HSG Konstanz bindet Kapitän: „Persönlichkeit, die man sich wünscht“
Handball

HSG Konstanz bindet Kapitän: „Persönlichkeit, die man sich wünscht“

Erst Buzzerbeater gegen Hamm, nun frühzeitiges Bekenntnis

Am Wochenende hat Tom Wolf wieder einmal für die Entscheidung, einen fulminanten Schlusspunkt – und für viele glückliche Gesichter gesorgt. Nach dem ersten Punktgewinn der HSG Konstanz seit dem Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga gibt es noch einmal Grund für Zufriedenheit. Der Kapitän gab ein frühzeitiges Bekenntnis zur HSG ab. Sehr zur Freude von Sportchef Andre Melchert hat der torgefährliche Mittelmann seinen Vertrag vorzeitig bis 30. Juni 2021 verlängert.

 

Melchert weiß die Bedeutung dieser Personalie treffend auf den Punkt zu bringen. „Tom ist sehr wichtig für die Mannschaft – auf und außerhalb des Spielfeldes“, sagt er. Und: „Er hat sich enorm entwickelt. Er ist eine Persönlichkeit, die man sich für sein Team wünscht.“ Eine Persönlichkeit, die ihre Rolle als mit 25 Jahren noch verhältnismäßig junger Spielführer zusammen mit Tim Jud auf eine ganz besondere Art und Weise ausfüllt. Ruhig, unaufgeregt, aber dennoch mit einer gewissen Aura. Alles jedoch immer, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Bescheidenheit ist dem Psychologie-Studenten eine Tugend.

 

Wertschätzung und ein gutes Gefühl stehen für den gebürtigen Mönchengladbacher im Fokus. „Ich fühle mich hier sehr wohl und habe mich gut eingelebt“, erklärt er seine frühe Entscheidung für Konstanz. Damit sind die sportliche Situation und die von ihm als „sehr homogene, gute Truppe“ bezeichnete Mannschaft gemeint, genauso wie das Umfeld. Wolf lächelt, wenn er sagt: „Mit den Jungs macht es unglaublich viel Spaß. Vertrauen von allen Seiten hilft dabei.“ Nach nur einem Jahr bei der HSG bekam er das Vertrauen als neuer Kapitän geschenkt. Keine einfache Situation, wie er im Nachgang verrät, schließlich blieb der langjährige Anführer Fabian Schlaich weiter im Team. Wie dann alle Beteiligten die neue Situation angenommen haben, war beeindruckend – und sicher ein ganz wichtiger Baustein zu Meisterschaft und Aufstieg.

 

Für überraschtes, amüsiertes Gelächter hatte der zuletzt in Krefeld aktive Spielmacher kürzlich damit gesorgt, dass ihm bei seinen Kapitänsaufgaben Inhalte aus dem Psychologie-Studium „null Komma null“ helfen würden. „Es ist ja nicht so, dass ich nach vier Jahren die Seele des Menschen lesen könnte“, erklärt er und gesteht im gleichen Atemzug die Übertreibung der ersten Aussage. Denn: „Gewisse Verhaltensweisen erkennt man doch. Man wird sensibilisiert und gewisse Dinge bekommen einfach einen Namen.“ Eine Reifeprüfung in dieser Hinsicht steht ihm in dieser Saison bevor. Nach einer Spielzeit mit fast ausschließlich Erfolgen warten in der stärksten zweiten Liga der Welt“ große Herausforderungen bei der Mission Klassenerhalt.

 

Trainingseinsatz und Trainingsqualität sind dem Führungsspieler deshalb besonders wichtig, denn man könne nur so gut spielen, wie man trainiere, lautet Wolfs Credo. Was zähle, sei zudem der Umgang miteinander. „Es kann“, meint der Rechtshänder, „schon einmal lauter werden. Wenn das Verhältnis gut ist und man vernünftig miteinander umgeht, macht es das einfach. Bei uns wird nichts hinter dem Rücken geklärt.“ So ist vielleicht der starke Start in die zweite Liga gegen drei nominell deutlich besser besetzte Topteams zu erklären, der gegen Hamm nach einem Fünf-Tore-Rückstand noch mit einem Punkt durch einen Buzzerbeater belohnt wurde. Torschütze: Tom Wolf. „Das klappt auch nicht immer“, grinst er, der schon zweimal per direktem Freiwurf erfolgreich gewesen ist. „Ich mache zuerst den Fehler und lasse mich festmachen, dann gab es nur noch den letzten Weg.“ Einen ansatzlosen Wurf in die rechte untere Ecke, abgefeuert ohne nachzudenken. Was folgte war pure Ekstase im Tollhaus „Schänzle-Hölle“.

 

„Ich übernehme gerne Verantwortung“, so Wolf. „Da ist es gut, dass wir mit Paul Kaletsch mehrere im Team davon haben. Das macht uns unberechenbarer.“ Ganz im Gegensatz zu seinen Zielen für die Zeit am Bodensee. Beide Jahre in der 2. Bundesliga spielen, schießt es aus ihm heraus. Sowie handballerisch und persönlich die nächsten Schritte machen, als Führungsspieler reifen. „Aber das Team steht über der Einzelperson“, stellt der 1,97-Meter-Hüne fest.  „Wenn die Mannschaft Erfolg hat, ist man es selbst auch.“ Die nächste schwierige Etappe wartet am Samstag in Eisenach. Eine „sehr, sehr gute Mannschaft“. Die zwar mit Marcel Schliedermann und Daniel Luther zwei prägende Köpfe verloren, sich nun aber mit sieben Kroaten und drei Slowenen im Kader neu aufgestellt und qualitativ nicht verschlechtert hat. Mit der bislang gezeigten Qualität in der Deckung, in der Wolf im Innenblock eine wichtige Säule darstellt, und auf der Torwart-Position sieht sich der „Captain“ nicht chancenlos in Thüringen.

 

Dazu trägt die enge Bindung in der Mannschaft gerade in schwierigen Situationen bei. Gute Freunde habe er hier gefunden, verrät Wolf. „Wir verbringen viel Zeit miteinander – nicht nur in der Halle. Das ist im Profibereich nicht alltäglich.“ Als Spieler, der die Emotionen in heißen Schlachten liebt, sie geradezu sucht und für die eigenen Leistung benötigt, hebt er zudem die Rolle der Fans hervor. „Da gibt es nicht viel Vergleichbares. In der Crunchtime haben wir mit die beste Halle Deutschlands. Hier macht jeder mit, geht jeder richtig mit. Wenn der Gegner die hitzige Stimmung und harte Aufgabe hier erwähnt, ein größeres Lob kann es für unsere Fans nicht geben.“ Dieser Faktor und die ersten drei Spiele machen den Konstanzern Mut im Ringen um einen dauerhaften Platz unter den Top 36. Dafür wurden auf vielen Ebenen Entwicklungen angeschoben. Sei es mit der Installation von zwei hauptamtlichen Athletiktrainerinnen, mehr Trainingseinheiten, der Neuaufstellung des Gesundheitsbereiches und viel Herzblut im Umfeld. „Viele Menschen machen sich Gedanken“, hat der Spielgestalter erfreut registriert, „wie man den Verein weiter nach vorne bringen kann. Sei es im Sportgarten, wo die Grundlagen für die Zukunft gelegt werden und die Kinder von Trainer und Sportchef herumrennen, oder dass über den Tellerrand hinaus geblickt wird und sich die HSG für die Stadt und Region einsetzt.“ Kapitän wie Verein sind nicht nur hier auf einer Wellenlänge und haben den Blick für das große Ganze. Unvergessliche Highlights eingeschlossen. Wie jene, wenn es am Livestream aus den Boxen dröhnt „Tom Wolf – Ausgleich, Ausgleich, Ausgleich.“ Hut ab, Tom Wolf.

 

Weitere Informationen unter:

www.hsgkonstanz.de

www.facebook.com/hsgkonstanz

www.instagram.com/hsgkonstanz

www.youtube.com/c/HSGKonstanzTV