Konstanz-Keeper Michael Haßferter heiß auf Derby: „Der Trainer hat die Qual der Wahl“
Handball

Konstanz-Keeper Michael Haßferter heiß auf Derby: „Der Trainer hat die Qual der Wahl“

Freitag, 20 Uhr, kommt Erstliga-Absteiger Bietigheim in die "Schänzle-Hölle"

Im ersten Heimspiel der Saison in der 2. Handball-Bundesliga steht der HSG Konstanz ein echter Kracher bevor. Im einzigen Baden-Württemberg-Derby gibt am Freitag, 20 Uhr, Erstliga-Absteiger SG BBM Bietigheim mit Weltmeister Mimi Kraus seine Visitenkarte ab.

 

Im Interview mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas spricht Michael Haßferter über die Konkurrenzsituation mit drei Torhütern im Kader, den besonderen Umgang mit seinem kleinen Patenkind und sein erstes Heimspiel im HSG-Trikot – ausgerechnet gegen zwei alte Bekannte.

 

Der 1,88 Meter große Torhüter (23) wechselte im Sommer vom HC Erlangen, wo er 20 Mal in der 1. Bundesliga mit dabei war, zur HSG Konstanz. Der gebürtige Nürnberger ist gelernter Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, studiert aber nun an der mit der HSG kooperierenden Exzellenzuniversität Konstanz Wirtschaftswissenschaften.

 

Schon aufgeregt?

Wegen Freitag? Es ist eher Vorfreude. Endlich ein Heimspiel!

 

Und das erste für den neuen Club, mit Derby-Atmosphäre, gegen einen Erstliga-Absteiger und Weltmeister Mimi Kraus…

… und ein Wiedersehen mit Jonas Link, mit dem ich schon in Erlangen zusammen gespielt habe. Ich hatte schon einmal die Ehre, gegen Mimi Kraus spielen zu dürfen. Es ist schon etwas Besonderes, dass er jetzt hier aufkreuzen wird. Wir wollen kämpfen und alles geben und sind komplett heiß.

 

Bietigheim gilt als der Topfavorit schlechthin. Was kommt auf Euch zu?

Das ist eine sehr erfahrene Truppe, die kommt mit der besonderen Stimmung in der „Schänzle-Hölle“ klar. Sie haben eine kompakte Abwehr, einen starken Rückraum und spielen gut mit dem Kreis zusammen. Darauf werden wir uns gut einstellen. Vielleicht gelingt uns dann eine kleine Überraschung.

 

Was habt ihr Euch vorgenommen, im einzigen Baden-Württemberg-Derby?

Es ist wichtig, keine Angst zu haben. Wir vertrauen auf unsere Stärken, die wollen wir nutzen. Dabei kommt es vor allem auf eine gute Deckung an. Dass wir dann eine Chance haben, hat das Auswärtsspiel in Hüttenberg gezeigt.

 

Dort hast Du Deinen Einstand im HSG-Trikot gegeben. Überwiegt die Enttäuschung über die knappe Niederlage oder das positive Gefühl nach den hervorragenden letzten 20 Minuten?

An die gezeigte Leistung in der Abwehr kann man auf jeden Fall anknüpfen. Wenn wir dann alles reinwerfen, kann alles funktionieren. Wenn wir die Leistung der letzten 25 Minuten über die volle Distanz bringen, haben wir große Chancen, erfolgreich und nicht in Rückstand zu sein.  Wir arbeiten daran, die Schwächephasen wegzubekommen. Trainer Dani Eblen weiß ganz genau, welche Hebel wir umlegen müssen. Dennoch zeigt das Spiel in Hüttenberg: Wir können mithalten.

 

Wie siehst Du Dein Zweitliga-Debüt für die HSG?

Dass ich ein oder zwei Bälle zu wenig gehalten habe, sonst hätten wir gewonnen der zumindest einen Punkt mitgenommen. Das bleibt erstmal im Kopf hängen. Der Mannschaftserfolg steht klar im Fokus. Es hat zwar schon ganz gut geklappt, aber ein Tick hat gefehlt, sonst hätten wir uns belohnt.

 

Nun steht die frenetische Unterstützung von den eigenen Fans zur Verfügung.

Deshalb macht sich riesengroße Vorfreude breit. Ich war gegen Eisenach in der Halle, das war der Wahnsinn. Diese Fans im Rücken geben dir einen zusätzlichen Kick. Ich bin gespannt, wie es ablaufen wird. Unten auf dem Spielfeld, als Teil der Mannschaft, wird sich das noch einmal ganz anders anfühlen.

 

Du verbringst gerne Zeit mit Deinem kleinen Patenkind, davon gibt es viele tolle Bilder. Ist Dir Familie besonders wichtig?

Das Kind meiner Schwester kommt oft zu den Spielen und wirft schon gerne auf das Tor. Es macht einfach Spaß, mit dem Kleinen im Garten zu spielen. Bald kommt er vielleicht auch  zu einem Heimspiel. Ein kleines Trikot bekommt er auch noch. (lacht) Ich wohne zwar schon fünf, sechs Jahre nicht mehr im Elternhaus, aber ich verbringe gerne viel Zeit mit Freundin und Familie. Am Wochenende werden meine Eltern drei Tage kommen, dann bin ich froh, sie alle wieder zu sehen.

 

Deinem großen Bruder ist es zu verdanken, dass Du als Linkshänder im Tor gelandet bist. Wie kam es dazu?

(lacht) Mein Bruder stand, trainiert von meiner Mutter, im Tor. Ich habe ihm immer zugesehen und fand es ganz cool, wie er die Bälle hält und sich freut. Das wollte ich dann auch. Auf die Wurfhand haben wir da nicht so geachtet, ich wollte lieber immer meinem Bruder nacheifern. Ich habe mich schließlich wohl nicht so schlecht angestellt, hatte Spaß an der Aufgabe und bin froh über die Entscheidung und meinen Weg. Okay, und ich war wohl auch etwas lauffaul.

 

Als Mittelfranke in Konstanz: Hast Du Dich nun etwas ferner der Familie schon gut eingelebt?

Es gibt wenige lebenswertere Städte als Konstanz mit dem See, den Bergen und der schönen Altstadt. Mit meiner Freundin habe ich schon viele kleine Ecken erkundet. Ich fühle mich zudem sehr wohl in der Mannschaft. Nach dem Training kann man hier wunderbar die Seele baumeln lassen, am Hafen, mit dem Wasser und dem Blick auf die Berge. Das ist Balsam für die Seele und gibt Abstand und Kraft vom und für den Sport.

 

Welche Ziele hast Du Dir in Konstanz gesetzt?

Der Klassenerhalt ist ganz wichtig. Wir haben gesehen, dass wir auch auswärts unsere Punkte holen können. Ich möchte dem Team helfen und viele Bälle halten, mich weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. Damit wir auch nächste Saison in der 2. Bundesliga spielen.

 

Im Kader stehen mit Dir drei gute Torhüter. Wie siehst Du die Zusammenarbeit und wie die Rolle der Keeper, die für Trainer Daniel Eben „der Kick“ und ein ganz wichtiger Baustein sein sollen?

Im Tor ist man „last man in defense, first man in offense“. Die Defensive und das schnelle Spiel nach vorne sind wichtig, man kann auf dieser Position ein Spiel entscheiden. Bei 20 Paraden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man gewinnt. Wir haben dafür eine gute Mischung an Keepern. Simon Tölke ist ruhig und voll fokussiert, Max Wolf ist sehr explosiv. Ich selbst bin eine Mischung aus beidem und rede auch gerne mit der Abwehr. Wir trainieren alle gut und der Trainer hat die Qual der Wahl. Ich freue mich, wenn ich spiele, aber genauso, wenn es bei den anderen funktioniert. So spornen wir uns gegenseitig an und treiben uns zu Höchstleistungen. Wenn man sich reinhängt und gut zeigt, wird das honoriert.

 

Fragen: Andreas Joas

 

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