Hitzige Präsidentenkonferenz der Thurgauer Turner
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Hitzige Präsidentenkonferenz der Thurgauer Turner

Eine hitzige Debatte um das Budget 2018 prägte die Präsidentenkonferenz des Thurgauer Turnverbands (TGTV) in Frauenfeld. Für Freude sorgte derweil die Vergabe der Jugendturntage.

TGTV-Präsident Philipp Schwager und der STV Frauenfeld konnten trotz grippebedingter Abmeldungen im sogenannten Klösterli 120 Vereinsvertreter aus 108 Thurgauer Turnvereinen willkommen heissen. Mit Blick auf die Traktandenliste war rasch klar, dass das Budget 2018 wegen der vorgeschlagenen Erhöhung der Verbandsbeiträge an diesem Abend zur Knacknuss werden würde.

Strukturelles Defizit als Problem
Wie Richard Ehrat als Leiter Finanzen erläuterte, schreibe der TGTV seit wenigen Jahren ein strukturelles Defizit von rund 40‘000 Fr. jährlich. Grund dafür sei einerseits die zur Entlastung des Vorstands geschaffene zweiten Sekretariatsstelle, sowie die Erhöhung der zuvor seit langem unveränderten Funktionärsentschädigungen. Deshalb legte der Vorstand den Vorschlag vor, die Mitgliederbeiträge ab 2018 bei den Jugendlichen und Aktiven um je 2 Fr. auf 10 bzw. 14 Fr. und bei den Turnenden 35+ um 4 auf 14 Fr. zu erhöhen. Letztere sollten damit an jene der Aktiven angepasst werden. Ihm sei bewusst, dass Beitragserhöhungen nicht beliebt sind, aber Leistungen zu streichen oder Organisatorenabgaben wieder einzuführen, sei auch schwierig, begründete Ehrat.

Aktive wollen nicht quersubventionieren
Nach zögerlichem Start und der entsprechenden Aufforderung durch Philipp Schwager, die Möglichkeit zur Diskussion doch zu nutzen, entbrannte in der Folge eine heftige Debatte. Vor allem die am stärksten von der Erhöhung betroffenen Frauen- und Männerriegen sahen ihre oft sehr moderaten Mitgliederbeiträge in Gefahr. Dagegen wehrten sich einige Vertreter der Aktiven gegen die „Quersubventionierung“ der älteren Turner durch die jüngeren.

Der Turnsport verkaufe sich generell zu billig, daher sei die Erhöhung nur eine leichte Anpassung an die Preisentwicklung im Freizeitsportbereich, argumentierten neben dem Vorstand auch etliche Vereinspräsidenten. Der Nachwuchsbereich sollte nach Meinung vieler Anwesender davon aber ausgenommen bleiben.

Solidaritätsgedanken zählt
Vehement gegen eine Erhöhung des Beitrags für die 35+-Vereinsmitglieder wehrte sich Frank Gerschwiler, der beim TGTV für deren Wettkämpfe verantwortlich zeichnet. Die u.a. von Richard Ehrat als Grund für die stärkere Erhöhung angeführten Kurskosten im Ressort liess er als Argument nicht gelten, da diese als Ausbildungsbeiträge vom Sportfonds getragen würden.

Die Sulgener Männerriege appellierte indes an den Solidaritätsgedanken: Man sei eine grosse Turnerfamilie und solle sich entsprechend unterstützen. Die Ettenhausener Frauenriege hält eine Beitragserhöhung angesichts des nach wie vor stattlichen Verbandsvermögens gegenüber den Turnenden für schwierig zu rechtfertigen, zeigte sich wie diverse andere betroffene Vereine aber offen für eine Angleichung an die Aktiven.

Einsparungen als Alternative
Den Ansatz, Kosten einzusparen, verfolgte der Vorschlag einer Vereinsvertreterin, die Printversion der Verbandszeitschrift „Splitter“ einzustellen, da diese ja digital verfügbar sei. Verbandssekretärin Vreni Saamli argumentierte dagegen, dass trotz digitaler Version bislang kein Rückgang bei den Print-Abos zu sehen sei. Die Vertretung der Redaktionskommission gab zudem zu bedenken, dass die Druck- und Versandkosten nur einen Teil des Layoutaufwands ausmachten. Der Vorstand ist sich aber grundsätzlich der Kostenproblematik bewusst und wird entsprechende Projekte angehen.

Konsensvorschlag findet deutlich mehr Befürworter
Sein Budgetvorschlag mit Beitragserhöhungen für alle wurde in der anschliessenden Konsultativabstimmung von den Anwesenden deutlich abgelehnt. Deutlich mehr Befürworter fand hingegen der Konsensvorschlag, vorerst nur den Mitgliederbeitrag des Bereichs 35+ mit 12 Fr. an den Beitrag der Aktiven anzugleichen. Über das angepasste Budget, das somit einen Verlust von etwa 46‘000 Fr. vorsieht, wird an der Abgeordnetenversammlung (AV) Anfang Dezember entschieden.

Erfolg bei der Veranstaltersuche
Für einhellige Freude und grossen Applaus unter der Anwesenden sorgte nach der intensiven Budgetdebatte die Nachricht, dass sich an der Leiterkonferenz in der Vorwoche Veranstalter für die noch offenen Jugendturntage gefunden hatten: Das Thurgauer Kantonalturnfest in Romanshorn (www.tkt2018.ch) wird mit Unterstützung von Jürg Roth vom TV Eggethof als letztjährigem Organisator den Turntag am ersten Turnfestwochenende durchführen. Derweil plant der zweite Organisator Thundorf wegen der beschränkt verfügbaren Anlagen allenfalls gar Wettkämpfe an zwei Tagen, um mehr Kindern die Teilnahme zu ermöglichen. Das entsprechende Datum wollen die Thundorfer so schnell wie möglich fixieren.

Fusion von Leiter- und Präsidentenkonferenz möglich
Eine Vereinseingabe, ob die Präsidentenkonferenz mit der jeweils eine Woche zuvor stattfindenden Leiterkonferenz zusammengelegt werden könnte, ist zum Schluss der Versammlung auf Anklang gestossen. Der Vorstand hat diese Möglichkeit bereits mit dem nächstjährigen Veranstalter Märwil abgeklärt und, vor allem mit Blick auf den benötigten Platz, ein positives Feedback erhalten. Auch in der Konsultativbefragung sprach sich eine Mehrheit dafür aus, so dass der Vorschlag an der AV zur Abstimmung gelangt.

Von Seiten des Vorstands kam zudem der Hinweis, dass die Nachfolge des zurücktretenden Spielleiters Markus Bürgi nach wie vor offen sei – neben weiteren Vakanzen in den verschiedenen Ressorts. Jürg Kocherhans, der OK-Präsident des Thurgauer Kantonalen Turnfests 2018, präsentierte kurz die aktuellsten Rahmendaten zum Grossanlass und kündigte detaillierte Informationen für die AV an. Für Spannung dürfte somit Anfang Dezember gesorgt sein.