FCK Präsident Daniel Geisselhardt: "Mit etwas Glück könnten wir mit einem blauen Auge davon kommen"
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FCK Präsident Daniel Geisselhardt: "Mit etwas Glück könnten wir mit einem blauen Auge davon kommen"

Nicht nur der Profifussball blickt unsicheren Zeiten entgegen, auch die Amateur Kicker trifft die aktuelle Lage hart. Wie geht es auf unseren regionalen Fussballplätzen in den kommenden Wochen weiter - und wo drückt der Schuh am meisten? FCK Präsident Daniel Geisselhardt im grossen Interview.

Herr Geisselhardt, was macht der Präsident eines ambitionierten Fussballvereins in dieser Zeit?

Daniel Geisselhardt: Die wichtigste Aufgabe für mich besteht darin, die finanziellen Folgen für den Verein abzuschätzen und möglichst abzufedern. Daneben tausche ich mich regelmässig mit der sportlichen Leitung aus, die mit Hochdruck am Planen der neuen Saison ist.

Der FC Kreuzlingen hat nach einem intensiven Vorbereitungsprogramm erstmals seit vielen Jahren gar wieder ein kurzes Trainingslager im Ausland gemacht (Türkei). Doch dann, zwei Tage vor Meisterschaftsbeginn (Derby in Amriswil),  wurde dem Amateurfussball landesweit buchstäblich die Türe vor der Nase zugeschlagen. Bringen sie aus heutiger Sicht dafür Verständnis auf?

Daniel Geisselhardt: Der FCK hat auch in den letzten Jahren immer mal wieder – meist kurze – Trainingslager durchgeführt. Natürlich hat uns das Trainings- und Spielverbot sehr getroffen, obwohl man aus der damaligen Situation Verständnis für die Entscheidung haben muss. Mittlerweile würde ich mir eine wesentlich raschere Normalisierung und Aufhebung der Einschränkungen wünschen.

 Danach die Stimmung zwischen Bangen und Hoffen, geht es weiter oder nicht.

Daniel Geisselhardt: Wir sind bald dazu übergegangen, uns mit der Planung der neuen Saison zu beschäftigen.

Fast jeder KMU hat einen grösseren oder kleineren Krisenstab zur aktuellen Lage gebildet. Wie ist das beim FC Kreuzlingen abgelaufen?

Daniel Geisselhardt: Zu Beginn der Krise war ich auf einer Ferienreise in abgelegenen Gebieten Madagaskars. Vizepräsident David Grimm hat in dieser Zeit den Verein mit starker Hand ausgezeichnet geführt. Ihm ist ein Kränzchen zu winden und ihm gehört mein grosser Dank. Einen eigentlichen Krisenstab brauchen wir nicht, da wir innerhalb des Vorstandes gut kommunizieren und rasch Entscheidungen fällen können.

Der komplette Ausfall der Rückrunde ist eine Sache, doch wie wirkt sich das auf die Vereinsfinanzen aus.

Daniel Geisselhardt: Durch die Absage der Rückrunde – also einer halben Saison – fallen alle mit der sportlichen Tätigkeit verbundenen Einnahmen weg. Also keine Eintritte bei Heimspielen der 1. Mannschaft und keine Umsätze im Clubhaus-Restaurant. Ebenso keine J+S-Gelder für sportliche Aktivitäten. Da auch der AXPO-PluSport Cup und ein weiteres Handicap-Turnier abgesagt werden mussten, fehlen auch die Einnahmen aus diesen Veranstaltungen. Natürlich haben wir sofort auf der Kostenseite alle möglichen Massnahmen getroffen, um die Liquidität sicherzustellen. Mit etwas Glück könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen. Das hängt aber auch davon ab, ob uns die zahlreichen grösseren und kleineren Sponsoren treu bleiben können. Aus diesem Grund fordere ich die Vereinsmitglieder immer wieder dazu auf, wenn immer möglich unsere Sponsoren bei Aufträgen zu berücksichtigen. Das funktioniert glücklicherweise ganz gut.

Auf den drohenden sportlichen Abbruch haben jüngst einige Klubs in der Amateurliga vehement protestiert. Sie sahen sich um ihre sportlichen Perspektiven betrogen und verlangten vom Verband  Regeländerungen.  Wie war ihre persönliche Ansicht in dieser Sache – und wie haben sie für den FC Kreuzlingen argumentiert?

Daniel Geisselhardt: Man kann es in so einer Situation nicht allen recht machen. Vermutlich war es der richtige Entscheid, die gespielte halbe Saison nicht zu werten. Aber ich verstehe den Frust bei Vereinen mit Aufstiegsambitionen, die dadurch um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden, zum Beispiel Chur 97 in der 2. IR oder der FC Tägerwilen in der 3. Liga.

Können sie die Argumente der anderen verstehen – und wie hätten sie votiert, wenn der FC Kreuzlingen die Tabelle beispielsweise mit fünf oder sechs Punkten angeführt hätte?

Daniel Geisselhardt: Das ist eine hypothetische Frage – wahrscheinlich hätte ich den Entscheid akzeptiert, da es wohl das vernünftigste Vorgehen war.

Eingangs der Saison, also letzten August,  haben sie die Ziele für das Fanionteam so definiert: „zwischen dem dritten und fünften Platz“. Hat die Strategie der Zurückhaltung in dieser Phase Druck von Mannschaft, Trainer aber auch obiger Entscheidung genommen? Mehrheitlich hat sich der FC Kreuzlingen in den vergangenen Jahren ja zu einem sportlichen Fortschritt, sprich Aufstieg, bekannt?

Daniel Geisselhardt: Die Zielsetzung aus dem Vorstand lautet regelmässig «Top 3» und bestklassierter Verein im Kanton. Die sportliche Leitung setzt sich jeweils ehrgeizigere Ziele. Wichtiger ist die Strategie, mit regionalen Talenten zu arbeiten und diesen im FCK ein Schaufenster zu bieten.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: So kann zum heutigen Zeitpunkt Trainer und Sportchef Kürsat Ortancioglu grossmehrheitlich mit unverändertem Kader die neue Saison planen. Auffallend dabei, dass sich viele Akteure bereits vor Wochen zum Verbleib beim FC  Kreuzlingen bekannt haben.

Daniel Geisselhardt: Es gibt nicht «auch» gute Nachrichten – es gibt von innerhalb des Vereins momentan nur gute Nachrichten. Hier eine Auswahl: Kontinuität mit punktuellen Ergänzungen bei der ersten Mannschaft; reibungslose Weiterführung der Talente-Philosophie auch bei der U21-Mannschaft mit dem neuen Trainer Petar Mitrovic als Nachfolger von Roger Keller, der im Übrigen dem FCK in veränderter Funktion erhalten bleibt. Mit Walter Bannwarth konnten wir zur Unterstützung von Juniorenobmann Paul Nay einen erfahrenen Ausbildner als technischen Leiter bei den Junioren engagieren. Mit Trudi Mosimann und Rolf Hüssy haben wir ein hochengagiertes Team für das Clubhaus-Restaurant an Bord. In den nächsten Wochen soll auch noch der Spatenstich für das dringend benötigte neue Garderobengebäude erfolgen.

Seit dem 30. April hat die Amateurliga des SVF grünes Licht  für die Zukunft gegeben. Ab 11. Mai darf „in Kleingruppen ohne Körperkontakt wieder trainiert werden“. Es wird jedoch den Vereinen selbst überlassen, ob sie das Training wieder aufnehmen wollen. Halten sie das aus ihrer Sicht für den FC Kreuzlingen praktizierbar?

Daniel Geisselhardt: Wir haben heute das vom SFV erarbeitete Schutzkonzept erhalten. Auf den ersten Blick scheint das für eine kampfbetonte Mannschaftssportart wie Fussball wenig sinnvoll. Wir werden diese Woche im Vorstand die Situation analysieren und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Die 1. Mannschaft wird aber kaum vor Ende Juni mit dem Mannschaftstraining beginnen.

Und zuletzt: Alle Involvierten, von Trainern über Betreuer bis hin zu unseren Donatoren und Sponsoren wurden von ihnen als Präsident stets topaktuell via elektronischer Medien auf dem Laufenden gehalten. Es scheint fast, als ob seit heute in ihren Zeilen eine grosse Aufbruchsstimmung auszumachen ist.

Daniel Geisselhardt: Ich hoffe, dass man die Aufbruchstimmung nicht erst seit heute spürt. Wir haben in Vorstand und Verein Personen, die mit höchstem Engagement am gleichen Strick und erst noch in die gleiche Richtung ziehen. Und wir haben viele treue Sponsoren und Werbepartner, denen ich an dieser Stelle mal wieder ganz herzlich für Ihre Unterstützung danken möchte.