Snowboard: David Hablützel reist trotz Sturz an Olympische Spiele
Snowboarden

Snowboard: David Hablützel reist trotz Sturz an Olympische Spiele

Der 21-jährige Halfpipe-Snowboarder David «Dave» Hablützel aus Zumikon stürzte im Final der LAAX OPEN am 20. Januar 2018 schwer und zog sich starke Prellungen an Lendenwirbelsäule und Schulter sowie eine Hirnerschütterung zu.

Der junge Zürcher konnte sich mittlerweile den Umständen entsprechend gut von den Folgen seines Sturzes erholen und stand gestern erstmals wieder auf dem Snowboard. Obwohl Halfpipe-Training noch kaum möglich ist, hat das Ärzte- und Trainerteam der Schweizer Delegation entschieden, dass David Hablützel an die Olympischen Spiele reist und so fliegt er morgen Samstag mit dem Freestyle-Team nach Südkorea. Ob er tatsächlich startet, bleibt allerdings vorerst offen.
David Hablützel hatte sehr viel Glück im Unglück: Bei seinem heftigen Sturz im Final der LAAX OPEN vor knapp zwei Wochen hatte er sich zwar starke Prellungen im unteren Rückenbereich und an der Schulter sowie eine Hirnerschütterung zugezogen, sich zum Glück aber keine ernsthaften strukturellen Verletzun-gen geholt. Nach viel Ruhe und Physiotherapie in den vergangenen Tagen hat sich der Freestyle-Snow-boarder gut genug erholt, um an die Olympischen Spiele nach Südkorea zu reisen: «Von der Hirnerschüt-terung merke ich kaum noch was», so Dave Hablützel. «Mein Rücken ist aber noch immer violett und ziemlich geschwollen, was mich in meinen Bewegungen ordentlich einschränkt. Es bessert aber von Tag zu Tag und ich hoffe, dass ich bis zur Halfpipe-Qualifikation am 13. Februar wieder fit sein werde!»

Gestern erstmals wieder auf Schnee
Gestern war Dave Hablützel zum ersten Mal seit seinem Sturz wieder mit dem Snowboard auf dem Schnee: «Ich bin auf einfachem Level gefahren, um das Gefühl wieder zu bekommen. Wirkliches Halfpipe-Training ist zur Zeit jedoch noch kaum möglich», so der Vollblut-Snowboarder. «Ich wollte aber mindestens mal ernsthaft auf dem Brett stehen vor dem Entscheid, ob ich an die Olympischen Spiele reise!» Das Freestyle-Team fliegt morgen Samstag nach Südkorea, das erste Training in der Olympia-Halfpipe findet dann am 8. Februar statt. «Bis dahin stehen für mich Akklimatisierung und die weitere Heilung im Mittelpunkt», so Hablützel. «Ich habe also noch ein paar Tage Zeit, um wieder gesund zu werden.»

Blutegeltherapie zur Hämatom-Abschwellung
Der junge Zürcher hat in den vergangenen zwei Wochen bereits alles unternommen, um seine Genesung zu fördern. «Ich habe mir wegen der Hirnerschütterung sehr viel Ruhe gegönnt, alleine gewohnt und hatte praktisch keinen Kontakt zur Aussenwelt», erklärt der Freestyle-Athlet. Mittlerweile hat die Abschwellung des unteren Rückens Priorität. Dave Hablützel begab sich von Beginn weg in Physiotherapie, das Ausmass des Hämatoms wurde allerdings erst rund vier Tage nach dem Sturz deutlich, die Schwellung war sehr gross. So gross, dass sich der Snowboardprofi mehrmals einer sogenannten Blutegeltherapie unterzog. Dabei werden kleine Blutegel auf das Hämatom angesetzt, die durch ihre Bisse das überflüssige Blut absaugen. Zusätzlich lässt ihr Sekret die Wunden längere Zeit nachbluten. «Es ist schon eine ziemlich eklige und nicht gerade angenehme Prozedur», erzählt David Hablützel von seinen Erfahrungen. «Die Schwellung geht dadurch aber extrem rasch zurück, da das überflüssige Blut gut ausgeschieden werden kann. Am Tag danach bin ich schon viel beweglicher!» Das Ansetzen der

Blutsauger fühle sich etwa wie der Insektenstich einer Bremse an – nur, dass man nicht zuschlagen dürfe, sondern es einfach geschehen lassen muss, klärt Hablützel auf. Einmal angesetzt, merke man nicht mehr so viel, sondern liege dann einfach, bis die Tiere vollgesogen sind.

Die Lehre für den Kopf
Psychisch konnte Dave Hablützel seinen Sturz relativ gut verarbeiten: «Ich habe meinen Fehler genau analysiert und weiss exakt, was falsch gelaufen ist. Da es eine klare Erklärung gibt, kann ich das Ganze im Kopf ziemlich gut wegstecken», so der Halfpipe-Youngster. Im Trainingslauf unmittelbar vor dem Wettkampf war ihm die Bindung gebrochen, sodass er für den zählenden Run noch kurzfristig ein anderes Modell montieren musste. «Das hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Nächstes Mal werde ich ganz bestimmt eine Backup-Bindung dabei haben», zieht der Profi-Athlet seine Lehre.

Grosse Olympia-Vorfreude
Seine Ziele für die Olympischen Spiele musste der junge Zürcher infolge seines heftigen Sturzes allerdings revidieren: «Ich bin extrem froh, dass nicht mehr passiert ist und ich überhaupt nach Südkorea fliegen kann. Ich hoffe nun einfach, dass ich bis zum Olympia-Wettkampf wieder auf meinem bisherigen Niveau Snowboarden und somit starten kann. Das ist mein Hauptziel. Wenn das klappt und alles gut läuft, wäre die Finalqualifikation natürlich das nächstweitere Ziel. Aber dazu muss mein Rücken noch deutlich bessern. Nervös bin ich nicht, da ich mich nun auf meine Gesundheit fokussiere – ich weiss, dass ich einfach mein Bestes geben werde!» Vorerst freut sich Dave Hablützel aber einfach mal auf die Stimmung in Südkorea, auf die vielen Eindrücke und darauf, die Schweiz an diesem Grossanlass vertreten zu dürfen: «Der Wow-Effekt wird bestimmt auch dieses Mal wieder da sein! Mittlerweile bin ich etwas reifer als in Sotchi und werde wohl viel eher realisieren, was das wirklich bedeutet! Ich freue mich daher, wie wenn es meine erste Olympia-Teilnahme wäre!»

Olympia-Facts Halfpipe Men
Die nächsten Olympischen Spiele finden vom 9. bis 25. Februar 2018 in PyeongChang, Südkorea statt. Das Schweizer Snowboard-Freestyle-Team reist morgen Samstag, 3. Februar 2018, nach Südkorea zur Akklimatisierung. Das erste Training in der Olympia-Halfpipe findet am 8. Februar 2018 statt. Die Halfpipe-Qualifikation der Männer findet voraussichtlich am 13. Februar 2018 um 5 Uhr morgens Schweizer Zeit statt. Der Final geht dann am 14. Februar 2018 um 2.30 Uhr morgens Schweizer Zeit über die Bühne. Die Wettkämpfe werden im Phoenix Snow Park ausgetragen.

Über David Hablützel
David Hablützel ist ein 21-jähriger Schweizer Profi-Snowboarder aus Zumikon, der sich auf die Disziplin Halfpipe spezialisiert hat. 2014 fuhr er an den Olympischen Spielen in Sotschi, Russland, als 17-Jähriger überraschend auf den 5. Rang und mischt seither bei Wettkämpfen regelmässig in den Top Ten der Freestyle-Weltspitze mit – aus purer Freude am Snowboarden, wie er selbst sagt. Trotz mehreren Knieverletzungen in den letzten Jahren und einem heftigen Sturz im Halfpipe-Final der LAAX OPEN am 20. Januar 2018 will der sympathische, bodenständige Zürcher an den Olympischen Spielen im Februar 2018 in PyeongChang, Südkorea, erneut ganz nach vorn und kann, sofern Genesung und Wettbewerb optimal verlaufen, auf den Finaleinzug hoffen. www.davidhabluetzel.ch