HSG Konstanz geht bei Superball großen Schritt in Richtung Klassenerhalt
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HSG Konstanz geht bei Superball großen Schritt in Richtung Klassenerhalt

Achter Heimsieg: Die HSG Konstanz feierte zusammen mit mehr als 1550 lautstarken Fans und zahlreichen Vertretern der regionalen Wirtschaft und Politik sowie unter den Augen von TVB-Stuttgart-Trainer Markus Baur in der Schänzle-Hölle ein rauschendes Osterfest.

Im Rahmen des Superballs wurde die in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie erstellte neue Hymne vorgestellt, danach herrschte Gänsehautatmosphäre – mit großem Jubel nach Schlusspfiff. Mit dem 29:23 (15:14)-Erfolg gegen den HC Empor Rostock ging die HSG einen eminent wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt und verbesserte sich mit nun 28 Punkten auf Tabellenplatz elf – vier Zähler vor der kritischen Zone.

Immer, wenn der Bundesliga-Superball von SV Allensbach und HSG Konstanz lockt, dann strömt die Hegau-Bodensee-Region in die Schänzle-Hölle. Schon am frühen Abend verwandelten bereits über 1000 Zuschauer die Halle in ein Tollhaus, als Allensbach als Vierter im Drittliga-Spitzenspiel gegen den Zweiten Gröbenzell in der letzten Minute zum 29:29-Ausgleich kam und einen verdienten Punktgewinn feiern konnte. Am Abend war die Hauttribüne dann vollbesetzt und knapp 1600 Fans verwandelten die Schänzle-Hölle wieder einmal in einen Hexenkessel.

Eine Unterstützung, die Wirkung zeigt. Viermal gab es den Superball, viermal ging die HSG Konstanz in ihren Spielen als Sieger hervor. So auch dieses Mal mit einem am Ende sicheren und eminent wichtigen Sieg gegen Schlusslicht Rostock – der achte Heimsieg der Saison. Damit hat sich die HSG als Aufsteiger bereits 28 Punkte gesichert, muss aber mit nur vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone weiter wachsam im verrückten Kampf um den Klassenerhalt sein. Andre Melchert, Sportlicher Leiter und Co-Trainer des Tabellenelften vom Bodensee, war die Freude über ein rundum gelungenes Event nach dem Spiel anzumerken: „Schöner Abend, vor allem, wenn man das Ergebnis sieht.“ Dennoch machte er keinen Hehl aus der großen Drucksituation vor dem Spiel und der dadurch gerade zu Beginn auffälligen Nervosität seiner jungen Mannschaft, die sich erst an die Rolle des Favoriten gewöhnen musste. „Das Spiel war nicht so berauschend, wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit recht schwer getan. Es fehlte die Bindung in der Abwehr und im Angriff lief es auch noch nicht so rund, mit vielen leichten technischen Fehlern.“

Dabei hatte das junge HSG-Team schon vor dem Spiel eine Hiobsbotschaft zu verkraften. Konstantin Poltrum, ehemaliger Junioren-Nationaltorwart und einer der besten Schlussmänner der 2. Bundesliga, fiel mit einer im Abschlusstraining erlittenen Mittelfußprellung aus. Dafür feierte der aktuelle Junioren-Nationaltorwart Stefan Hanemann nach einem geglückten Comeback vor einer Woche sein Zweitliga-Debüt in heimischer Halle. Nach stürmischer Begrüßung durch die eigenen Anhänger demonstrierte der 21-Jährige auch gleich, dass die gute Leistung der Vorwoche keine Eintagsfliege war. Mit insgesamt 13 Paraden und 37 Prozent gehaltenen Würfen verlieh er seinen Mitspielern immer mehr Sicherheit, sodass die HSG nach einem 2:4-Rückstand bald zum 5:5-Ausgleich und nach 14 Minuten zur ersten Führung kam (7:6).

Gregor Thomann brachte die Gelb-Blauen aus der größten Stadt am Bodensee wenig später mit 11:8 in Front, doch viele überhastete Aktionen verhinderten den weiteren Ausbau der Führung. Mehr noch, Konstanz verspielte in den letzten zweieinhalb Minuten des ersten Durchgangs eine 15:12-Führung und konnte lediglich einen knappen Ein-Tor-Vorsprung in die Kabine retten. Nach dem Seitenwechsel bekamen die Gastgeber allerdings die gewünschte Kontrolle in das Spiel und beherrschten Ball und Gegner zunehmend besser. „In Hälfte zwei haben wir es mit Tim Jud im Angriff geschafft, uns abzusetzen“, lobte Andre Melchert seinen Mittelmann, der mehr Ruhe und Struktur in das Konstanzer Aufbauspiel brachte und auch noch zweimal selbst erfolgreich war. „Das hat uns ein geordneteres Angriffsspiel ermöglicht, es lag aber auch daran, dass wir in der Abwehr besser gestanden sind. Stefan Hanemann hat zudem noch ein, zwei wichtige Bälle gehalten, sodass wir uns etwas Luft verschaffen konnten.“

Trotzdem war bis zur 44. Minute noch nichts entschieden, weil Rostock bravourös kämpfte und weiter ein sehr unangenehmer Gegner blieb, der mit dem 19:22 in Schlagdistanz blieb. In den Minuten danach startete die HSG jedoch einen 3:0-Lauf zum 25:19 (51.) und die Partie war vorzeitig entschieden. Nach langer Verletzungspause stellte schließlich Kreisläufer Sebastian Bösing bei seiner Rückkehr auf das Spielfeld mit einem spektakulären Treffer mit dem Rücken zum Tor (29:22/59.) die euphorisierte Schänzle-Hölle, die die letzten fünf Minuten Standing Ovations spendete, endgültig auf den Kopf.

„Wir haben immer noch einen langen Weg vor uns“, bremste der Co-Trainer nach der Siegesfeier, „darauf können wir uns nicht ausruhen. Wir müssen weiter Gas geben und jede sich uns bietende Chance ergreifen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine solche bereits am Montag, 17 Uhr, beim Tabellensechsten TSG Ludwigshafen-Friesenheim ergibt, ist zwar klein, doch der Ausgang des letzten Doppelspieltages ist bekannt. Damals setzte die HSG einem Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Hüttenberg einen Überraschungscoup beim Dritten Bietigheim obendrauf. Melchert: „Da sind wir wieder klarer Außenseiter. Aber wenn uns Friesenheim eine Möglichkeit bietet, wollen wir sie nutzen.“

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de

 

Telegramm

HSG Konstanz – HC Empor Rostock 29:23 (15:14)
HSG Konstanz: Patrick Glatt, Stefan Hanemann (13 Paraden) (Tor); Fabian Schlaich (4), Gregor Thomann (7/3), Mathias Riedel (1), Simon Flockerzie, Matthias Stocker (2), Michael Oehler, Paul Kaletsch (7/2), Felix Gäßler (1), Tim Jud (2), Samuel Wendel, Chris Berchtenbreiter (4), Sebastian Bösing (1). Trainer: Daniel Eblen
HC Empor Rostock: Leon Mehler (9 Paraden), Paul Porath (Tor); Andre Meuser (1), Efthymios Iliopoulos, Julis Heil (4), Norman Flödl (2), Michael Höwt (2), Vyron Papadopoulos (10/2), Daniel Zourek (1), Kevin Lux (1), Florian Zemlin (1), Johannes Trupp, Jullius Porath (1). Trainer: Hans-Georg Jaunich
Zuschauer: 1550. Schiedsrichter: Hellbusch/Jansen
Strafminuten (min): 8 Min. (Kaletsch (26., 57.), Oehler (50.), Jud (56.)) – 12 Min. (Iliopoulos (10.), Flödl (24., 58.), Lux (39., 53.), Heil (48.))
Siebenmeter (T/V): 7/5 (Thomann und Kaletsch scheitern an Mehler, 30. und 53.) – 2/2