„Hatten nicht das Quäntchen Glück, um das Ruder herumzureißen“
Handball

„Hatten nicht das Quäntchen Glück, um das Ruder herumzureißen“

Sebastian Bösing nach Konstanzer Rückschlag gegen Hamm: Ersatzgeschwächt, mit dezimiertem Kader musste sich die HSG Konstanz dem ASV Hamm-Westfalen vor über 1200 aufgeheizten Fans am Ende sehr unglücklich mit 26:28 (14:16) geschlagen geben

Nach einer umstrittenen Roten Karte für Felix Krüger und den Ausfällen von Paul Kaletsch und Simon Flockerzie herrschte bei der HSG trotz furioser Aufholjagd, zwischenzeitlicher Führung und der Chance zum Ausgleich mit dem letzten Angriff Fassungslosigkeit. Auch ASV-Trainer Stephan Just sagte nach einem hitzigen Schlagabtausch: „Es hätten beide Mannschaften heute einen Sieg verdient und über ein Unentschieden hätten wir uns nicht beschweren können.“

Kreisläufer Sebastian Bösing (22), nach langer Verletzungspause seit ein paar Wochen wieder zurück auf dem Spielfeld, sprach im Interview mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas über umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, fehlende Cleverness und schlechte Chancenverwertung. Außerdem über sein Comeback nach langer Abstinenz und die Rolle der Fans im Saisonendspurt.

Sebi, wie bitter ist diese Niederlage?
Im ersten Moment ziemlich enttäuschend. Nach solch einem Spiel, nach solchem Kampf, wo wir am Ende die Chance auf den Punkt haben. Wir haben nie aufgesteckt, obwohl wir zuvor drei schwere Nackenschläge zu kompensieren hatten. Paul krank, Simon nicht da, Felix der reinkommt und ein super Spiel macht, einmal zu mir passt und einmal das Tor macht, richtige Entscheidungen trifft und dann die Rote Karte bekommt. Meiner Meinung nach zu Unrecht. Dass unser Kader nicht der größte ist und wir so etwas schlechter als etwa Hamm ausgleichen können, wo klasse Leute wie Lukas Blohme, der bei Flensburg war oder Joscha Ritterbach, der zu Göppingen wechselt, noch hinter der Bank sitzen, ist klar.

Trotzdem habt Ihr Euch in ein „enorm hartes Kampfspiel“, so Gregor Thomann, richtig reingebissen
Ja, dann kommt Benni Schweda und macht das auch gut. Und Michael Oehler war in der Abwehr überragend. Am Ende kann ich nicht mal sagen, woran es gelegen hat. Es war ein Hin und Her und wir hätten das Spiel auch für uns entscheiden können. Wir kämpfen uns mit Unterstützung der Halle nach einem Vier-Tore-Rückstand wieder heran, die Halle steht und dann machen wir den ein oder anderen technischen Fehler zu viel.

Es kam alles zusammen, eigene Fehler, vergebene Großchancen, schwerwiegende Ausfälle und eine nicht fehlerfreie Schiedsrichterleistung. War das die Kombination, die die Niederlage besiegelt hat?
Es ist nach solch einem Spiel immer schwer zu sagen und vielleicht sieht es ein objektiver Beobachter noch einmal anders, aber meiner Meinung nach haben die Schiedsrichter vor allem bei den Zweikämpfen von Mathias Riedel im Eins-gegen-Eins mit Kontakt öfter keinen Freiwurf gegeben, auf der anderen Seite war das genau anders. Auch als der Kreisläufer den Ball nicht fängt und ihn erst im Kreis auf das Tor bugsiert und dafür einen Siebenmeter bekommt – bei mir auf der anderen Seite gab es gar nichts. Aber wir können es definitiv nicht nur an den Unparteiischen festmachen. Wir haben selbst zu viele Fehler gemacht und vor allem viel zu viele klarste Chancen ausgelassen. Am Ende ist vielleicht auch der Kader von Hamm gerade in der Breite besser besetzt. Wir hatten heute einfach nicht das Quäntchen Glück, um das Ruder herumzureißen.

Woran kann man die vielen ausgelassen Großchancen festmachen, woran kann das liegen?
Das kann man nicht so richtig erklären, vielleicht ein bisschen die Cleverness, Erfahrung die uns fehlt. Dazu sicher auch die Ausfälle und die Rote Karte. Es blieb uns nichts anders übrig, als noch enger zusammenzurücken. Wir stehen wie immer als Mannschaft zusammen, das ist bekannt. Nach dem Hinspiel war noch eine Rechnung offen, die wollten wir begleichen. Es war auf jeden Fall Spannung drin.

Die Zuschauer haben gespürt, dass sie dringend benötigt werden und haben für eine extreme Stimmung gesorgt. Hat das hat ein Stück weit getragen und die Ausfälle kompensiert?
Auf jeden Fall. Die Zuschauer stehen immer hinter uns. Dass trotz des tollen Wetters so viele kommen und hier so einen Rabatz machen, überträgt sich auf jeden einzelnen von uns. Dass schließlich die komplette Halle steht, merkt man auch auf dem Spielfeld und kann in dieser Intensität keiner mehr ausblenden. Das ist einfach überragend.

Die nächsten Wochen werden nun spannend.
Wir haben neben der nächsten Begegnung in Dessau noch zwei gute Heimspiele und ein Auswärtsspiel in Neuhausen in Begleitung eines großen Fanbusses. Diesen Spirit müssen wir mitnehmen und wird uns ein großer Rückhalt in diesen schweren Spielen sein. Wir werden jetzt nicht aufstecken und den Kopf in den Sand stecken. Es wäre natürlich geil gewesen, hier gegen Hamm zu gewinnen. Dann hätten wir vier Punkte Vorsprung gehabt. Trotzdem: Wenn man sich die Tabelle ansieht sind es nur vier Punkte zwischen Platz acht und 16.

Wie fühlt es sich an, nach langer Verletzungspause wieder zurück im Team auf der Platte zu sein?
Super, wirklich überragend. Ich sehe natürlich, dass mir spielerisch noch etwas fehlt und die Abstimmung mit den Mittelmännern verbessert werden muss. Das müssen wir weiter optimieren. Durch meine Schulter kann ich auch noch nicht in der Abwehr spielen. Hier werde ich jetzt wieder langsam einsteigen und versuche mich weiter zu empfehlen. Wenn der Trainer mich bringt, gebe ich immer alles.

Fragen: Andreas Joas

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de