Liegend statt sitzend: Joner Spitzensportlerin wechselt Sparte
Behindertensport

Liegend statt sitzend: Joner Spitzensportlerin wechselt Sparte

Als Rollstuhlsportlerin hat sie sich einen Namen gemacht. Als Handbikerin will sie ihrer Karriere im Spitzensport neuen Schub verleihen: Sandra Stöckli-Hager geht unbeschwert an die bevorstehenden Herausforderungen heran.

Nach einer verkorksten Saison 2013, die von einer langwierigen Rippenverletzung stark beeinträchtigt war, ging Sandra Stöckli-Hager über die Bücher. Sie nahm eine Standortanalyse vor, machte sich viele Gedanken über ihre sportliche Zukunft und schlug schliesslich einen neuen Weg ein. Sie verabschiedete sich vorerst für eine Saison von der Rollstuhlsport-Szene und schloss sich den Handbikern an. „Ich brauchte eine neue Herausforderung“, begründet sie ihren Entscheid. Statt wie früher sitzend im Rennstuhl wird sie in der bevorstehenden Saison ihre Wettkämpfe liegend in einem Handbike bestreiten.

Vize-Meisterin beim Debüt
Erste Erfahrungen mit dem neuen Sportgerät sammelte die 28-jährige Jonerin im vergangenen Sommer, als sie aufgrund ihrer Verletzung nach neuen Trainingsformen suchte und auf das Handbike stiess. Sie beliess es dabei nicht nur beim Training, sondern bestritt auch gleich die Schweizer Meisterschaften in Satigny. Dort fuhr sie auf Anhieb die Silbermedaille heraus. Dadurch weckte sie Begehrlichkeiten bei Swiss Cycling, dem nationalen Radsportverband, dem die Sparte Handbike untersteht. „Ich fühle mich bei den Handbikern gut aufgehoben und gefordert. Das neue Umfeld passt mir.“ so Sandra Stöckli-Hager.

Sandra Stöckli-Hager zeigt sich fasziniert von der Sportart. Die höheren Tempi im Vergleich zu ihren bisherigen Wettkampfauftritten im Rennrollstuhl haben es ihr angetan. Mit ihrem Liegebike erreicht sie selbst in der Fläche Spitzengeschwindigkeiten von über 30 km/h. Auch im physischen Bereich sind zwischen den beiden Sportarten Unterschiede auszumachen. „Beim Fahren mit dem Handbike sind zum Teil andere Muskelgruppen betroffen als bei der Leichtathletik im Rollstuhl“, stellt die Jonerin fest. „Durch das intensive Training fühlt sich mein Oberkörper robuster an.“

Starke Leistung in Hamburg
Ihre Wettkämpfe trägt sie mit dem Handbike auf der Strasse aus. Dort fühlte sie sich schon als Rollstuhlsportlerin überaus wohl und erzielte im Marathon beachtliche Erfolge. Beachtlich schlug sie sich auch bei ihrem diesjährigen Saisonauftakt mit dem Handbike. Anfang Mai beendete sie den international stark besetzten Hamburg Marathon als Dritte. Mit 1:25:51 Stunden fuhr sie eine erstklassige Zeit heraus. Sie blieb unter dem Streckenrekord aus dem Vorjahr.

„Ich hoffe, diesen Schwung in die nächsten Rennen mitnehmen zu können“, erklärt die Neo-Handbikerin, die eine spätere Rückkehr in den Rollstuhlsport nicht ausschliesst, vorerst aber möglichst viele positiven Erfahrungen in der veränderten Umgebung sammeln möchte. In Bezug auf eine mögliche Teilnahme an den Weltmeisterschaften in diesem Jahr verliert die Jonerin gegenwärtig keine Gedanken. Sie lässt sich nicht unter Druck setzen und geht unbeschwert an de bevorstehenden Aufgaben heran. „Ich versuche einfach mein Bestes zu geben und Spass zu haben“, verrät sie. (ff)

www.sandrastoeckli.ch

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Sandra Stöckli-Hager ist mit dem Handbike schnell unterwegs