Ex-Thurgau-Boss steigt in Reinach ein

Ex-Thurgau-Boss steigt in Reinach ein

Auf ihrer Suche nach zusätzlichen Sponsoren, Werbepartnern und Business-Membern können die Verantwortlichen der Red Lions Reinach einen weiteren schönen Erfolg verbuchen. Der frühere Besitzer und Präsident des HC Thurgau, Felix Burgener, unterstützt mit seiner Immobilienfirma Centurio Real Estate AG neu der Klub.

Von Albert Fässler

Seit seinem Abgang beim B-Klub Thurgau vor rund zehn Jahren hat sich der 56-jährige Selfmade-Millionär Felix Burgener im Sport finanziell nicht mehr engagiert. Jetzt gibt er zumindest als Geldgeber ein Comeback und nennt auch gleich den Grund: «Mit ihrem ambitionierten 1.-Liga-Projekt haben die Macher in Reinach meinen aufrichtigen Respekt verdient. Sie schaffen damit für die hockeybegeisterte Jugend eine Plattform zur Ausübung des Leistungssports vor der eigenen Haustüre. Das will ich mit meinem Beitrag honorieren und hoffe dabei, dass sich weitere Firmen anschliessen und ebenfalls engagieren. Die Jugend ist schliesslich unsere Zukunft! Es lohnt sich immer, in sie zu investieren.»

Den Trainer in der Drittelspause entlassen

Der einstige Inhaber einer Metallbaufirma ist im nationalen Eishockey kein unbeschriebenes Blatt. Als Besitzer des HC Thurgau mischte sich Felix Burgener auch mal ins Operative ein und machte schweizweit Schlagzeilen, als er in der ersten Drittelspause eines Meisterschaftsspiels von der Zuschauertribüne an die Bande wechselte, den Coach entliess und fortan dessen Job gleich selber übernahm. Eine Episode, die der Inhaber des Helikopterbrevets und einer auf Mallorca stationierten Jacht auch in der Rückblende noch für richtig hält. Felix Burgener dazu: «Wenn ein Chef mit der Arbeit seines wichtigsten Angestellten nicht zufrieden ist, macht er diese besser gleich selbst.»

Kurzfristig war Felix Burgener vor dem Einstieg der Swissair auch einmal VR-Präsident des EHC Kloten, zog das eingebrachte Startkapital in Höhe von einer Million Franken wegen unterschiedlichen Ansichten mit Jürg Ochsner aber über Nacht wieder ab.

Alleinherrscher vor Gottes Gnaden

Man kann seine Ansichten und Vorgehensweisen kritisieren, doch der Wahlzürcher hatte immer auch eine menschliche Seite. Angestellten in sportlichen oder finanziellen Nöten half er unbürokratisch und spontan aus der Patsche. Wer sein Vertrauen mit Leistungen rechtfertigte, der wurde in den engsten Bekanntenkreis aufgenommen, anständig behandelt und entlöhnt.

Es waren jedoch turbulente Jahre im einzigen NLB-Klub der Ostschweiz. Zeitweise amtete «König Felix» als Besitzer, Geldgeber, Präsident, Trainer und Sportchef in Personalunion. Als Alleinherrscher vor Gottes Gnaden schuf er sich damit natürlich nicht nur Freunde und erntete prompt viel  Häme, als sein Team in die 1. Liga abstieg. Für Burgener war das allerdings kein Grund, das Handtuch zu werfen, sondern Ansporn, es allen Besserwissern erst recht zu zeigen.

Mit einem knüppelharten Konditionstraining, einer unglaublichen Besessenheit und viel Herzblut legte der Getriebene im Sommer nach der Relegation die Basis für den sofortigen Wiederaufstieg und das von ihm prognostizierte «Wunder» fand tatsächlich statt. Ein Jahr später war sein HC Thurgau im Halbprofi-Eishockey zurück. Zumindest in dieser Beziehung ist Felix Burgener dem unerwartet in die NLB abgestiegenen EHC Kloten also momentan eine Nasenlänge voraus . . . 

Kein Comeback an der Bande

Über sein finanzielles Engagement hinaus hat der Immobilien-Unternehmer in Reinach aber keine sportlichen Pläne. Es besteht vorderhand also keine Gefahr, dass Burgener ins operative Geschäft eingreifen wird. An einzelnen Heimspielen oder den in unmittelbarer Nähe seines Wohnortes am Bodensee gelegenen Stadien (Wil, Uzwil, Frauenfeld usw.) will er hie und da jedoch Präsenz markieren. Burgener dazu: «Als Sponsor interessiert mich die sportliche Entwicklung dieses Teams selbstverständlich, aber die Aufgabe ist kein Zuckerschlecken.»

Seine ganze Aufmerksamkeit gilt zurzeit ohnehin einer Grossüberbauung in der Thurgauer Gemeinde Tägerwilen, wo 30 Eigentums- und 60 Mietwohnungen entstehen. Bezugsbereit im Sommer 2019. Alle Eigentumswohnungen hat der clevere Unternehmer schon in der Planungsphase verkauft. Ohne teure Werbekampagnen, einfach mit Propaganda von Mund zu Mund. Darüber hinaus hegt und pflegt Felix Burgener ein Online-Sport-Portal, das er vor zehn Jahren selber ins Leben gerufen hat. Rund 750 Vereine aus mehreren Kantonen nutzen diese Plattform inzwischen für die kostenlose Verbreitung ihrer News und Hintergrundberichte. Seit dem Einstieg als Sponsor in Reinach sind nun auch die Red Lions Reinach hier regelmässig präsent.

Bild: der frühere HC-Thurgau-Boss Felix Burgener als neuer Sponsor bei den Red Lions. (Foto: Albert Fässler)