Verein 2.0: Finanzierungsmöglichkeiten für Sportorganisationen
Sportorganisationen

Verein 2.0: Finanzierungsmöglichkeiten für Sportorganisationen

Vereine haben es manchmal schwer, sich selbst zu finanzieren. Die Gebühren, die von den Mitgliedern erhoben werden, fliessen in der Regel direkt in die Fixkosten wie Platzmiete, Nebenkosten oder Versicherung.

Aus diesem Grund greifen gerade die kleineren Clubs auf alternative Möglichkeiten zurück. Hier ist etwa das Crowdfunding zu nennen, die Organisation von öffentlichkeitswirksamen Spendenkampagnen, Patenschaften für neue Spielstätte oder das Sponsoring durch namhafte Firmen, deren Sitz in der Region ist und die sich dadurch erhoffen, ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können.

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-          Crowdfunding – eine neue Form der Schwarmfinanzierung

Was genau ist Crowdfunding und warum ist es so beliebt? In diesem Kommentar der Neuen Zürcher Zeitung wird jene Methode der Geldbeschaffung als Finanzierungsform beschrieben, bei der viele Personen kleine Beträge spenden. Anders als bei einem herkömmlichen Kredit ist hier die Beteiligung der Geldgeber also erheblich geringer, der Output jedoch, sofern genug Spender teilnehmen, ist der gleiche. Zusätzlich ist in der Regel keine monetäre Gegenleistung notwendig. Es handelt sich also um eine Schwarmfinanzierung, die vorwiegend von Kulturprogrammen, Sportvereinen oder gemeinnützigen Gruppen genutzt wird, um die anfallenden Ausgaben decken zu können. Die Möglichkeit sich zu bereichern, ist also ausgeschlossen, stattdessen ruht der Fokus darauf, Projekte zu realisieren. Für einen Sportverein wäre dies etwa die Bereitstellung von Flutlichtanlagen, der Kauf eines neuen Trikotsatzes für Jugendmannschaften oder die Finanzierung von Turnieren beziehungsweise anderen Events. Die wichtigsten Informationen hat die Hochschule Luzern in einem zusammenfassenden Dokument erläutert. Auf finanzieller Ebene ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Nichtsdestotrotz hat sich das Volumen seit 2008 rasant entwickelt, von 0.1 Millionen auf 15.8 Millionen Schweizer Franken. Das Aufkommen ist also gross. Das meiste Geld fliesst dabei in den Kulturbereich (Musik, Konzerte, Festivals), Technik und Wirtschaft (Technologie, Business, Start-Up), gemeinnützige Projekte (Gesellschaft, Soziales) sowie Gesundheit (Vereine, Sport).

Wichtigste Eigenschaft dieser Finanzierungsform ist das Internet, denn ohne die Vernetzung innerhalb der Schweiz gäbe es zum einen gar keine Plattformen und zum anderen wäre es schwer, die Menschen in diesen Massen zu mobilisieren. Organisiert wird dies mit Hilfe des Intermediärs, also des Vermittlers, der als Crowdfunding-Plattform auftritt und von der gesammelten Summe eine Provision erhält. Im Grunde unterteilt sich diese Finanzierung in vier Kategorien, das Crowdinvesting, das Crowsupporting, das Crowddonating sowie das Crowdlending. Bei all diesen Variationen ist es der Schwarm, der als Spender auftritt.

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-          Spendenkampagnen

Diese sind eigentlich für einen guten Zweck, bergen jedoch im Umkehrschluss auch ein grosses Potential und einen finanziellen Nutzen für die Vereine, die diese ausrichten. Denn im Grunde generiert ein Club auf diese Weise neue Wege, Anhänger und Sponsoren zu gewinnen. Es gibt nur wenige Events, die einen öffentlichkeitswirksameren Nutzen hervorrufen als ein Benefizturnier. Ob ein Fussballverein ein Freizeitturnier veranstaltet und Eintritt, Preisgelder sowie Gewinn durch die Verpflegung spendet oder eine bekannte Band anheuert, die für einen guten Zweck auftritt, der Nutzen ist immens, denn die mediale Zurschaustellung ist erheblich viraler als bei anderen Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit mit Sponsoren gestaltet sich ebenfalls einfacher und zudem können öffentliche Gelder akquiriert werden. Wichtig ist, diese Kampagnen von dem Crowdfunding abzugrenzen, denn es handelt sich nicht um eine Schwarmfinanzierung, sondern um ein Event, dessen Erlös für einen guten Zweck gespendet werden soll. Die Vorgehensweise wird in diesem Blogartikel des Raab Verlags näher beschrieben. Es geht zunächst darum, ein passendes Projekt zu finden. Dabei ist es in der Regel sinnvoll, sich auf regionale Begünstigte zu fokussieren, denn diese generieren mehr Aufmerksamkeit und eine stärkere Bindung. Zu oft sind Spender davon überzeugt, dass bei grossen Initiativen ein Teil des Geldes auf der Strecke bleibt. Je kleiner das begünstigte Projekt ist, desto weniger drängt sich dieser Verdacht auf. Nun geht es an die Planung der Kampagne. Was soll überhaupt organisiert werden? Hier gibt es bereits unterschiedliche Möglichkeiten, beginnend bei einem kleinen Kuchenbasar bis hin zu einem grossen Event inklusive Livemusik und Entertainmentprogramm gibt es viele Varianten. Welche Ziele schweben im Raum? Welche Gruppe möchte angesprochen werden und wie gross ist der Zeitrahmen?

Beliebt sind Charity-Games, bei denen für einen guten Zweck gespielt wird. Dann bleibt zwar weniger Geld für den Verein übrig, aber er kann auf diese Weise neue Kooperationen beginnen und findet womöglich einen Sponsor, der anfallende Kosten übernimmt. Allerdings sind bei solchen Aktionen die rechtlichen Aspekte zu beachten. Zum einen sind bestimmte Hygienevorschriften einzuhalten, zum anderen muss eine Ausschankgenehmigung beantragt werden. Anmeldung der Veranstaltung und Kommunikation mit den Behörden sind ebenfalls unumgänglich. Zudem ist es äusserst relevant, sich mit der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik in Verbindung zu setzen, um zu vermeiden, dass etwaige Bestimmungen keine Beachtung finden. Wer sich an diese Vorgehensweise hält, kann mehrere Effekte auf einmal erzielen. So ist es möglich, einem wohltätigen Projekt eine Summe zu spenden, welches diese sinnvoll einsetzen kann. Alternativ lassen sich solche Events medienwirksam vermarkten, sodass nicht nur mehr Anhänger, sondern auch mögliche Finanziers auf den Verein und dessen Arbeit aufmerksam werden. Zu guter Letzt sind solche Events natürlich auch altruistischer Natur und dienen einem guten Zweck.

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-          Patenschaften

 

Was vorwiegend für den Bau neuer Plätze verwendet wird, sind sogenannte Platzpatenschaften. Dies bedeutet, dass über das Internet potentielle Unterstützer eines Vereins für einen kleinen Unkostenbeitrag einen Quadratmeter der Grünfläche als Patenschaft kaufen. Dabei wird der Platz in der Regel in Parzellen unterteilt, welche sowohl von Privatleuten als auch von Unternehmern und anderen Sponsoren erworben werden können. Die Kosten einer Parzelle sind seitens des Anbieters frei zu wählen. Zudem ist es möglich, unterschiedliche Kategorien zu entwickeln. Bei einem Fussballplatz wäre der Mittelpunkt am teuersten, genauso wie der Elfmeterpunkt oder der Bereich im Tor. Wird ein Mindestpreis von 10 Euro pro Quadratmeter gewählt, käme eine Summe von midnestens 64.000 Euro zustande, sofern alle Parzellen veräussert werden könnten. Denn wie dieses Dokument zeigt, sind die Grössen der Anlagen genormt. Das Mindestmass eines solchen Platzes liegt bei 100 Metern Länge und 64 Metern Breite, was eine Fläche von 6400 Quadratmetern und eine gleiche Anzahl an Parzellen ergibt. Solche Patenschaften können also durchaus einen Teil der aufzubringenden Summe bei dem Bau neuer Anlagen beisteuern.

-          Bandenwerbung und Sponsoring

Werbung auf Trikots ist seit jeher eine anerkannte und gefragte Möglichkeit, sich zu finanzieren. Während kleinere Vereine dadurch ihr Equipment bezahlen können, ermöglicht das Sponsoring den grösseren Clubs, einen Teil des Spieleretats zu stemmen. Hier unterscheiden sich die Summen erheblich. Während zum Beispiel wohlhabende Vereine teilweise gar nicht darauf angewiesen sind und auf ihren Trikots eine kostenfreie Werbeplattform offerieren (erkennbar an der Kooperation zwischen UNESCO und dem FC Barcelona) sind andere Clubs auf die Gelder angewiesen. Hier bietet sich der FC Schalke als Beispiel an, der mit GAZPROM auf einen wohlhabenden Trikotsponsor angewiesen ist, um sich aus der persönlichen Schuldenkrise zu befreien.

Der Sponsor muss allerdings nicht nur auf dem Trikot stehen, denn auch in Form eines Stadionhefts, einer Bandenwerbung oder Werbeannonce auf der Homepage des Vereins kann für die eine Seite Geld und für die andere Seite Öffentlichkeitswirksamkeit erwirtschaftet werden. Wichtig ist allerdings, dass der Sponsor immer auf dem neuesten Stand ist. Dies ermöglichen sogenannte Sponsorentreffen, etwa in Form eines Lunchs. Hier können ehrgeizige Ziele und Projekte des Vereins den Geldgebern vorgestellt werden. Diese haben dann die Möglichkeit, neue finanzielle Mittel bereitzustellen, wenn sie der Meinung sind, dass es sich lohnt, das Projekt zu unterstützen. Des Weiteren wird so ein Netzwerk geschaffen, dass immer wieder neue potentielle Unterstützer anlockt. Ziel muss es sein, eine nachhaltige Gruppe von Sponsoren zu generieren, die ihrerseits auch einen Nutzen in der Zusammenarbeit erkennt.

Denn der Vorteil liegt auf beiden Seiten. Während der Verein seine Portokasse aufbessern kann, ist der Sponsor in der Lage, einen Teil des Geldes steuerlich abzusetzen und zudem macht er Werbung für sein eigenes Unternehmen. Anders als bei den Charity-Events handelt es sich hier also nicht um ein altruistisches Verhalten, sondern es geht um den eigenen persönlichen Nutzen.

 

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