unsere U23 und Jugend so entwickelt war so nicht abzusehen. Die Spiele gegen Leutershausen und bei und gegen Rostock vor vollen Hallen werden immer hängen bleiben. Schöne Momente gab es viele, wie gegen Nordhorn und Bietigheim. Aber auch Partien wie in Auerbach (lacht.). Lustig war auch das letzte Spiel gegen Rimpar und Rolf Brack, als er in einer 6:0 hat decken lassen und ich in einer 3:2:1 und damit eigentlich genau verdreht. Der Kontakt mit den Kollegen war über all die Zeit sehr von Respekt und auf Augenhöhe geprägt. Vor allem die letzten fünf Jahre waren für die Organisation und Sportler sowas von intensiv. Unter den aktuellen Voraussetzungen kann es immer ein Auf und Ab geben.

 

Wie zuletzt? Worauf führst Du das zurück?

Wenn es gut läuft, entwickeln wir Spieler, die sich in der 2. Bundesliga gut präsentieren. Damit steigt die Gefahr, dass sie für andere Teams interessant werden. Sie haben sich das alle verdient. Sie haben sich diese Herausforderungen in Konstanz erarbeitet. Wir müssen es hinbekommen, dass wir noch mehr Spieler länger bei uns halten. Aber das wird schwierig. Auf der anderen Seite hat sich die HSG als gute Adresse für Toptalente entwickelt.

 

Wie blickst Du nun auf die Zukunft der HSG Konstanz?

Ich mache mir keine Sorgen um die HSG. Der Konstanzer Weg wird immer wieder neu angepasst und weiterentwickelt werden. Die Grundidee ist aber richtig. Ich habe großes Vertrauen in die handelnden Personen. Mit Jörg Lützelberger hat die HSG einen tollen Trainer gefunden. Es liegt viel Arbeit vor allen Verantwortlichen, doch ich bin mir sicher, dass sie erfolgreich sein werden.

 

Fragen: Andreas Joas

 

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