Konstanz-Kapitän Fabian Schlaich nach stehenden Ovationen: „Die Fankultur in Konstanz ist etwas ganz Besonderes“
Handball

Konstanz-Kapitän Fabian Schlaich nach stehenden Ovationen: „Die Fankultur in Konstanz ist etwas ganz Besonderes“

Der Kapitän der HSG Konstanz über die Fans, die aktuelle Lage und viele eigene Talente, die nach oben drängen.

Vier Spiele bleiben der HSG Konstanz, um fünf Punkte auf den EHV Aue gutzumachen und sich den erneuten Klassenerhalt in der 2. Handball-Bundesliga zu sichern. Trotz der schwierigen Ausgangssituation wurden die Konstanzer nach der 24:31-Niederlage gegen den VfL Lübeck-Schwartau von ihren Fans minutenlang mit stehenden Ovationen bedacht und aufgerichtet.

 

HSG-Kapitän Fabian Schlaich (26) spricht im Interview mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas über die bemerkenswerte Reaktion, die große Enttäuschung über die eigene  Leistung, die Gründe für den plötzlichen Einbruch nach 40 Minuten und die Lage vor den letzten vier Spielen. Außerdem bezieht er Stellung zu den Abwehrproblemen seiner Mannschaft und blickt voller Freude auf die Talente aus der eigenen Südbadenliga-Meistermannschaft, die nun nach oben drängen.

 

Fabi, die Enttäuschung nach der 24:31-Niederlage gegen Lübeck war groß. Was ging Dir nach dem Schlusspfiff durch den Kopf?

Das war schon extrem bitter. Wir haben uns alle viel mehr vorgenommen, als wir letztendlich umsetzen konnten. Dass es jetzt sehr eng wird ist uns allen bewusst.

 

Die ersten 40 Minuten ein tolles Spiel abgeliefert, auf Augenhöhe mit dem Tabellenvierten agiert – und dann? Woher kam der plötzliche Einbruch?

Es gab schon in der ersten Halbzeit Phasen, in denen wir besser spielen und einfach in Führung gehen müssen. Trotzdem war das ein ordentliches Spiel von uns. In der zweiten Hälfte gab es dann wie schon oft in dieser Saison eine Phase, in der es nicht läuft, technische Fehler dazukommen und wir uns zu viele Fehlwürfe leisten. Lübeck hat dann eiskalt seine Qualität unter Beweis gestellt und gezeigt, warum es um den Aufstieg in die Erste Liga mitspielt. Wenn man schließlich zu einem solchen Zeitpunkt mit vier, fünf Toren gegen diese Mannschaft zurückliegt, dann klappt es nicht mehr. Uns hat die Effizienz gefehlt.

 

In den letzten Jahren zeichnete sich die HSG – im Zusammenspiel mit dem Torwart – stets durch eine der besten Abwehrreihen der Liga aus. Nun stehen bereits 996 Gegentore zu Buche, so viele wie bei keinem anderen Team. Woher kommen diese Defensivprobleme?

In der ersten Saisonhälfte hat uns Michael Oehler gefehlt. Seine Rückkehr und eine zusätzliche Option im Innenblock haben sich zu Beginn der Rückrunde positiv bemerkbar gemacht. Uns gelingt es jedoch allgemein nicht mehr so gut wie in den letzten Jahren, uns am Schluss der Angriffsaktionen des Gegners gegenseitig auszuhelfen. Dadurch leidet auch das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhütern.

 

Trotz der bitteren Niederlage und schwieriger Ausgangssituation gab es nach Schlusspfiff stehenden Applaus der Zuschauer. Eine bemerkenswerte Reaktion.

Die Fankultur in Konstanz ist etwas ganz Besonderes. Egal ob es gut oder schlecht läuft, selbst in schier aussichtslosen Situationen stehen die Fans immer hinter uns und pushen uns. Darüber können wir sehr froh sein. Ich habe es schon einmal gesagt: Ich habe das in dieser Saison auswärts auch schon ganz anders erlebt, wenn Unzufriedenheit aufkommt. Wir wissen daher ganz genau, was wir hier haben. Das ist schon toll.

 

Ein weiteres Hoffnungszeichen für die Zukunft waren die Einsätze von Jonas und Samuel Löffler sowie Samuel Wendel. Joschua Braun steht auch auf dem Sprung nach oben. Wie siehst Du als Kapitän die jungen Talente?

Wir haben wirklich super Jungs, die sich immer zu 100 Prozent reinhängen und gierig auf ihre Chance sind. Diese haben sie sich nach einer super Runde und dem Oberliga-Aufstieg auch verdient. Wer die Rückrunde der U23 verfolgt hat, weiß, über wie viel Potenzial sie verfügen. Egal ob in der Zweiten oder Dritten Liga: Wir werden einige Jungs aus dem Nachwuchs in der ersten Mannshaft sehen und ich bin mir sicher, dass sie für sehr schöne Handballmomente sorgen werden.

 

Wie groß ist der Glaube an ein Happy End und ein insgesamt sechstes Jahr in der 2. Bundesliga noch?

Man muss realistisch sein. Jetzt müsste wirklich alles klappen. Ich hatte gehofft, wir holen aus den fünf schweren Spielen gegen die Top Fünf der Liga zwei bis vier Punkte. Jetzt müssen wir versuchen alle unsere vier letzten Spiele zu gewinnen. Solange noch etwas möglich ist, werden wir nicht aufstecken. Es gilt, von Woche zu Woche alles zu geben und zu sehen, was damit herauskommt. Schon alleine der sportliche Ehrgeiz sorgt dafür, dass wir immer 100 Prozent geben und gewinnen wollen – egal wie die Lage letztlich auch sein mag.

 

Fragen: Andreas Joas

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Weitere Informationen unter:

www.hsgkonstanz.de