„Unsere Chancen auf den Klassenerhalt sind ein bisschen gestiegen“
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„Unsere Chancen auf den Klassenerhalt sind ein bisschen gestiegen“

Michael Oehler nach Vier-Punkte-Wochenende der HSG Konstanz. An einem grandiosen Vier-Punkte-Wochenende konnte die HSG Konstanz zwei große Überraschungen innerhalb von nicht einmal 48 Stunden feiern.

Zunächst wurde der Tabellenzweite TV Hüttenberg vor mehr als 1300 Fans im heimischen Hexenkessel „Schänzle-Hölle“ bezwungen, dann wurde auch noch der bis dahin Dritte der 2. Handball-Bundesliga, die SG BBM Bietigheim bezwungen.

Michael Oehler war wie immer ein ganz wichtiger Faktor als Anführer in der Abwehr, der den Konstanzer Defensivverbund wieder zu alter Stärke stabilisieren konnte und in Bietigheim in den letzten Minuten für zwei siegbringende Ballgewinne verantwortlich war. Im Gespräch mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas verrät er das Erfolgsrezept des derzeit zweitbesten Aufsteigers im Bundesliga-Unterhaus und versucht die Leistungsexplosion in den beiden letzten Partien vor dem wichtigen Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen den ehemaligen Erstligisten TV Emsdetten zu erklären.

Michi, vier Punkte gegen den Zweiten und Dritten der 2. Handball-Bundesliga – und das innerhalb von nicht einmal 48 Stunden. Sprachlos nach diesen beiden Coups?
Mega! Wir konnten als Außenseiter ohne Druck in diese beiden Partien gehen, aber dass es dann so läuft ist natürlich mehr als überragend. Nach den zwei Punkten am Freitag gegen Hüttenberg waren wir schon weit über dem Soll und so konnten wir am Sonntag in Bietigheim noch befreiter als sonst aufspielen.

Womit habt Ihr es geschafft, Bietigheim in eigener Halle zu entzaubern?
Unsere Abwehrarbeit hat mir am Sonntag in der ersten Halbzeit gar nicht so gut gefallen, da haben wir über die erste und zweite Welle viel zu viele einfache Gegentore kassiert. Wir hingegen mussten uns im Angriff extrem abmühen, um zum Torerfolg zu kommen. Da wir aber im Positionsangriff relativ sicher waren, konnten wir trotzdem mit nur einem Tor Rückstand in die Pause gehen. In der zweiten Halbzeit sah das ganz anders aus. Bietigheim ist nur noch zu zwei Gegenstößen gekommen. Noch wichtiger war aber, dass wir nie den Glauben an uns verloren haben, obwohl wir fast 57 Minuten einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Das hat den Ausschlag gegeben und hat uns schon am Freitag stark gemacht. Dazu kam der enorme Einsatz in der Abwehr.

Zwei Spiele gegen die absoluten Topmannschaften innerhalb so kurzer Zeit. Wie ist das – gerade mit einem ohnehin schon durch Verletzungen und Krankheiten dezimierten bzw. geschwächten Kader – zu schaffen?
Es war vor allem verdammt wichtig, dass Felix Gäßler Mathias Riedel nach seiner am Freitag erlittenen Rückenverletzung super entlastet hat. Das hat Mathias Riedel sehr gut getan, zumal er davor wegen einer Grippe auch kaum trainieren konnte. Wenn er dann ausgeruht in das Spiel kam, konnte er für ganz wichtige Tore sorgen und Siebenmeter herausholen. Dazu hat Fabian Maier-Hasselmann Gregor Thomann entlastet und Fabian Schlaich hat natürlich ein brutales Programm gemeistert, genau wie Paul Kaletsch. Darüber hinaus hat uns der Sieg gegen Hüttenberg richtig Auftrieb gegeben. Außerdem muss man auch Patrick Glatt erwähnen, der für einen gerade in der ersten Halbzeit wieder sensationell haltenden Konstantin Poltrum auf das Spielfeld kommt und sich gleich mit einer ganz, ganz wichtigen Parade einfügt.

Woher kommt dann diese Leistungsexplosion, nachdem die erste Halbzeit in Eisenach völlig in die Hose ging und die HSG in Lübbecke gänzlich ohne Chance war?
Das ist schwer zu sagen. Allerdings sind wir in meinen Augen wieder sehr viel mehr als kompakte Einheit aufgetreten und die Emotionen und der Kampfgeist waren deutlich größer. Wir haben uns gegenseitig extrem gespusht. Wir müssen jetzt unbedingt genau so weitermachen. Wir haben trotzdem nur sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Jetzt kommt Emsdetten, das ist wieder ein ganz wichtiges Spiel. Dennoch: Unsere Chancen auf den Klassenerhalt sind über das Wochenende schon ein bisschen gestiegen.

Apropos Emsdetten. Im Hinspiel gab es im zweiten Auswärtsauftritt der Saison eine 23:33-Packung. Gibt es am Samstag, 20 Uhr, in der Schänzle-Hölle die Revanche?
Das wird richtig hart, denn ich glaube Emsdetten liegt uns nicht unbedingt. Das war im Hinspiel schon eine richtige Klatsche, da gibt es einiges wiedergutzumachen. Wir wissen, dass uns die nächste große Herausforderung erwartet – aber wir wollen auf jeden Fall den Kampf der letzten Spiele in die Waagschale werfen.

Beschreib doch mal das Gefühl, wenn man einen ganz großen Erfolg, mit dem kaum einer gerechnet hat, erreicht hat. Was geht da in den ersten Sekunden in einem vor?
Das ist ganz schwer zu beschreiben, man ist zuerst komplett leer. Die letzten zehn Minuten waren unglaublich intensiv, wo man merkt, dass die Mitspieler alle ein wenig müde werden. Ich habe versucht, in der Abwehr etwas Aggressivität hineinzubringen. Nach dem Spiel ist man dann emotional und körperlich fertig. Man weiß zwar, dass man gewonnen hat, trotzdem realisiert man das alles noch gar nicht richtig. Wir sind alle im Tunnel, dann kommt die Erleichterung und wenn die Fans – die heute wieder überragend waren und streckenweise für Heimspielstimmung gesorgt haben – dich immer weiter feiern, kommt alles langsam bei dir an und man nimmt wahr, dass das heute nicht so schlecht gewesen sein kann.

Fragen: Andreas Joas

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de