Werden in Kreuzlingen die Machtverhältnisse neu sortiert?
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Werden in Kreuzlingen die Machtverhältnisse neu sortiert?

Seit fast 20 Jahren dominiert der FC Kreuzlingen den Thurgauer Amateurfussball. Mit dem erstmaligen Aufeinandertreffen in einem Pflichtspiel gegen den Stadtrivalen AS Calcio könnten sich die Verhältnisse vielleicht grundlegend ändern.

Nicht erst seit dem Cupspiel gegen Luzern ist der AS Calcio in aller Munde. Ein grosses, ja fantastisches Fussballfest, viel Werbung für den Fussballverein AS Calcio – und der hat ganz nebenbei auch noch gehörig die Trommel für die Stadt Kreuzlingen gerührt. Dass der Underdog die Partie verloren hat tut hier nichts zur Sache, ein Sieg gegen die Profis aus Luzern hat ehedem niemand erwartet. Doch es wäre falsch Calcio auf diese eine Partie zu reduzieren. Beobachtern der Szene ist nicht entgangen, dass dieser Erfolg nicht von ungefähr kommt. Jahrelang hat das von Präsident Marcus Meloni geführten Teams mit erstaunlicher Beharrlichkeit am grossen Ziel gearbeitet. Im vergangenen Frühling dann endlich der grosse Moment: Aufstieg in die 2. Liga Interregional. Doch nach dem Willen von Meloni soll das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Und hier kommt nun der FC Kreuzlingen ins Spiel. Mit langer Geschichte, stolzer Tradition und jeder Menge Ehrgeiz. Mehrfach ist der FCK in den vergangenen Jahren am ersehnten Aufstieg in die 1. Liga vorbeischrammt. Doch die Ziele bleiben unverändert, auch wenn Eingangs der aktuellen Saison geringfügig an der Schraube gedreht wurde: „ Platz ein bis fünf“ so die präsidiale Vorgabe. Auch aus Rücksicht vor dem Stadtrivalen? Die ersten Meisterschaftsrunden lassen diesen Verdacht erhärten. Während der Motor des FCK einfach nicht auf Toren kommt, fegt Calcio ganz im Stil des unbekümmerten Aufsteiges durch die Liga. Zwei Siege bedeuten die zwischenzeitliche Tabellenführung, ehe am vergangenen Dienstag die Ernüchterung folgte: 1:2 Niederlage gegen Bazenheid. Ausgerechnet das punktelose Schlusslicht zeigte Calcio zeitweise seine Grenzen auf. FCK Anhänger erinnern sich nur zu gerne an den 3:2 Sieg in Bazenheid. Wer hat nun die besseren Karten am Samstag? Der unbekümmerte Aufsteiger dem zweifellos spielerische Klasse attestiert werden muss? Oder dreht das Pendel noch einmal auf die Seite des Routiniers? FCK Trainer Kürsat Ortancioglu gab vergangenen Samstag nach dem 3:3 gegen Widnau unumwunden zu Protokoll: „In dieser Verfassung haben wir keine Chance gegen Calcio“. Doch was will das schon heissen im Derby, wo jeder an seine eigenen Grenzen geht - oder gar darüber? „Wir sind froh dass wir überhaupt ein Tor gegen Calcio erzielt haben, wir dachten, wir kriegen hier eine Riesenpackung ab“, so einige Bazenheider Zuschauer sichtlich erleichtert am Dienstag vor Ort auf dem Döbele. Und viele FCK Fans waren insgeheim wohl froh, dass Calcio auf dem Weg die Machtverhältnisse in der Stadt zu ändern erst einmal ausgebremst wurde.

Telegramm

Meisterschaft 2. Liga Interregional
Kreuzlingen – AS Calcio Kreuzlingen
Samstag, 31. August /  16:00 Uhr
Hafenareal / Kreuzlingen