NLA: Der HCR strebt den 1. Titel seit Langem an
Unihockey

NLA: Der HCR strebt den 1. Titel seit Langem an

In seinem achten Cupfinal will der HC Rychenberg den Pott zum fünften Mal in die Höhe stemmen. Die Chancen dafür sind intakt, auch wenn GC aufgrund seiner grösseren Erfahrung in K.o.-Spielen leicht zu favorisieren ist.

In den Anfängen seiner Historie war der HC Rychenberg ein veritabler Cupschreck. Während es in der Meisterschaft wiederholt nicht nach ganz zuvorderst reichte, konnte sich der Verein zwischen 1986 und 1996 viermal in die Annalen des Schweizer Cups eintragen. Seither ist sehr viel Wasser die Eulach hinunter geflossen und noch immer wartet der HCR auf die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte. Dreimal scheiterte er seither beim letzten Schritt, dem Final, zuletzt vor nun doch auch schon fast elf Jahren durch eine knappe 3:4-Niederlage gegen Alligator Malans.

In jenem dramatischen und hochstehenden Spiel in der ausverkauften Wankdorfhalle mit dabei waren Rolf Kern und Jonas Grunder. Das aktuelle Trainerduo des HCR weiss also ganz genau, was ihre Spieler heute in Bern erwarten wird und wie es sie auf ein solches K.o.-Spiel vor grosser Kulisse vorbereiten musste. Dies war gewiss hilfreich, denn wenn ihre Mannschaft dem Gegner in etwas hinterherhinkt, dann ist es zuallererst die mangelnde Erfahrung mit solchen Friss-oder-stirb-Spielen, wie es der Cupfinal eins ist. Daran ändert auch nichts, dass die Playoffs und die Event-Heimspiele ähnlichen Charakters sind und vergleichbar viele Zuschauer anlocken.

Während fast die komplette aktuelle Ausgabe des Grasshopper-Clubs Zürich im vergangenen Jahr im Superfinal (10:8-Sieg gegen Köniz) und im Cupfinal (3:7-Niederlage gegen Köniz) Erfahrungen sammelte und etliche Spieler schon beim Cupsieg von 2014 dabei waren, sind finale K.o.-Spiel für die meisten Winterthurer Neuland. Neben den Trainern verfügen einzig noch die Ausländer Fredrik Holtz, Kari Koskelainen, Michal Podhráský und Rasmus Sundstedt aus ihrer Heimat oder der Nationalmannschaft über dergleichen Praxis auf höchster Stufe.

Das Plus an Routine spricht für GC. Nichtsdestotrotz ist der Ausgang völlig ungewiss und ein knappes Verdikt sehr wahrscheinlich. Die beiden Kantonsrivalen starten auf Augenhöhe, dies zumindest legen die Resultate der bisherigen Saison nah. In der Meisterschaft belegen sie nach dem Abschluss der Qualifikation die Ränge 2 und 3, nur durch einen Punkt voneinander getrennt. Und in den Direktduellen setzte sich jeweils das Heimteam knapp durch. Zudem: Schon in den vorangegangenen Jahren waren die Derbys stets eine enge Angelegenheit gewesen, wie die im Gedächtnis haften gebliebene begeisternde Playoff-Halbfinalserie vom Vorjahr beweist.

Auf dem Weg in den Cupfinal räumten GC wie der HCR einen ganz grossen Brocken aus dem Weg. Nach drei problemlosen Siegen gegen Unterklassige rangen die Stadtzürcher im Halbfinal Malans mit 7:5 nieder. Und der HCR warf zuerst im Viertelfinal Topfavorit Wiler-Ersigen mit 2:1 aus dem Wettbewerb, ehe er sich in der Vorschlussrunde in Chur mit 5:3 durchsetzte. Es war die rekordverdächtige dreizehnte Cup-Begegnung in Folge, die die Winterthurer in den vergangenen gut fünf Jahren auswärts bestreiten mussten. Der Cupfinal ist die Nummer 14. Er ist freilich auch für den Gegner ein Auswärtsspiel, die raren Berner Spieler auf beiden Seiten ausgenommen.

Der HCR kann eigentlich ganz entspannt der Dinge harren, die ihn in Bern erwarten werden, denn das offizielle Saisonziel ist mit der Finalteilnahme bereits erreicht. «Wir wollen etwas bewegen», hatte Cheftrainer Kern vor der Saison ausgeführt. «Darum müssen in der Qualifikation die Top 4 unser Ziel sein. Und danach muss ein Final realistisch sein.» Doch mit dem Hunger kommt bekanntlich der Appetit. Wer in Bern dabei ist, will den Final auch gewinnen. Zumal wenn der letzte Titel bereits zwanzig Jahre her ist.