FCK Trainer Kürsat Ortancioglu: "Fussball ist ein Traumjob für alle"
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FCK Trainer Kürsat Ortancioglu: "Fussball ist ein Traumjob für alle"

Vor einer Woche hat der FCK die Saison auf dem hervorragenden dritten Platz abgeschlossen. Trainer Kürsat Ortancioglu im Rückblick über Erreichtes, neue Ziele und ein mögliches persönliches Engagement im bezahlten Fussball.

Kürsat Ortancioglu, sie haben mit dem FC Kreuzlingen die Saison auf dem 3. Schlussrang abgeschlossen. Hätten sie das im Frühling gedacht, als sie die Mannschaft übernommen haben?

„Nun ja, Platz eins war weit weg, eine Platzierung zwischen dem zweiten und vierten Platz erachtete ich schon damals als realistisch. So gesehen also keine eigentliche Überraschung. Wichtiger ist, dass wir alle zusammen - also Mannschaft und Staff dieses Ziele erreicht haben. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken. Wir haben wirklich hart gearbeitet".

Lange war man ja sogar auf Meisterkurs, was hat denn letztlich gefehlt?

„Eigentlich zwei Faktoren: Kosova verfügte einfach über ein ganz anderes Budget. Und dann muss         man immer mit einem Ausrutscher rechnen, eine ganze Rückrunde nur gewinnen ist einfach utopisch“.

Sie sind ja mit der Absicht angetreten, in erster Linie die Defensive zu stärken. Sechs Partien spielte dann die Mannschaft fehlerfrei und kassierte kein Gegentor. Zuletzt hat ihr Team zwar weiter fleissig gewonnen, doch torlos blieb die Mannschaft einzig beim Spitzenspiel in Linth.

„Meine Zielvorgabe war ja, den Durchschnitt auf ein Tor pro Partie zu reduzieren. Letztlich haben wir 1,07 Tore pro Spiel kassiert, also Ziel erfüllt“!

Für viele Zuschauer war die Derby-Niederlage gegen Frauenfeld nicht nur schmerzlich, sondern auf Grund der klaren Favoritenrolle des FCK auch unverständlich. Gibt es nachträglich dafür noch eine Erklärung?

„Vieles ist im Fussball Kopfsache. Vielleicht hat einfach nur der Glaube oder die letzten 10 Prozent gefehlt. Bei Frauenfeld war die Situation genau umgekehrt. Nach einer schlechten Rückrunde hat man sich in der Hauptstadt sehr sorgfältig auf das Derby vorbereitet und gewusst, mit einem Sieg in Kreuzlingen kann man die Saison letztlich noch retten“.

Die Leistungsträger in der Defensive waren ausgerechnet die Neuzuzüge Wolfgang Narr, Kevin Schröder und Simon Affentranger. Wie es scheint, bleibt die Abwehr auch in der kommenden Saison unverändert?

Für mich war das keine Überraschung, aber natürlich sehr erfreulich. Und noch schöner ist, dass alles so zusammenbleibt“.

In der Offensive ragte neben Uwe Beran als Ideen- und Passgeber vor allem Andi Qerfozi mit seiner unheimlichen Trefferquote heraus. Nach dessen Abgang bleibt die grosse Frage, wie geht es ganz vorne weiter?

„Andi war ein absoluter Glücksfall für Kreuzlingen den man nicht 1:1 ersetzen kann. Wir sind mit anderen guten Spielern im Gespräch und können und möchten Andi nicht nachtrauern. Es gibt in der nächsten Saison auch keine Ausreden wenn es mit dem Toreschiessen nicht mehr so klappt. Jetzt stehen halt andere in der Verantwortung“.

Insgesamt bleibt das Team ja intakt, dürfen wir uns nächste Saison auf eine nochmalige Steigerung freuen?

„Das muss immer das Ziel sein. Wir müssen das Positive mitnehmen und noch eine Schippe drauflegen, auch wenn es sicher nicht ganz einfach werden wird“.

Letztes Jahr waren sie noch in Konstanz Trainer, eine Stadt die rund vier Mal grösser ist als Kreuzlingen. Wie schätzen sie das sportliche Umfeld hier vor Ort ein? Wo sehen sie momentan die grössten Lücken?

„Sicher, Konstanz ist grösser, doch die Fussball Begeisterung hält sich in Grenzen. Zuschauermässig sehe ich gar das grössere Potenzial diesseits der Grenze. Generell hat sich Freizeitverhalten aber überall gewandelt. Das Angebot ist breiter geworden, TV und andere soziale Medien fluten den Markt mit eigenen Angeboten. Die Zeiten sind einfach anders“.

Kreuzlingen stellt grosse Ansprüche an sich selbst; und sie haben in nur einem halben Jahr den Verein ein ganz schönes Stück nach vorne gebracht. Ist das eine Belastung für die nächste Saison?

„Der Druck ist da, sicher. Aber ich setzte mich selber unter Druck. Übrigens eine sehr positive Belastung“.

Seit Jahren spricht man davon, man möchte vermehrt auf eigene Spieler setzen. In den vergangenen Partien standen mit Philipp Juchli, Midhad Arifagic, Manuel Keller und Alajdin Pajaziti gleich vier Kreuzlinger auf dem Platz. Gibt es noch mehr sogenannt „Eigene“ die den sportlichen Ansprüchen der 2. Liga Interregional genügen?

„Junge Spieler brauchen Zeit, und ich möchte sie auch ein wenig in Schutz nehmen. Obwohl sie dringend Spielpraxis benötigen, darf man sie nicht überfordern. Wir suchen laufend Talente, doch ich merke, einige glauben nicht an ihre Chance. Kreuzlingen wird aber sicher weiter punktuell auf eigene Junge setzen“.

Nicht wenige ihrer Vorgänger wurden relative kurzfristig in höhere Positionen abberufen. Wäre (bezahlter) Spitzensport eine Option für sie?

„Bezahlter Fussball ist ein Traumjob für alle - aber ich bin hier in Kreuzlingen und muss mich auf die nächste Saison konzentrieren. Wir wollen es nach einer guten Rückrunde mal nicht übertreiben, sondern diese Leistungen ab kommenden Sommer bestätigen“.

Gibt es präsidiale Vorgaben was sie mit dem FCK nächste Saison erreichen sollten?

„Mit dem Budget haushalten und einen Platz unter den ersten fünf erreichen“.

Und was möchte Kürsat Ortancioglu konkret nächste Saison mit dem FCK erreichen?

„Ich möchte immer das Maximum erreichen“.

Danke für das Interview.