Von „haarsträubend“ zu „bärenstark“: U23 der HSG Konstanz wird trotz 26 Fehlwürfen
Handball

Von „haarsträubend“ zu „bärenstark“: U23 der HSG Konstanz wird trotz 26 Fehlwürfen

für unbändigen Willen belohnt

Oberliga Baden-Württemberg:

HSG Konstanz U23 – Neckarsulmer Sport-Union 33:26 (13:16)

 

Der geneigte Handball-Fan wird sich gefragt haben, ob Vergleichbares überhaupt schon einmal gesehen hat. Vogelwild, kaum zu erklären und mitunter einfach nur schlichter Wahnsinn war das, was sich die U23 der HSG Konstanz und die Neckarsulmer Sport-Union lieferten. Unzählige Fehler auf beiden Seiten ließen lange Zeit keinerlei Spielfluss aufkommen. Doch was spielerisch eher Kreisklasse war, zeichnete sich insbesondere auf Konstanzer Seite durch eine meisterliche Einstellung und beeindruckenden Kampf aus. Trotz vier Toren Rückstand und sage und schreibe sechs verworfenen Siebenmetern bei insgesamt 26 Fehlwürfen wurde die Zweitliga-Reserve für ihren unbändigen Willen am Ende doch noch mit einem klaren 33:26 (13:16)-Heimsieg belohnt.

 

Anschließend war der Knall, den die abfallenden Felsbrocken der Erleichterung bei den Gelb-Blauen erzeugten, weithin zu hören. Dank des ersten Saisonsieges kletterten sie auf Rang neun der Oberliga. Dabei schien das Happy End in einer niveauarmen ersten Hälfte weit, weit weg für die HSG. „Wir haben zwei Gesichter gezeigt“, meinte Matthias Stocker. Das der ersten Hälfte war definitiv zum Abgewöhnen. „Es war haarsträubend, zum Vergessen. Wir bekommen einfachste Bälle nicht gefangen, vergeben drei Tempogegenstöße und unzählige freie Chancen, dazu zwei Siebenmeter“, kam der HSG-Trainer angesichts der handballerischen Magerkost aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Glücklich konnte sich Konstanz schätzen, dass der Gegner dies nicht noch besser ausnutzte und selbst mit einer hohen Fehleranzahl zu kämpfen hatte. Mit dem 13:16-Pausenrückstand war die sichtlich verunsicherte HSG noch gut bedient.

 

Zumindest kämpferisch war Konstanz nach der Besprechung in der Kabine nicht mehr wiederzuerkennen. Die Moral, der Einsatz, das unermüdliche Anlaufen war nun schlicht bemerkenswert. Bemerkenswert deshalb, weil spielerisch in der Offensive weiterhin wenig zusammenlaufen wollte und die in der Abwehr mit viel Leidenschaft erzwungenen, erkämpften Ballgewinne und spektakulären Paraden von Torwart Moritz Ebert reihenweise im Sand verliefen. Doch Konstanz machte immer weiter, ließ nicht locker – und wurde für die nun ausgesprochen starke Verteidigung belohnt. Nach knapp 42 Minuten tankte sich Samuel Löffler zum 17:17 durch. Jonas Hadlich sorgte mit dem Treffer zur ersten Führung im zweiten Durchgang (21:20) schließlich für den Brustlöser und das gefährliche Tempospiel. Hadlich selbst marschierte nun immer wieder vorneweg, ging mit vollem Tempo in die Schnittstellen der Neckarsulmer Verteidigung und riss seine Mitspieler vor allem in Person des eingewechselten Jerome Portmann und des immer besser werdenden Patrick Volz mit.

 

Nun war der Knoten geplatzt und die jüngste Mannschaft der Oberliga spielte plötzlich wie befreit auf – auch im Angriff. Von Minute zu Minute wirkte das Zusammenspiel flüssiger und die Führung wuchs bis zum 33:26 an. Der Schlusspunkt sprach Bände: Mit einem perfekt ausgeführten Kempa-Trick gelang sogar noch ein absoluter Leckerbissen. Der geneigte Handball-Fan dürfte mit der Zunge geschnalzt haben. Damit ging die zweite Halbzeit mit 20:10 an die Hausherren. „Das war bärenstark in der Abwehr und im Tor“, lobte Stocker. „Die Jungs haben unfassbar im Verbund gearbeitet und sich immer weiter gepusht. Jetzt können sie Selbstvertrauen tanken, nachdem sie gezeigt haben, zu was sie imstande sind.“

 

HSG Konstanz U23: Moritz Ebert, Lukas Herrmann (beide Tor); Joel Mauch (5), Kai Mittendorf, Jerome Portmann (3), Pascal Mack (3), Benjamin Schweda (2/1), Carl Gottesmann, Simon Storz (1), Jonas Hadlich (5), Felix Fehrenbach (1), Patrick Volz (8/2), Samuel Löffler (4), Hendrik Dahm (1).

 

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