NLA: HCR für Tormangel bestraft
Unihockey

NLA: HCR für Tormangel bestraft

Der HC Rychenberg lässt sich im letzten Drittel die Butter von Waldkirch-St. Gallen noch vom Brot nehmen und verliert trotz einer – zu knappen – 4:2-Führung noch mit 5:7.

Am Ende eines Ostschweizer Derbys, das im Schlussdrittel eine gänzlich unerwartete Wendung genommen hatte, stand das Gros der Zuschauer, Spieler und Betreuer etwas bedröppelt herum, während sich die Gästespieler frenetisch feierten. Was war geschehen? Der HC Rychenberg war nach vierzig Minuten mit 4:2 in Front gelegen und schien auf bestem Weg zu sein, den vierten Sieg im fünften Spiel einzufahren. Doch Waldkirch hatte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu verlieren, ging im letzten Drittel ‹all in› und schaffte noch die unerwartete Wende.

HCR-Trainer Rolf Kern war von den letzten zwanzig Minuten seiner Mannschaft sichtlich enttäuscht: «Wir gingen ganz und gar nicht gut mit der Situation um. Es fehlte uns an Geduld und Cleverness, um die sich öffnenden Räume zu nutzen.» Als luzides Beispiel führte Kern einen schnellen Gegenstoss an, bei dem drei Winterthurer auf einen Verteidiger loslaufen konnten, den Ball aber liegen liessen, weshalb am Ende nicht einmal ein Torschuss herausschaute, und im Gegenzug ein Gegentor fiel.

Die Entscheidung verpasst
Begonnen hatte die Partie so, wie es hatte erwartet werden können. Der HC Rychenberg bestimmte mehrheitlich das Geschehen und erzeugte vorab mit der ersten und dritten Linie erheblichen Druck. Derweil suchte WaSa in erster Linie mit Kontern sein Glück und konnte damit wiederholt für erhebliche Gefahr sorgen. Auffälligstes Merkmal des Startdrittels war freilich, dass Waldkirch inzwischen von Fabian Arvidsson eine respektable spielerische Note eingeimpft erhalten hat und es dem Hauruck-Unihockey früherer Tage abgeschworen hat.

Ein unentschiedener Spielstand hätte die Chancenverteilung der ersten zwanzig Minuten am besten abgebildet, Rychenbergs knappe 2:1-Führung war freilich auch nicht gestohlen. Die Fortsetzung sollte dies bestätigen. Der HCR bekam die schnellen Gegenstösse der Gäste im Mitteldrittel ausgezeichnet in den Griff, bestimmte nahezu uneingeschränkt das Geschehen und fand immer wieder den Weg zu aufgelegten Chancen. Kern sprach zurecht von einem sehr guten zweiten Drittel, musste indes gleich selber eine Einschränkung anfügen: «Aus unseren 29 Abschlüssen hätten wir mehr als bloss zwei Tore machen müssen.» Angesichts der erklecklichen Anzahl Möglichkeiten hätten es fünf, sechs Treffer sein müssen, womit die Entscheidung nach vierzig Minuten sehr wahrscheinlich gefallen gewesen wäre.

Am Ende blieb bloss der Ärger
Für die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Abschluss wurde der HCR im Schlussdrittel bestraft. Waldkirch warf alles nach vorne und wurde schon bald dafür belohnt. Freilich entsprangen die Tore nicht aus dieser Druckphase, sondern aus Kontern und aus Schnitzern in der Rychenberger Hintermannschaft. In der 45. Minute verkürzten die Gäste und auf Moritz Schaubs baldiges 5:3 liessen sie postwendend eine Dublette folgen, womit die Partie von vorne losging.

Der HCR bekam danach wieder leicht Oberwasser, doch hatte WaSa Blut endgültig geleckt, warf den Ball immer wieder in Richtung Winterthurer Tor und hatte das eine oder andere Mal auch etwas – erarbeitetes – Glück im Abschluss. Und als WaSa in der 55. Minute zum zweiten Mal in Führung ging, hatte Kerns Mannschaft trotz Herausnahme des Torhüters und einer Fünfminutenstrafe gegen die Ostschweizer keine passende Antwort mehr in petto. Die Aufgabe nicht eben erleichtert hatte, dass Michael Schiess knapp drei Minuten vor dem Ende Rasmus Sundstedt mit einem überharten Einsteigen den Ball abluchste und zum 7:5 traf und der Schwede von den Schiedsrichtern für einen (angeblichen?) Ellbogenschlag vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde.

Vor dem Spiel als Prophet aufgetreten war im Rückblick Kerns Assistent Philippe Soutter: «Mit unserer Entwicklung bin ich sehr zufrieden. Allerdings wird es auch wieder Rückschläge geben.» Ein solcher war das Schlussdrittel gegen das kampfstarke Waldkirch zweifellos. Am kommenden Samstag gegen Malans sollte ein solcher Taucher vermieden werden. Ansonsten rückt der Strich näher.

René Bachmann (rab)

 

Resultate der 5. Runde: HC Rychenberg Winterthur – UHC Waldkirch-St. Gallen 5:7. Floorball Köniz – UHC Uster 8:7 n. Vrl. UHC Alligator Malans – Grasshopper-Club Zürich 4:7. Unihockey Tigers Langnau – Zug United 8:6. Chur Unihockey – UHC Thun 8:5. - bereits am 1. Oktober gespielt: Kloten-Bülach Jets – SV Wiler-Ersigen 4:6.

Telegramm

HC Rychenberg Winterthur – UHC Waldkirch-St. Gallen 5:7 (2:1, 2:1, 1:5)
Sporthalle Oberseen, Winterthur Schiedsrichter: Bühler/Bühler 450 Zuschauer
Rychenberg: Gruber; Conrad, Huser; Niiranen, Sämi Gutknecht; Haag, Baumer; Parli, Sundstedt, Holtz; Hautaniemi, Wöcke, Schaub; Studer, Koskelainen, Schwerzmann.
Waldkirch: Jud; Jeanot Eschbach, Büsser; Meier, Sonderegger; Brülisauer, Lieberherr; Chris Eschbach, Conzett, Roman Mittelholzer; Schiess, Jordan, Alder; Gross, Büchel, Mutter.
Tore: 6. (5:13) Gross (Lieberherr) 0:1. 6. (5:25) Parli (Holtz) 1:1. 7. Haag (Koskelainen) 2:1. 26. Parli (Sundstedt; Ausschluss Büsser) 3:1. 30. Roman Mittelholzer (Chris Eschbach; Ausschluss Parli) 3:2. 36. Gutknecht (Wöcke) 4:2. 45. (44:12) Chris Eschbach (Roman Mittelholzer) 4:3. 45. (44:55) Schaub (Gutknecht) 5:3. 46. (45:06) Roman Mittelholzer (Conzett) 5:4. 46. (45:40)
Jordan (Alder) 5:5. 55. Büsser (Conzett) 5:6. 58. Schiess (Ausschluss Gross!) 5:7.
Strafen: 1x2 Minuten (30. Parli) plus Matchstrafe III mit 1x5 Minuten (58. Sundstedt) gegen Rychenberg, 3x2 Minuten (25. Büsser, 37./59. Gross) plus 1x5 Minuten (55. Jeanot Eschbach) gegen Waldkirch.
Bemerkungen: Rychenberg ohne Borth, Grunder (auf Reisen), Lutz, Schüpbach und Weder (Ersatz). Waldkirch ohne Jan Králík und Thomas Mittelholzer. Beide Teams mit drei, ab der 41. mit zwei Linien. NLA-Torpremiere für Haag. 34. Pfostenschuss Schwerzmann. 45. Tor Alders wegen Fouls bei der Balleroberung aberkannt. 56. Lattenschuss Schiess. 57:14 Time-out Rychenberg. Rychenberg ab 57:14 mehrheitlich mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Gutknecht und Schiess als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.