NLA: Steter Tropfen höhlt den Stein
Unihockey

NLA: Steter Tropfen höhlt den Stein

Der HC Rychenberg lässt hinten ab dem zweiten Drittel kaum noch etwas zu und gewinnt das Startspiel gegen Aufsteiger Zug darum verdientermassen mit 9:4.

Der HC Rychenberg ist besser aus den Startpflöcken gekommen, als wohl von den meisten Auguren erwartet worden war. Die Resultate der Vorbereitungsspiele waren mässig gewesen und hatten einen harzigen Saisonstart erwarten lassen. Was dann aber das Team von Rolf Kern im Heimspiel gegen Zug aufs Parkett zauberte, war erstaunlich stilsicher und abgeklärt, zumal für ein Erstrundenspiel gegen einen Widersacher, der noch vom Enthusiasmus seines Aufstiegs getragen wird. Der 9:4-Sieg vor vollen Rängen entsprach auch in dieser Deutlichkeit dem Gezeigten. Matchwinner mit drei Toren und zwei Assists war Neuzugang Linard Parli.

Rychenberg legt dreimal vor
Im ersten Drittel hielten sich die Spielanteile noch ziemlich die Waage. Auf Zuger Seite war es die erste Formation um den Schweden Billy Nilsson, die sich ab und an in der gegnerischen Hälfte festzusetzen verstand. Für viel Torgefahr konnte sie dabei jedoch nicht sorgen. Zu aufmerksam verteidigten die Winterthurer ihr Tor. Erstmals ernsthaft sein Können zeigen konnte ihr Keeper Ruven Gruber erst in der 17. Minute. Eine Zeigerumdrehung später musste er sich bei einem Distanzschuss im einzigen Zuger Überzahlspiel des Abend zum 1:1 geschlagen geben.

Befand sich Nilsson nicht auf dem Feld, war es in aller Regel der HCR, der die Pace bestimmte. Und schon in der Startphase zeigte sich, dass er viel Zug aufs Tor entwickeln kann. Bis zum Ende des Drittels waren es ein halbes Dutzend erfolgversprechender Torchancen. Erstmals richtig gefährlich wurde es in der dritten Minute, als Parli vor dem Zuger Tor auftauchte. Und noch in derselben Minute erzielte der Bündner volley sein erstes Tor an neuer Wirkungsstätte. Von dessen Anerkennung wollten die Schiedsrichterinnen aber wegen womöglich hohen Stocks nichts wissen.

In der elften Minute wurde das 1:0 doch Tatsache: Niklas Niiranen tauchte am langen Pfosten auf und verwertete Mikko Hautaniemis Flippass ohne jedes Zögern. Dass ein Verteidiger an vorderster Front aufgetaucht war und für das Führungstor verantwortlich zeichnete, war symptomatisch für die Spielweise der Winterthurer. Anders als bei den völlig verkorksten, weil statischen Auftritten in den Playoffs der vergangenen Saison gefielen sie durch viele Positionswechsel in ihren Reihen. Diese Variabilität verstärkte sich mit wachsendem Zutrauen im Laufe der Partie sukzessive und sorgte immer wieder für Gefahr.

Eine Triplette sorgt für die Entscheidung
Gleichzeitig liess die Defensive ab dem Mitteldrittel immer weniger zu. Die Folge davon war, dass der HCR das Geschehen nach der ersten Pause nahezu ununterbrochen diktierte, sich fast pausenlos im Vorwärtsgang befand und viel Druck erzeugte. Die Tore von Fredrik Holtz und Parli waren die logische Konsequenz daraus und wäre nach vierzig Minuten die Vorentscheidung gefallen gewesen, hätte dies wohl kaum jemanden verwundert.

Die Innerschweizer schafften aber beide Male den Ausgleich und als sie zu Beginn des Schlussabschnitts dank einer starken Einzelaktion Nilssons gar erstmals in Führung gingen, schien ein unerwartetes Ende möglich zu sein. Doch der HCR liess sich nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen. Parli, Tobias Studer mit seiner NLA-Torpremiere und Holtz korrigierten den Rückstand kurz darauf mit einer Triplette innert 71 Sekunden.

Der Mist war damit geführt. Der HCR kontrollierte das Geschehen in den verbleibenden 13 Minuten nach Belieben und sorgte mit weiteren Treffern durch Captain Nils Conrad, den in den ersten vierzig Minuten geschonten Rasmus Sundstedt und erneut Parli für ein leistungsgerechtes Schlussresultat von 9:4. «Unser drittes Drittel war gut und wir schlugen auch Profit daraus», bilanzierte Kern. «Ab dem 3:4 besass Zug keine reelle Torchance mehr.»

Zuvor hatte er eine kontinuierliche Steigerung seiner Mannschaft gesehen: «Unser Start war kontrolliert, mit viel Ballbesitz. Das Passspiel war aber noch etwas verhalten. Später wurde unsere Defensive zusehends besser und zuletzt auch unsere Abschlüsse genauer.» Ganz besonders freute ihn, dass der junge Studer das «Game winning goal» zum 5:4 verbuchte. Ob eine vergleichbare Leistung am kommenden Freitag gegen Köniz reichen wird, muss sich freilich erst weisen.

Die Pflicht im Cup erfüllt
Das Erstrundenspiel gegen den Aufsteiger war nicht der erste Ernstkampf von Kerns Truppe gewesen. Tags zuvor hatte sie bereits zum Cup-Sechzehntelfinal in St. Galler Rheintal ausrücken müssen. Obwohl die angeschlagenen Spieler auf der Bank blieben, setzte sich der HCR gegen den UHC Rangers Grabs-Werdenberg wie erwartet problemlos mit 12:2 durch.

Angesichts der ungleich langen Spiesse verbarrikadierte sich der Zweitligist während sechzig Minuten mit Maus und Mann so nah vor sein Tor, wie es Kern noch nie erlebt hatte. Mit langen, zuweilen unkontrollierten Bällen auf den einen steil startenden Stürmer suchten die Ostschweizer ihr offensives Glück. Da der HCR bald einmal ein paar Tore vorlegte, konnte die Abwehrschlacht keine Überraschung bewirken. «Die Leistung war okay», fand Kern. «Etwas mehr Tore hätten wir aber schon erzielen können.»

René Bachmann (rab)

Resultate der 1. Runde: HC Rychenberg Winterthur – Zug United 9:4. SV Wiler-Ersigen – Floorball Köniz 3:8. UHC Thun – UHC Alligator Malans 8:10. UHC Uster – Grasshopper-Club Zürich 2:12. Kloten-Bülach Jets – Unihockey Tigers Langnau 5:6 n. Vrl. Chur Unihockey – UHC Waldkirch-St. Gallen 7:4.

 

Telegramm

HC Rychenberg Winterthur – Zug United 9:4 (1:1, 2:2, 6:1)
Sporthalle Oberseen, Winterthur Schiedsrichter: Wehinger/Zurbuchen 650 Zuschauer
Rychenberg: Gruber; Conrad, Huser; Niiranen, Sämi Gutknecht; Parli, Wöcke (41. Sundstedt), Holtz; Hautaniemi, Koskelainen (53. Wöcke), Schaub; Studer.
Zug: Bär; Staub, Hietanen; Menon, Yannick Schelbert; Uhr, Fiechter; Poletti, Thomas Grüter, Billy Nilsson; Thunvall, Koutný, Suter; Joshua Schelbert, Flütsch, Laely.
Tore: 11. Niiranen (Hautaniemi) 1:0. 18. Staub (Thomas Grüter; Ausschluss Conrad) 1:1. 26. Holtz (Conrad) 2:1. 28. Thunvall (Suter) 2:2. 34. Parli (Wöcke) 3:2. 38. Billy Nilsson (Staub) 3:3. 41. Billy Nilsson 3:4. 46. (45:09) Parli (Sundstedt) 4:4. 46. (45:55) Studer (Sämi Gutknecht) 5:4. 47. (46:20) Holtz (Conrad) 6:4. 50. Conrad (Parli) 7:4. 53. Sundstedt (Parli) 8:4. 54. Parli (Sundstedt) 9:4.
Strafen: 1x2 Minuten gegen Rychenberg (17. Conrad), 1x2 Minuten gegen Zug (38. Menon).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Schwerzmann (verletzt), Noah Aeschimann, Andi Gutknecht, Haag, Krebs, Schüpbach und Weder (alle Ersatz). Zug ohne Petter Nilsson. Rychenberg durchgehend mit zwei Linien. Zug mit drei, ab der 47. Minute mit zwei Linien. 3. Tor Parlis wegen hohen Stocks aberkannt. 46. Torpremiere Studers in der NLA. 47. Time-out Zug. 54. Pfostenschuss Holtz. Parli und Billy Nilsson als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.