NLA: Der HCR muss Lösungen finden
Unihockey

NLA: Der HCR muss Lösungen finden

Der HC Rychenberg lässt sich von ungemein effizienten Langnauer Tigers zweimal düpieren und steht bereits erheblich unter Druck. Entscheidend waren die zahlreichen Konter, die die Winterthurer durch Ballverluste zuliessen.

Wer hätte das gedacht. Nach dem ersten Wochenende liegt der HC Rychenberg, der Zweite des Grunddurchgangs, in seiner Viertelfinalserie gegen den Siebten Unihockey Tigers Langnau mit 0:2 im Hintertreffen. Die damit verbundenen Kalamitäten müssen sich die Winterthurer ans eigene Revers heften.

Am Samstag waren sie noch nicht richtig bereit für die Playoffs und handelten sich so nicht nur eine (trotzdem unnötige) 6:7-Niederlage nach Verlängerung ein, sondern bauten damit gleich auch noch einen Gegner auf, der in der Qualifikation noch völlig chancenlos gewesen war. Und am Sonntag leisteten sie sich in Biglen zahlreiche Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Diese nutzte Langnau zwischen der 30. und 33. Minute mit vier von insgesamt sieben erfolgreich abgeschlossenen Kontern zur Vorentscheidung.

Noch nicht im Playoff-Modus
Zum Start der Viertelfinalserie gegen Langnau verspielte der HCR eher überraschend seinen in der Qualifikation herausgeholten Heimvorteil. Die Niederlage war aus Winterthurer Sicht wenig zwingend. Das Team von Rolf Kern hatte das Kommando nach zähen ersten sieben Minuten, die schadlos überstanden werden konnten, weitgehend übernommen und es schien bloss eine Frage der Zeit zu sein, bis sich dies auch im Ergebnis niederschlüge. Das Führungstor durch Felix Buff in der 14. Minute verstärkte diesen Eindruck noch.

Doch der Schein trog, wie Kern monierte: «Wir waren zu wenig aggressiv, zu wenig dominant und zu wenig mutig. Wir befanden uns schlicht nicht im Playoff-Modus.» Der HCR trat nicht nonchalant und fahrig auf, aber er schaffte es nie, die nötige Konsequenz und Kompromisslosigkeit aufs Parkett zu zaubern. Dies brachte es mit sich, dass richtig gute Chancen während des gesamten Spiels selten blieben, und es dem HCR darum nicht gelang, die ‹giftigen› und erwartet lauffreudigen Emmentaler zu distanzieren.

Vom 3:5 zum 6:5 und doch verloren
Dennoch rieben sich die meisten Zuschauer verwundert die Augen, dass es die Gäste waren, die in der zweiten Hälfte des Mitteldrittels mit drei Toren binnen neun Minuten auf 5:3 davonziehen konnten. Nicht erst in dieser Phase erwiesen sie sich als erheblich effizienter als die Winterthurer. Kern reagierte prompt und bündelte für den dritten Abschnitt seine Kräfte. Die Massnahme zeitigte umgehend Wirkung. Bis zur 50. Minute machte der HCR nicht nur den Rückstand wett, sondern ging seinerseits wieder in Führung. Das 7:5, das den Sieg wohl gesichert hätte, verpasste er allerdings ab der 55. Minute in Überzahl.

Wer die Statistik bemüht, den beschlich trotz Führung ein mulmiges Gefühl. Fünf von sechs Playoffspielen, die zuletzt mit einem Tor Unterschied geendet hatten, hatte Langnau für sich entschieden. Und prompt glichen die Gäste 100 Sekunden vor dem Ablauf der regulären Spielzeit aus, als sie den Torhüter ersetzt hatten. Und in der Verlängerung sorgte Spielmacher Johan Samuelsson für die Entscheidung.

Sich auskontern lassen
Die Niederlage zeitigte Wirkung. Der HCR bekundete am Sonntag beträchtliche Mühe, in sein dominantes Spiel zu finden. Mit ihrem direkten Spiel fanden die Emmentaler immer wieder Lücken in der Winterthurer Hintermannschaft. Erst nach rund zehn Minuten fand sich der HCR etwas besser zurecht, ohne daraus nennenswerte Chancen generieren zu können. Es brauchte denn auch ein Powerplay-Tor, um das Skore zu eröffnen. Dass der Gastgeber wenig später mit einem Konter ausglich, war gewiss mehr als verdient.

Im Mitteldrittel bekamen die Winterthurer das Geschehen dann allerdings unter Kontrolle. Sie agierten ruhiger und konnten die Ballverluste in der Mittelzone auf ein Minimum beschränken. Die gefährlichste Waffe der Emmentaler, ihr Konterspiel, verlor so erheblich an Bedeutung. Und als Kari Koskelainen in der 28. Minute ein zweites Überzahlspiel zum 2:1 nutzte, schien der HCR auf gutem Weg zur Rehabiltation zu sein.

Doch just in diesem Moment der Beruhigung begannen sich wieder Ballverluste einzuschleichen. Langnau nutzte diese mit seinen agilen Vorderleuten konsequent aus und gaben der Partie mit vier Kontertoren innert vier Minuten die letztlich entscheidende Wende. Der HCR versuchte in der Folge alles um nochmals heranzukommen, und schnürte den Gegner im Schlussdrittel auch mehrmals ein, mehr als Dominanz schaute dabei aber nicht heraus. Die Brechstange half diesmal nicht weiter, auch weil die Abschlüsse meist zu ungenau ausfielen.

Für den HCR verlief der Start ins Viertelfinal alles andere denn positiv. Trainer Kern ist nun gefordert, Lösungen wider das aufsässige und geradlinige Spiel Langnaus zu finden. Und die Spieler müssen zu mehr Contenance im Aufbau und mehr Konsequenz vor den beiden Toren finden. Und nicht zuletzt muss ihnen gelingen, die eigentlich grössere individuelle Klasse zu koordinieren, denn in Sachen Kollektiv waren ihnen die Emmentaler in beiden Matches einiges voraus. Noch ist nichts Entscheidendes passiert, wie Kern zu sagen pflegt: «Noch immer benötigen vier Siege.» Doch muss am Mittwoch eine deutliche Reaktion erfolgen.

René Bachmann (rab)

 

Resultate Playoff-Viertelfinal (best of 7): HC Rychenberg Winterthur – Unihockey Tigers Langnau 6:7 n. Vrl. Unihockey Tigers Langnau – HC Rychenberg Winterthur 9:4. Stand: Langnau führt mit 2:0. SV Wiler-Ersigen – Kloten-Bülach Jets 2:3 n. Vrl. Kloten-Bülach Jets – SV Wiler-Ersigen … Stand: … Grasshopper-Club Zürich – Floorball Köniz 3:7. Floorball Köniz – Grasshopper-Club Zürich … Stand: … UHC Alligator Malans – Chur Unihockey 5:4. Chur Unihockey – UHC Alligator Malans 5:3. Stand: 1:1.

Telegramm

HC Rychenberg Winterthur – Unihockey Tigers Langnau 6:7 n. Vrl. (1:1, 2:4, 3:1, 0:1)
Sporthalle Oberseen, Winterthur Schiedsrichter: Hohler/Koch 550 Zuschauer
Rychenberg: Gruber; Conrad, Sundstedt; Gutknecht, Podhráský; Niiranen, Rüegsegger; Buff, Borth, Holtz; Kern, Koskelainen, Schwerzmann; Hautaniemi, Grunder, Moritz Schaub.
Langnau: Furrer; Mosimann, Stefan Siegenthaler; Schlegel, Beer; Gfeller, Bärtschi; Anton Samuelsson, Johan Samuelsson, Steiner; Hollenstein, Engel, Kropf; Krähenbühl, Guggisberg, Brechbühl.
Tore: 14. Buff (Borth) 1:0. 16. Guggisberg (Brechbühl) 1:1. 22. Stefan Siegenthaler (Beer; Ausschluss Rüegsegger) 1:2. 25. Buff (Conrad) 2:2. 27. Niiranen (Moritz Schaub) 3:2. 28. Anton Samuelsson (Johan Samuelsson) 3:3. 32. Brechbühl 3:4. 36. Anton Samuelsson (Johan Samuelsson; Ausschluss Gutknecht) 3:5. 43. Sundstedt (Koskelainen) 4:5. 47. Buff (Hautaniemi; Ausschluss Gfeller) 5:5. 50. Niiranen (Buff) 6:5. 59. Anton Samuelsson (Johan Samuelsson; Langnau ohne Torhüter) 6:6. 65. (64:44) Johan Samuelsson (Steiner) 6:7.
Strafen: 2x2 Minuten gegen Rychenberg (22. Rüegsegger, 35. Gutknecht), 2x2 Minuten gegen Langnau (46. Gfeller, 55. Anton Samuelsson).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Keller (verletzt), Huser, Kapp, Klauenbösch, Luis Schaub, Wöcke (alle Ersatz), und Haag (Thurgau, NLB). Langnau ohne Aeschlimann und Jürg Siegenthaler (beide Ersatz). Rychenberg mit drei, ab der 41. Minute mit zwei Linien. Langnau mit drei, ab der 46. Minute mit zwei Linien. 1. Pfostenschuss Steiner. 57:21 Time-out Langnau. Langnau von 57:21 bis 58:20 in Ballbesitz mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. 58:47 Time-out Rychenberg. Buff und Brechbühl als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.

Unihockey Tigers Langnau – HC Rychenberg Winterthur 9:4 (1:1, 4:2, 4:1)
Espace Arena, Biglen Schiedsrichter: Wehinger/Zurbuchen 400 Zuschauer
Langnau: Furrer; Mosimann, Stefan Siegenthaler; Schlegel, Beer; Gfeller, Bärtschi; Anton Samuelsson (35. Glauser), Johan Samuelsson, Steiner; Hollenstein, Engel, Kropf; Krähenbühl, Guggisberg, Brechbühl; Aeschlimann.
Rychenberg: Luis Schaub; Niiranen, Sundstedt; Conrad, Klauenbösch; Gutknecht, Podhráský; Wöcke; Buff, Borth, Holtz; Hautaniemi, Grunder, Moritz Schaub; Koskelainen, Rüegsegger, Schwerzmann.
Tore: 16. Holtz (Sundstedt; Ausschluss Johan Samuelsson) 0:1. 18. Brechbühl (Krähenbühl) 1:1. 28. Koskelainen (Sundstedt; Ausschluss Mosimann) 1:2. 30. Brechbühl (Krähenbühl) 2:2. 31. Engel (Kropf) 3:2. 32. Brechbühl (Krähenbühl) 4:2. 33. Kropf (Johan Samuelsson) 5:2. 38. Sundstedt (Hautaniemi) 5:3. 41. Mosimann (Steiner) 6:3. 43. Kropf (Steiner) 7:3. 50. Grunder (Niiranen; Ausschluss Podhráský!) 7:4. 54. Hollenstein (Steiner) 8:4. 60. Johan Samuelsson (Furrer; Ausschluss Buff; ins leere Tor) 9:4.
Strafen: 6x2 Minuten gegen Langnau (13. Anton Samuelsson, 15./35. Johan Samuelsson, 27. Mosimann, 44. Gfeller, 55. Kropf), 3x2 Minuten gegen Rychenberg (9. Niiranen, 48. Podhráský, 58. Buff).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Keller (verletzt), Gruber, Huser, Kapp, Kern (alle Ersatz), und Haag (Thurgau, NLB). Langnau ohne Jürg Siegenthaler (Ersatz). Rychenberg mit drei, ab der 33. Minute mit zwei Linien. Langnau über weite Strecken mit drei Linien. 33. Time-out Rychenberg. Rychenberg ab 57. in Ballbesitz mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Brechbühl und Koskelainen als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.