(Herz)Blut, Cut und Buzzerbeater: HSG Konstanz nach Sechs-Tore-Rückstand mit Comeback in letzter Sekunde
Handball

(Herz)Blut, Cut und Buzzerbeater: HSG Konstanz nach Sechs-Tore-Rückstand mit Comeback in letzter Sekunde

Kapitän der HSG musste mit sechs Stichen genäht werden

2. Handball-Bundesliga:

HSG Konstanz – TV Hüttenberg 22:22 (10:13)

 

Die Moral bei der HSG Konstanz stimmt. Nach einem Sechs-Tore-Rückstand gelang in allerletzter Sekunde der Ausgleich zum 22:22 (10:13) im Vier-Punkte-Spiel gegen den TV Hüttenberg. Ausgerechnet der nach einem stark blutenden Cut an der Hand mit sechs Stichen genähte Kapitän Tom Wolf sicherte den wichtigen Punkt und machte eine ganze Mannschaft und Stadt glücklich. Die HSG bleibt damit über den Abstiegsrängen.

 

Dieses Mal fand Konstanz gut in die Partie, ganz anders als zuletzt. 4:3 führte sie durch einen spektakulären Kempa-Trick über das ganze Spielfeld von Michael Haßferter auf Samuel Wendel, als das Duell der Tabellennachbarn eine dramatische Wendung nahm. Kapitän Tom Wolf blockte einen Wurf und bekam dabei Ball und Hand des Gegenspielers ab. „Ich habe nur gespürt, dass etwas brennt“, beschrieb Wolf die Szene in der achten Spielminute. Wenige Augenblicke später ergoss sich reichlich Blut auf das Spielfeld. Die Haut zwischen Ring- und Mittelfinger war aufgeplatzt und Wolf musste sofort in der Kabine von Mannschaftsarzt Dr. Tobias Payer genäht werden. Sechs Stiche und drei Knoten später tauchte der Rückraumspieler wieder in der Halle auf. Eigentlich war der Plan, in der Halbezeit alles zu ordnen und zu sehen, ob und wie Wolf wieder spielen kann. Doch so groß sein Schock beim Blick auf die Anzeigetafel war, es stand inzwischen 12:6 für Hüttenberg, so groß war er zuvor bei den HSG-Akteuren über den plötzlichen Verlust einer wichtigen Säule. Unordnung, Unsicherheit, leichte Fehler hatten es den Gästen aus Mittelhessen erlaubt, sich in dieser Phase mit sechs Toren abzusetzen.

 

Wolf kann im Nachhinein darüber lachen: „So war das Adrenalin bei mir ganz schnell wieder oben und ich musste zurück auf das Feld. Das war in der Abwehr schwer, aber im Angriff ging es.“ Glück im Unglück: Es hatte „nur“ die linke Hand getroffen. Kaum zurück auf dem Spielfeld, legte der Mittelmann den Ball wunderbar auf Markus Dangers ab und der traf zum 7:12 (24.). Bis zur Halbzeitsirene konnte Konstanz immerhin noch auf 10:13 verkürzen. Doch Wolf musste in der zweiten Hälfte noch einmal in die Kabine, die Wunde blutete weiter stark. Und dennoch ging nun ein spürbarer Ruck durch die Reihen der Gelb-Blauen, die neben Wolf auch noch auf Joschua Braun, Matthias Hild, Fabian Schlaich und Felix Jaeger verzichten mussten. Plötzlich war die Intensität in der Deckung deutlich höher, die Emotionalität und Entschlossenheit eine ganz andere.

 

Mit einer 5:1-Deckung bleib die HSG elf (!) Minuten ohne Gegentor und machte trotz weiter vielen ausgelassenen Möglichkeiten wie einem Siebenmeter und freien Gegenstößen aus einem 17:21-Rückstand den ersehnten 21:21-Ausgleichstreffer. Vier Minuten vor Schluss erzielte der Ex-Erstligist noch einmal die Führung, Konstanz ließ mehrmals die Gelegenheit zum Ausgleich oder gar mehr ungenutzt – bis schließlich Wolf zurück war und Daniel Eblen den siebten Feldspieler für den letzten Angriff brachte. Peter Schramm zog an, Tom Wolf war frei, stieg hoch und traf, mit dick bandagierter linker Hand, mit rechts in die linke untere Ecke. Wenige Sekunden später war er im Jubel der Mannschaft verschwunden.

 

Wolf: „Wir haben uns sehr über den Punkt gefreut, auch wenn er vielleicht zu wenig ist. Ohne den Bruch, wo immer er auch herkam, wäre es sicher ein ganz anderes Spiel geworden. Nach dem 6:12 können wir aber mit dem Zähler leben, wir haben einen sehr wichtigen Punkt mitgenommen.“  Cheftrainer Daniel Eblen schlief nach dieser Achterbahnfahrt der Gefühle schlecht. „Da war noch viel Adrenalin drin“, erklärte er. „Das, was die Jungs, insbesondere im Angriff, trainiert haben, war leider im Spiel nicht wiederzuerkennen. Nach Toms Ausscheiden hatte man das Gefühl, dass wir geschockt sind. Es kam vieles durcheinander.“ Wenngleich er bemängelte, dass man sich oft selbst im Wege stand, der „Kampf und Einsatz waren top. Jeder Punkt ist wichtig, die Erleichterung groß.“ Zeit zum Wunden lecken bleibt wenig. Am Samstag wartet in Fürstenfeldbruck die nächste richtungsweisende Partie. Einer ist dann sicher wieder nicht aufzuhalten: Tom Wolf. „Ich war gerade zur Nachkontrolle beim Doc. Es hat noch einmal nachgeblutet. Aber ich werde spielen – sofern wir dürfen“, berichtete er aus der Praxis des Mannschaftsarztes am Samstagmorgen.

 

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Michael Haßferter (11 Paraden), Moritz Ebert (alle Tor); Michel Stotz, Aron Czako, Tom Wolf (5/3), Markus Dangers (8/1), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (2), Fynn Beckmann (1), Tim Jud (2), Samuel Wendel (2), Patrick Volz, Peter Schramm (1), David Knežević, Felix Fehrenbach (1).

Trainer: Daniel Eblen

 

TV Hüttenberg: Dominik Plaue (13 Paraden/davon 1 Siebenmeter), Nikolai Weber (beide Tor); Merlin Fuß (4), Philipp Schwarz, Philipp Opitz, Niklas Thieß (2), Ryuga Fujita, Ian Weber (4), Vit Reichl (2), Dieudonne Mubenzem (1), Robin Hübscher (1), Tobias Hahn (2/2), Johannes Klein (2), Patrick Jockel (1), Hendrik Schreiber (3).

Trainer: Johannes Wolhlrab

 

Zuschauer: - in der Schänzle-Sporthalle Konstanz

Schiedsrichter: Fabian Dietz und Tobias Biehler

Zeitstrafen: Konstanz 8 Min. (Maier-Hasselmann, Dangers je 2 Min, Beckmann 4 Min.) / Hüttenberg 4 Min. (Julian Scheider, Rink, Koloper je 2 Min.)

Siebenmeter: Konstanz 4/5 (Dangers scheitert an Plaue) – Hüttenberg 2/2

 

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