„Neue Reizpunkte setzen“
Eishockey

„Neue Reizpunkte setzen“

Je länger die 1.-Liga-Meisterschaft dauert, desto mehr Gewicht erhält der mentale Aspekt. Um die Spannung während der Masterround aufrechtzuhalten, empfiehlt Sportpsychologe Jan Rauch Veränderungen vorzunehmen. Ohne dabei das Teamgefüge durcheinander zubringen.

 

Jan Rauch*, wie schwer wiegt, dass die Amateursportler nach einem Arbeitstag noch ein Heim- oder Auswärtsspiel bestreiten?

Vom mentalen Standpunkt her muss es kein Nachteil sein. Ein Grossteil aller Breitensportler betreibt am Abend gerne als Ausgleich zur Arbeit Sport. Diese Leute empfinden es auch nicht als Last. Man kann sich fragen, ob man sich am Abend lieber noch für einen Geschäftsanlass oder ein Meeting aufraffen würde als für ein Eishockeyspiel.

Die Reisen an die Auswärtsspiele können sicherlich beschwerlich sein, aber gehören zum Hobby, das man gerne ausübt. Es kann aber durchaus sein, dass sich die Arbeit belastend auf den Sport auswirkt. Beispielsweise jetzt in der hektischen Adventszeit.

Nach der 1.-Liga-Qualifikation werden sechs Mannschaften die Playoffs (noch) nicht erreicht haben. Teilweise war das Verdikt recht knapp. Wie kann die Spannung nach diesem Rückschlag wieder aufgebaut werden?

Das kommt sehr auf die gesteckten Ziele an. Ein Meister verfolgt andere Ziele als ein Aufsteiger. Wenn die eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden, kommt Druck auf. Verläuft es andersrum kann man befreiter aufspielen.

Bei diesen sechs Teams entsteht nach der Qualifikation vielleicht Enttäuschung und Motivationsverlust. Damit die Mannschaft in dieser Phase abgeholt werden kann, muss man mit ihr das weitere Vorgehen besprechen. Durch geschickte Zielsetzung kann die Motivation hochgehalten werden.

Die andere Hälfte der Teams ist bereits für die Playoffs qualifiziert und bereitet sich nun während zehn Masterround-Partien darauf vor. Es gibt spannenderes…

Es müssen neue Reizpunkte gesetzt werden. Während eine Mannschaft mit älteren Spielern im Hinblick auf die Playoffs kräfteschonend spielen kann, wird ein jüngeres Team weniger ausprobieren und wohl eher weiter powern. Immer mit der Hoffnung, das Niveau beizubehalten.

Was meinen Sie mit neuen Reizpunkte?

Jeder Spieler soll sich in dieser Meisterschaftsphase fragen, was er sich persönlich vornehmen will. Er kann sich vor den Playoffs nochmals zeigen.

Es bietet sich auch die Chance, dem Ersatztorhüter mehr Einsatzzeit zu gewähren und andere Formationen auszuprobieren. Im Powerplay kann die zweite Linie eingesetzt werden. Bei dieser Vielzahl an Veränderungsmöglichkeiten wird natürlich auf das Teamgefüge geschaut.

Oft in dieser 1.-Liga-Saison und allgemein im Sport gesehen: Wenn eine Mannschaft ein Gegentreffer kassiert, können in den nächsten 120 Sekunden gut zwei weitere dazukommen.

Frust und Ärger, zum Beispiel über ein Gegentor, führen zu Konzentrationsverlust.. Die Konzentration lässt aber ebenso bei grosser Freude, das heisst bei einem eigenen Torerfolg nach. Allgemein führen starke Emotionen dazu, dass mentale Energie abgezogen wird. Der optimale Leistungszustand kann verloren gehen.

Wie kann man diesem Umstand entgegenwirken?

Die Mannschaft kann mental auf dieses Szenario vorbereitet werden. Wie wird gespielt, wenn wir ein Tor erhalten? Wie sollen wir spielen, wenn wir in Führung liegen? Aus diesem Grund stehen in heiklen Phasen einer Partie, zum Beispiel in der Schlussphase, häufig die Routiniers mit ihrer Erfahrung auf dem Eis.

Eine Studie hat übrigens gezeigt, dass Nervosität und Anspannung weniger an der Konzentration zerren als die erwähnten starken Emotionen.

 

*Dr. des. Jan Rauch

IAP Institut für Angewandte Psychologie

Zentrum Human Resources, Development & Sportpsychologie