HSG Konstanz scheitert 20 Mal an Essen-Keeper Bliß: „Müssen die Bälle reinmachen“
Handball

HSG Konstanz scheitert 20 Mal an Essen-Keeper Bliß: „Müssen die Bälle reinmachen“

Am Samstag wichtiges Heimspiel gegen Aue

2. Handball-Bundesliga:

TuSEM Essen – HSG Konstanz 32:21 (15:10)

 

Nichts zu holen in Essen: Die HSG Konstanz unterlag dem Tabellenzweiten 21:32 (10:15). Der Traditionsclub aus dem Ruhrgebiet übernahm damit zumindest über Nacht die Tabellenführung, während Konstanz am Samstag, 20 Uhr, gegen den EHV Aue vor eigenem Publikum die große Chance auf wichtige Punkte nutzen möchte.

 

Doch zuvor stand Aufarbeitung an. Wobei die in den Augen von Andre Melchert gar nicht besonders schwer sei. Denn der Auftritt in der ersten Halbzeit bei einem bärenstarken Gegner, der über die beste Offensive der Liga verfügt, war durchaus ordentlich. Ein paar Fehler zu viel, ein vergebener Siebenmeter und vor allem die miserable Chancenverwertung verhindern allerdings mehr als ein 10:15. Beim nüchternen Blick auf die Anzeigetafel keine gute Ausgangsposition, doch das Spielgeschehen war gar nicht so deutlich, wie es das nackte Ergebnis vermuten lässt. Die Gelb-Blauen spielten gut mit, hatten aber immer wieder mit einem Thema zu kämpfen: Dem Torabschluss. Ein eklatanter Schwachpunkt, der sich durch das ganze Spiel zog. 20 Paraden verbuchte Torwart Sebastian Bliß bis Spielende, darunter zwei Siebenmeter. Bei nur 21 Gegentoren 49 Prozent gehaltene Bälle. Ein  Wahnsinn, der aus Konstanzer Sicht so nicht sein darf.

 

Der 29-jährige Keeper hatte sicher einen Sahnetag erwischt und brillierte mit sehenswerten Reflexen, auf der anderen Seite waren die Abschlüsse der Gäste auch oft viel zu harmlos, etwas halbherzig und mit zu wenig Überzeugung ausgeführt. „Wir haben“, erkläre Melchert, „in der ersten Halbzeit vernünftig mitgespielt. Durch einfache Fehler kommt dann leider nur so ein Halbzeitergebnis zustande. Durch zu viele frei vergebene Torchancen haben wir Essen davonziehen lassen.“ Bis zum 4:4 nach zehn Minuten war das Spiel trotzdem ausgeglichen, ehe Essen innerhalb weniger Minuten – begünstigt durch Gegenstöße – auf 10:5 enteilen konnte. Den Eindruck des Konstanzer Sportchefs von einer dennoch ordentlichen ersten Hälfte untermauerte Paul Kaletsch mit seinem Treffer zum 8:11 (26.). Doch die weiter katastrophale Torabschlussquote bescherte gegen einen extrem schnell und bekannt offensivstark auftretenden Gegner die logische Quittung: Fünf Tore Rückstand nach den ersten 30 Minuten.

 

 

Die zweite Hälfte ist aus Sicht der HSG schnell erzählt. Der Gegner hatte nun richtig Spaß am Geschehen, spielte sich in einen Rausch und Konstanz lieferte unfreiwillig durch die sich bis zum Ende durchziehende Abschlussschwäche immer wieder die Vorlagen auf dem Silbertablett. In Zahlen: 67 Prozent erfolgreiche Würfe für Essen, nur 45 für die Südbadener. Melchert: „In der zweiten Hälfte haben wir vorne wie hinten schlecht gespielt. Mit unserer Abschlussquote ist kein Spiel zu gewinnen.“ Zum Mann des Abends, TuSEM-Keeper Bliß, erklärte er: „Er hat eine gute Partie gemacht, wir aber auch nicht gut geworfen.“ Was in der ersten Hälfte vielleicht noch zu wenig gewesen sei, habe man in der zweiten zu schnell geworfen, meinte der Sportliche Leiter der HSG. Was er dabei aber nicht außer Acht lassen wollte: „Auf der anderen Seite muss man sehen, dass wir uns viele klare Torchancen erarbeitet haben. Bis zum Torabschluss haben wir das vernünftig hinbekommen, aber dann muss man die Bälle auch reinmachen.“

 

Doch das gelang nicht. Stattdessen war zehn Minuten nach dem Pausentee bereits alles gegessen und die Spitzenmannschaft aus dem Ruhrgebiet hatte auf 23:13 erhöht. Am Ende stand eine 21:32-Niederlage. „Ähnliches wird einigen anderen Mannschaften auch noch passieren“, ist sich Melchert angesichts der Stärke des Gegners sicher, die Ferndorf auch schon zu spüren bekommen hatte (22:35). Dennoch „war mehr drin“, so der 39-Jährige. „Wenn man sieht, dass wir drei Gegenstöße und einen Siebenmeter vor der Pause auslassen – so hätte es nur ein Tor Rückstand sein können.“ Nach dem Fehlstart in den zweiten Durchgang war jedoch schnell die Luft raus. So war auch die zuvor gezeigte ordentliche Abwehrleistung nicht mehr zu halten und der Zugriff ging immer mehr verloren. „Den Körperkontakt haben wir hinbekommen, aber nicht mehr den Unterbuch“, gab Melchert die Erklärung dafür. Denn: „Ohne Stoppfoul ist irgendwann immer jemand frei.“

 

Allzu hart ins Gericht gehen wollte man bei den Konstanzer Verantwortlichen mit den Spielern trotz des unschönen Ergebnisses allerdings nicht. Zwar mahnte Melchert mehr Konzentration und Überzeugung im Abschluss an, doch das Spiel müsse man schnell abhaken. „Dass wir die besser nutzen müssen, ist klar. Wenn wir das tun, besteht immer die Chance, mitzuspielen“, bemerkte er und richtete den Blick schon auf das wichtige Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen den EHV Aue. Für die HSG bietet sich damit die große Chance, gegen einen direkten Konkurrenten wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln und auf die Nichtabstiegsplätze abzusetzen. Melchert: „Wir können einschätzen, gegen wen wir in Essen gespielt haben. Gegen Aue wollen wir wieder Vollgas geben, dann werden wir unsere Chance bekommen.“ Diese sollten dann nur deutlich besser verwertet werden als zuletzt. Was der Sportchef jedoch auch betonte: „Die Jungs haben nichts gutzumachen. Vorwerfen könnte man ihnen nur etwas, wenn sie nicht alles gegeben hätten. Es war aber ein ganz schlechter Tag, an dem wir den Ball einfach nicht im Tor unterbringen.“

 

Das komplette Spiel im Re-live: www.hsgkonstanz.de/livestream

 

TuSEM Essen – HSG Konstanz 32:21 (15:10)

 

HSG Konstanz: Simon Tölke (2 Paraden),Michael Haßferter (6 Paraden) (alle Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich (1), Aron Czako (2), Matthias Hild, Tom Wolf (2), Fabian Wiederstein (2), Paul Kaletsch (5), Felix Krüger (2), Fabian Maier-Hasselmann (1), Fynn Beckmann, Joschua Braun (2), Tim Jud (1), Tim Keupp (3), Samuel Wendel.

Trainer: Daniel Eblen

 

Zuschauer: 1813 in der Sporthalle am Hallo.

 

Schiedsrichter:Manuel und Jan Lier.

 

Zeitstrafen: Essen 10 Min.; Konstanz 0 Min

 

Siebenmeter: 1/3 –  0/2

 

Weitere Informationen unter:

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