NLA: Vorne hui, hinten pfui
Unihockey

NLA: Vorne hui, hinten pfui

Der HC Rychenberg entpuppt sich beim 20-jährigen Jubiläum von Titelverteidiger Floorball Köniz als defensiv zu löchrig und verliert deutlich mit 5:12.

Vor einer Woche hatte der HC Rychenberg gegen Topfavorit Wiler-Ersigen einen starken Eindruck hinterlassen und nur mit etwas Pech verloren. Acht Tage später zeigte er sich gegen einen zweiten Favoriten hingegen nicht auf der Höhe seiner Aufgabe. Gegen Köniz liess vor allem die Abwehrarbeit stark zu wünschen übrig, wodurch die Partie nach vierzig Minuten und elf Gegentoren frühzeitig entschieden war. Dass das Team von Jukka Kinnunen in der Offensive immer wieder zu gefallen wusste und das Schlussdrittel mit 2:1 für sich entschied, war ein schwacher Trost; zumal die Niederlage ein Abrutschen unter den Strich nach sich zog und Noah Aeschimann verletzt ausschied.

Guter Start bleibt unbelohnt
Begonnen hatte die Partie noch ganz nach dem Gusto der Winterthurer. Nach einer sehenswerten Kombination tauchte Noah Aeschimann auf Links allein vor Torhüter Patrick Eder auf und nutzte diese Chance kaltblütig zum 1:0. Mit der Effizienz im Abschluss war es bei den Gästen in der Folge aber nicht mehr allzu weit her, ganz im Gegensatz zum Heimteam. Im Startdrittel besass der HCR öfter gefährliche Aktionen vor des Gegners Tor und bewies damit seine unverkennbaren Fortschritte in seinem Spiel mit dem Ball.

Er lag jedoch zur ersten Pause mit 1:4 zurück, weil er im Abschluss zu ungenau war und seine erstklassigen Möglichkeiten nicht nutzte, während Köniz bei seinen Topchancen entschieden gelassener und präziser zu Werke ging und (fast) alle in Tore ummünzte. Auch HCR-Captain Nils Conrad fand das Spiel seiner Mannschaft im ersten Drittel ansprechend: «Wir spielten nicht schlecht mit, liessen aber zu einfache Gegentore zu, was uns zur Zeit immer wieder passiert.»

Eine wesentliche Rolle dürfte dabei gespielt haben, dass die Berner nach lauter Siegen seit Mitte September ein anderes Selbstverständnis besassen als der HCR nach zuletzt vier Niederlagen. Dies bestätigte Conrad: «Wir sind momentan schon etwas verunsichert. Der Wurm ist drin und dann steht man immer wieder am falschen Ort. Dadurch befindet sich der Block jeweils zu weit auseinander und ist keine Einheit, was immer wieder zu Unterzahlsituationen führte.» Am System liege es hingegen kaum, schliesslich habe dieses in der Vorbereitung und anfangs Saison noch gut funktioniert.

Die Räume nicht schliessen können
Für den weiteren Verlauf der Partie spielte der deutliche Vorsprung dem Favoriten natürlich in die Hände. Gleichzeitig machte der HCR seine Sache im Mitteldrittel aber auch nicht eben gut. Er schloss die Räume im Zentrum viel zu wenig, sei es in der Mittelzone oder sei es unmittelbar vor dem eigenen Tor. Die Berner nutzten die gewährte Bewegungsfreiheit weidlich aus, stiessen immer wieder wenig bedrängt mit Einzelaktionen in die gefährlichen Zonen vor und trafen in den zweiten zwanzig Minuten weitere sieben Mal. Danach war beim Stand von 11:3 die Entscheidung früh gefallen.

Zu Gute halten darf man dem HCR, dass er sich auch in dieser schwierigen Situation nicht aufgab oder zu unbedachten Aktionen hinreissen liess. Dass er noch an eine Aufholjagd glaubte, war allerdings trotz weiterer aufgelegter Chancen nicht zu erkennen. Die Körpersprache liess keine Zweifel am Ausgang der Partie. Gleichzeitig schienen die Berner ihren Torhunger gestillt zu haben, was in ein ziemlich belangloses Schlussdrittel mündete. Jonas Lutz und Tobias Studer nutzten die geringere Kadenz immerhin noch zu zwei schönen Toren, was für die nächsten Spiele etwas Auftrieb geben könnte.

Conrad resümierte die Partie in Köniz realistisch, wenn er sagt: «Dass wir verloren, war nicht so überraschend. Köniz besitzt eine starke Mannschaft. Die Art und Weise der Niederlage war jedoch störend.» Für den weiteren Verlauf der Saison und die bevorstehenden wichtigen Spiele gegen Zug, Uster und Kloten gibt er sich jedoch kämpferisch: «Wir wissen, dass wir es können. Allerdings würde es unsere Aufgabe massgeblich erleichtern, könnten wir mal mit einem Vorsprung im Rücken spielen.» Gegen Köniz war dies lediglich zwischen der dritten und fünften Minute der Fall gewesen.

Resultate der 9. Runde: Floorball Köniz – HC Rychenberg Winterthur 12:5. UHC Waldkirch-St. Gallen – Grasshopper-Club Zürich verschoben. SV Wiler-Ersigen – UHC Uster 5:4. Kloten-Dietlikon Jets – UHC Alligator Malans 5:6 n. Vrl. Chur Unihockey – Unihockey Tigers Langnau 9:4. Zug United – UHC Thun 12:9. – Nachtragsspiel der 5. Runde: UHC Thun – UHC Uster 6:4.

Telegramm

Floorball Köniz – HC Rychenberg Winterthur 12:5 (4:1, 7:2, 1:2)
Sporthallen Weissenstein, Bern Schiedsrichter: Fässler/Schläpfer 1750 Zuschauer
Köniz: Eder; Castrischer, Hutzli; Junkkarinen, Müller; Hirschi, Haldemann; Blaser; Doza, Ruh, Alder; Zaugg, Ledergerber, Michel; Bolliger, Schmocker, Pillichody; Saner, Baumann.
Rychenberg: Gruber (36. Schüpbach); Conrad, Sämi Gutknecht; Saarnio, Schaub; Huser, Noah Aeschimann (Borth); Wöcke, Gröbli, Studer; Borth (24. Kern), Toropainen, Tim Aeschimann; Andi Gutknecht, Grunder, Lutz.
Tore: 3. Noah Aeschimann (Andi Gutknecht) 0:1. 5. Ledergerber 1:1. 12. Michel (Zaugg) 2:1. 16. Doza (Alder) 3:1. 20. Alder (Doza) 4:1. 22. Müller (Ledergerber) 5:1. 24. Castrischer (Doza) 6:1. 25. Wöcke (Noah Aeschimann) 6:2. 25. Alder 7:2. 30. Pillichody (Junkkarinen; Ausschluss Saarnio) 8:2. 32. Zaugg (Ledergerber) 9:2. 34. Lutz (Gröbli) 9:3. 36. Alder (Doza) 10:3. 40. Alder (Castrischer) 11:3. 51. Lutz (Conrad) 11:4. 56. Studer (Gröbli) 11:5. 59. Hutzli 12:5.
Strafen: 2x2 Minuten gegen Köniz (48. Pillichody, 60. Zaugg), 3x2 Minuten gegen Rychenberg (30. Saarnio, 45. Wöcke, 54. Lutz).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Schwerzmann (verletzt), Hauser und Tilus (krank) und Haag (abwesend). Köniz ohne Iiskola. Beide Teams durchgehend mit drei Linien. 24. Time-out Rychenberg. 24. Noah Aeschimann verletzt ausgeschieden. Danach Wöcke in der Verteidigung. 32. Pfostenschuss Lutz. Alder und Lutz als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.