HSG Konstanz verliert trotz starker Leistung mit ganz viel Pech in Hamm
Handball

HSG Konstanz verliert trotz starker Leistung mit ganz viel Pech in Hamm

Nach furioser Aufholjagd:. Der Handball-Gott – sofern es ihn gibt – ist kein Konstanzer. Nach vier Ein-Tor-Niederlagen musste die HSG Konstanz in jener Arena, in der Balingen mit elf und Bietigheim mit 16 Toren Unterschied verloren hatten, trotz bärenstarker Vorstellung eine neuerliche, an Pech kaum zu überbietende 26:28 (10:17)-Niederlage schlucken.

Frust und Enttäuschung machte sich so nach Schlusspfiff bei den über Weihnachten 26000 Kilometer gereisten Gästen vom Bodensee breit. Alle schüttelten die Köpfe, haderten und konnten den nächsten Genickschlag nicht verstehen. Blankes Entsetzen war auf den Gesichtern zu erkennen, völliges Unverständnis, als die Eblen-Equipe völlig abwesend in die Kabine schlich. Verdient hatten sie den unglücklichen Knockout jedenfalls nicht, dafür war die HSG zu gut an diesem Tag. Allerdings war am Ende eine ganz miese Phase in den letzten Minuten der ersten Halbzeit schließlich doch eine zu große Hypothek. Hätte Konstanz sich hier etwas cleverer angestellt und nicht reihenweise Pass-, Fang- und sonstige technische Fehler begangen, es hätte die riesengroße Sensation bei einem der heimstärksten Teams der Liga sein können.

Bis auf das 1:0 benötige der Tabellenvierte 20 Minuten, um das erste Mal – begünstigt durch haarsträubende Fehler der HSG – in Führung zu gehen. Vorher hatte vor allem die Deckung der HSG wieder deutlich mehr Stabilität als zuletzt offenbart. Konstantin Poltrum fand so nicht nur bei einem gehaltenen Siebenmeter gut in die Partie und vorne bot sich nach der 2:1-Führung durch Tim Jud sogar die Chance zur schnellen Zwei-Tore-Führung. Fabian Schlaich nutze aber die zweite Gelegenheit zum 3:1 aus ganz spitzem Winkel. Chris Berchtenbreiter brachte Konstanz nach 16 Minuten gar mit 7:5 in Front – ein erstes Ausrufezeichen, dass die enormen Reisestrapazen alles andere als müde Beine verursacht hatten.

Allerdings war die Konzentration nach einer tollen ersten Viertelstunde plötzlich wie verflogen. Mit teilweise unerklärlichen Fehlern brachte die HSG eine bis dato nicht richtig auf dem Platz wirkende Heimmannschaft selbst wieder ins Rollen. Die nahm die Einladung dankend an, streute einige leichte Tore über den Tempogegenstoß ein und setzte sich innerhalb weniger Minuten, trotz Auszeit von Daniel Eblen, auf sieben Tore ab. Halbzeitstand: 17:10 und die gute Leistung der HSG war nicht mehr im Zwischenstand abzulesen.

Nun drohte den Gelb-Blauen vom Bodensee das gleiche Schicksal wie so vielen Mannschaften in Hamm, die hier regelrecht überrollt wurden. Genau diese Stimmung herrschte im gut gefüllten Rund der Arena auch zu Beginn des zweiten Durchgangs. Die über 2000 Zuschauer warteten nur darauf, bis das Ergebnis zweistellig werden würde. Doch Konstanz strafte all jene, die sich bereits in Sicherheit wogen. Zunächst mit einer zwischenzeitlichen Umstellung auf eine 5:1-Abwehr und vor allem die Hereinnahme des lange verletzten Julius Heil erwies sich als echter Glücksgriff. Heil brachte Tempo, Spielwitz und Torgefahr auf Halblinks, nachdem Konstanz – erneut ohne sechs Verletzte – auch den immer noch angeschlagenen Mathias Riedel weitgehend im Angriff schonen musste.

Heil war es, der mit einem herrlichen Pass und einem eigenen Tor die Richtung vorgab: Aufgeben gibt es nicht bei der HSG. Tor für Tor kämpfte sich Konstanz dank es nun zweiten herausragenden Akteurs, Tom Wolf, heran und war trotz einiger frei vergebener Großchancen auch so nach 55 Minuten am Ziel. Ausgleich, 25:25. Max Schwarz tankte sich durch die ASV-Abwehr und ließ die Auswechselbank der HSG jubeln. Ausnahmezustand, sieben Tore aufgeholt, die Sensation greifbar, Konstanz obenauf, Hamm nervös – das war die nun völlig gedrehte Ausgangssituation. Doch ein Fehlpass und eine Zeitstrafe machten die furiose Aufholjagd zunichte. Zwar blieb Konstanz auch nach zwei Toren Vorsprung von Hamm bis zum Ende dran, verkürzte 30 Sekunden vor Schluss noch einmal durch Fabian Maier-Hasselmann auf 26:27, doch schließlich war es wie so oft in dieser Saison. Viele Komplimente für eine herausragende kämpferische Leistung, spielerische Höhepunkte und eine tolle Vorstellung für Konstanz, Punkte für den Gegner.

Nach des nicht belohnten extremen Aufwandes über Weihnachten hat die HSG Konstanz nun bis zum 10. Februar Zeit, das neuerliche unfassbare Pech zu verdauen. Sollte das Glück in der Rückrunde auch einmal den Weg ans Schänzle finden, bei nur vier Punkten Rückstand ist für die Schützlinge von Daniel Eblen noch alles drin im Kampf um den Klassenerhalt.

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de

Telegramm

ASV Hamm-Westfalen – HSG Konstanz 28:26 (17:10)
ASV Hamm-Westfalen: Storbeck, Lorger (Tor); Blohme (5), Huesmann (1), Brosch (2), Fridgeirsson (2), Schwabe (1), Krieg, Gudat (1), Papadopoulos (2/1), Spiekermann, Zintel (9/5), Possehl (3), Neuhold (1). Trainer: Kay Rothenpieler
HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Konstantin Poltrum (Tor); Fabian Schlaich (2), Mathias Riedel (2), Tom Wolf (8/4), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (2), Felix Gäßler (1), Tim Jud (2), Chris Berchtenbreiter (3), Maximilian Schwarz (3), Felix Klingler (1), Julius Heil (2). Trainer: Daniel Eblen
Zuschauer: 2129 in der Westpress-Arena Hamm. Schiedsrichter: Fabian Friedel aus Aue Rick Herrmann aus Zschorlau.