NLA: In der Nachspielzeit erleidet der HCR den ‹Sudden death›
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NLA: In der Nachspielzeit erleidet der HCR den ‹Sudden death›

Die Saison ist für den HC Rychenberg zu Ende. Der Qualifikationszweite unterliegt am Wochenende Aussenseiter Langnau auswärts mit 2:6 und zuhause mit 6:7 nach Verlängerung, womit die Best of 7-Serie mit 1:4 verloren geht.

Mit dem HC Rychenberg scheidet einer der Titelaspiranten bereits im Viertelfinal aus. Zwei Niederlagen am Wochenende besiegeln sein Schicksal. In einer überaus zähen Partie ohne spielerische Raffinesse unterlagen die Winterthurer am Samstag in Biglen mit 2:6 und tags darauf in einer animierten Begegnung trotz eines frühen Viertorevorsprungs mit 6:7 nach Verlängerung.

Das Out des Teams von Rolf Kern hatte sich in den ersten drei Spielen angedeutet. Während Langnau das Optimum aus seinen bescheideneren Möglichkeiten herausholte, gelang es dem HCR selten, seine grössere Anzahl Pferdestärken aufs Parkett zu bringen. Es machte den Anschein, als hätte der nach einem Fünftorevorsprung noch verlorene Cupfinal kurz vor den Playoffs zu einer mentalen Blockade geführt, die zu lösen nicht gelang.

Ein Eigentor zur Unzeit
Die Partie in Biglen erinnerte in vielerlei Hinsicht an jene eine Woche zuvor. Nach einem Startdrittel, in dem sich die Spielanteile der beiden Teams ebenso wie die (bescheidene) Anzahl Chancen in etwa die Waage gehalten hatten, übernahm der HCR beim Stand von 1:1 im Mitteldrittel das Diktat. Die Linien um Benjamin Borth und Kari Koskelainen drängten den Gastgeber weit zurück und erarbeitete sich ein paar Halbchancen. Das sich abzeichnende 2:1 wollte aber partout nicht fallen, zum einen weil die Langnauer Box standhielt, zum anderen weil die Abschlüsse wiederholt zu ungenau ausfielen.

Der Anfang vom Ende aus Rychenberger Sicht ereignete sich just während dieser Druckphase. Ein Entlastungsangriff des Heimteams führte zu einem Kuddelmuddel vor Ruven Gruber und der HCR-Keeper beförderte den Ball unglücklich über die eigene Linie. Mit diesem einen Tor trat jene Situation ein, welche die Langnauer so sehr lieben. Mit der Führung im Rücken beschränkten sie sich für die restlichen 35 Minuten über weite Strecken darauf, ihre Feste hartnäckig und mit einigem Geschick zu verrammeln und auf jene Ballverluste zu warten, die ihnen die Tür für ihre gefährlichen Konter öffneten.

Vergebliches Anrennen
Und wie vor einer Woche tat ihnen der HCR diesen Gefallen. Nach einem kurzen Moment des Schocks begannen die Winterthurer wieder zu drücken, dies allerdings fehlerhaft. Die Quittung folgte auf den Fuss: In der 33. in Überzahl und in der 36. Minute verloren sie den Ball in des Gegners Hälfte und es reichte jeweils ein einziger Pass des genialen Schweden Johan Samuelsson in die Tiefe, um das ganze Dispositiv auszuhebeln.

Das 2:4 durch HCR-Captain Lukas Grunder noch vor der zweiten Pause schürte nochmals ein wenig Hoffnung. Doch sie sollte enttäuscht werden. Die Winterthurer befanden sich auch im Schlussdrittel mehrheitlich in Ballbesitz, fanden aber weiterhin kaum einmal ein Rezept, um die dicht stehende, mit einer Unzahl kleiner Fouls jeden Spielfluss abwürgende Abwehr aus den Angeln zu heben. Dem Bemühen fehlte es am Überraschungsmoment, es war zu statisch, wirkte uninspiriert und kraftlos. Vier gute Möglichkeiten fürs Anschlusstor erarbeitete sich der HCR von der 42. bis zur 52. Minute trotzdem, doch einzugreifen braucht Langnaus Goalie nur einmal. Unmittelbar nach der letzten dieser Chancen machten die Emmentaler mit einem Freistoss alles klar.

Ein 4:0 reichte nicht
Wie verwandelt begann der HCR in der Heimhalle. Mit zwei Linien rückte er oft weit auf, ging aggressiver in die Zweikämpfe und suchte den direkten Weg zum Tor. Der HCR bestimmte das Geschehen und führte nach zwölf Minuten verdientermassen mit 4:0. Die Emmentaler hatten alle Hände damit zu tun, den Schaden nicht noch grösser werden zu lassen.

Langnaus Trainer nahm sein Time-out und konnte damit das Geschehen einigermassen beruhigen. Die besseren Chancen besass aber weiterhin der HCR. Darum war es sehr überraschend, dass die Gäste noch vor der ersten Pause auf 2:4 verkürzten. Die Gegentore hinterliessen beim HCR Spuren. Er wurde im Mitteldrittel wieder passiver und seine Überzeugung im Angriff liess nach.

Dies nutzte Langnau rigoros aus. Nicht aus dem Spiel heraus, denn da liess der HCR wenig zu, sondern wie im Startdrittel mit einem Freistoss und einem Tor in Überzahl glichen die Emmentaler aus. Mit geringem Aufwand hatten sie ein 0:4 aufgeholt, sehr zum Verdruss von HCR-Trainer Rolf Kern: «Scheisse. Wir schaffen es einfach nicht, einen Vorsprung auszubauen» und das Spiel sauber hinunterzuspielen. Der Cupfinal lässt grüssen, das Selbstverständnis hat sich verabschiedet.

Der HCR zeigte aber Resilienz. Er rappelte sich wieder auf, ging im Schlussdrittel durch Pascal Kern und später durch Kari Koskelainen zweimal verdientermassen abermals in Führung und schien das Geschehen wieder unter Kontrolle gebracht zu haben. Zwei Distanzschüsse retteten Langnau jedoch in die Verlängerung. In dieser hatte der HCR entswchieden mehr vom Spiel und kam den ‹Golden Goal› mehrmals sehr nahe. Nach acht Minuten besiegelte aber ein wilder dritter Weitschuss Rychenbergs Aus im Viertelfinal. Es war das vierte Überzahltor Langnau an diesem Nachmittag, womit Trainer Kern die Bestätigung erfuhr, dass Über-, Unterzahl und Freistösse in engen Partien das Zünglein an der Waage spielen. Auf diesen Nachweis hätte er gewiss gerne verzichtet.

Resultate Playoff-Viertelfinal (best of 7): Unihockey Tigers Langnau – HC Rychenberg Winterthur 6:2. HC Rychenberg Winterthur – Unihockey Tigers Langnau 6:7 n. Vrl. Stand: Langnau mit 4:1 Siegen im Halbfinal. Kloten-Bülach Jets – SV Wiler-Ersigen 5:6 n. Pen. SV Wiler-Ersigen – Kloten-Bülach Jets ... Stand: SV Wiler-Ersigen führt mit ... Floorball Köniz – Grasshopper-Club Zürich 6:7 n. Vrl. Grasshopper-Club Zürich – Floorball Köniz 5:8. Stand: Grasshopper-Club Zürich führt mit 3:2. Chur Unihockey – UHC Alligator Malans 7:3. UHC Alligator Malans – Chur Unihockey 7:6 n. Vrl. Stand: UHC Alligator Malans führt mit 3:2.

Telegramm

Unihockey Tigers Langnau – HC Rychenberg Winterthur 6:2 (1:1, 3:1, 2:0)
Espace-Arena, Biglen Schiedsrichter: Hohler/Koch 450 Zuschauer
Langnau: Furrer; Mosimann, Stefan Siegenthaler; Schlegel, Beer; Gfeller, Bärtschi; Kropf, Johan Samuelsson, Steiner; Hollenstein, Engel, Aeschlimann; Krähenbühl, Guggisberg (21. Glauser), Brechbühl.
Rychenberg: Gruber; Gutknecht, Podhráský; Conrad, Klauenbösch; Niiranen, Sundstedt; Hautaniemi, Koskelainen, Moritz Schaub; Kern, Rüedsegger, Schwerzmann; Wöcke (21. Grunder), Borth, Holtz.
Tore: 3. Moritz Schaub (Hautaniemi) 0:1. 8. Beer (Stefan Siegenthaler; Strafe gegen Moritz Schaub soeben abgelaufen) 1:1. 25. Eigentor Rychenberg 2:1. 33. Beer (Johan Samuelsson; Ausschluss Kropf!) 3:1. 36. Kropf (Johan Samuelsson) 4:1. 37. Grunder (Holtz) 4:2. 53. Stefan Siegenthaler (Johan Samuelsson) 5:2. 58. Stefan Siegenthaler (Ausschluss Krähenbühl!; ins leere Tor) 6:2.
Strafen: 3x2 Minuten gegen Langnau (31./45. Kropf, 56. Krähenbühl), 2x2 Minuten gegen Rychenberg (6. Moritz Schaub, 59. Hautaniemi).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Keller (verletzt), Buff (krank), Huser, Kapp, Luis Schaub (alle Ersatz) und Haag (Thurgau, NLB). Langnau ohne Anton Samuelsson (verletzt) und Jürg Siegenthaler (Ersatz). Beide Teams grösstenteils mit drei Linien. 5. Pfostenschuss Stefan Siegenthaler. 20. Lattenschuss Gutknecht. 33. Pfostenschuss Engel. 33. Lattenschuss Moritz Schaub. Furrer und Grunder als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.

HC Rychenberg Winterthur – Unihockey Tigers Langnau 6:7 n. Vrl. (4:2, 0:2, 2:2, 0:1)
Sporthalle Oberseen, Winterthur Schiedsrichter: Wehinger/Zurbuchen 600 Zuschauer
Rychenberg: Gruber; Niiranen, Podhráský; Conrad, Sundstedt; Klauenbösch; Buff, Grunder, Holtz; Hautaniemi, Koskelainen, Moritz Schaub; Kern, Rüegesegger, Schwerzmann; Borth.
Langnau: Furrer; Mosimann, Stefan Siegenthaler; Gfeller, Bärtschi; Schlegel, Beer; Kropf, Johan Samuelsson, Steiner; Aeschlimann, Hollenstein, Glauser; Brechbühl, Engel, Krähenbühl.
Tore: 2. Koskelainen (Moritz Schaub) 1:0. 5. Hautaniemi (Klauenbösch) 2:0. 8. Kern (Sundstedt; Ausschluss Johan Samuelsson) 3:0. 12. Moritz Schaub (Hautaniemi) 4:0. 15. Gfeller (Beer; Ausschluss Grunder) 4:1. 16. Beer (Krähenbühl) 4:2. 24. Engel (Beer) 4:3. 32. Stefan Siegenthaler (Beer; Ausschluss Moritz Schaub) 4:4. 42. Kern (Sundstedt) 5:4. 44. Beer (Johan Samuelsson; Ausschluss Podhráský) 5:5. 49. Koskelainen (Kern; Ausschluss Bärtschi) 6:5. 57. Schlegel (Gfeller) 6:6. 68. (67:09) Beer (Gfeller; Ausschluss Kern) 6:7.
Strafen: 5x2 Minuten (14. Grunder, 31. Moritz Schaub, 42./44. Podhráský, 67. Kern) plus 1x10 Minuten (46. Podhrasky) gegen Rychenberg, 2x2 Minuten gegen Langnau (7. Johan Samuelsson, 47. Bärtschi).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Keller (verletzt), Borth, Gutknecht, Huser, Kapp, Luis Schaub, Wöcke (alle Ersatz) und Haag (Thurgau, NLB). Langnau ohne Guggisberg, Anton Samuelsson (beide verletzt) und Jürg Siegenthaler (Ersatz). Rychenberg mit zwei, von der 14. bis 57. Minute mit drei Linien. Langnau mit zwei, von der 16. bis 20. Minute mit drei Linien. 12. Time-out Langnau. 39. Pfostenschuss Sundstedt. 54. Pfostenschuss Kern. Kern und Beer als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.