Fatale Nachspielzeit für den FCK

Fatale Nachspielzeit für den FCK

92 Minuten sah der FC Kreuzlingen beim hohen Favoriten und Tabellenführer Freienbach mit einem zwei Tore Vorsprung im Rücken wie der sichere Sieger aus. Doch im Finish stellten die Gastgeber mit einem Doppelschlag die Geschehnisse komplett auf den Kopf.

Nach dem Auftaktsieg gegen das ebenfalls favorisierte Kosova vor Wochenfrist trat der FCK in Freienbach mit breiter Brust auf. Nach einer eher überlegenen Viertelstunde mit zwei Halbchancen durch Qerfozi, sowie einem strammen Abschluss durch Suarez, glichen sich beide Teams an. Festzuhalten gilt jedoch, den ersten Torschuss musste Kessler im Thurgauer Tor erst in der 27. Minute parieren. Drei Minuten später zischte jedoch von demselben Spieler ein regelrechter Knaller knapp am rechten Pfosten vorbei. Die hoch favorisierten Gastgeber verfingen sich danach jedoch regelmässig im dichten und taktisch gut gestaffelten Mittelfeld der Kreuzlinger. Kurz vor dem Pausenpfiff hatten die Hafenstädter dann die heikelste Situation der ersten Hälfte überhaupt zu überstehen. Mit einem Rush im Thurgauer Strafraum tankte sich Döttling – bereits zuvor auffälligster Märchler – gleich an mehreren Kreuzlingern vorbei. Mit einigem Glück vermochten die in jeder Beziehung stilsicheren Gäste jedoch auch diese Situation zu klären.

Die Partie wird hektischer
Eigentlich musste zu jenem Zeitpunkt beiden Mannschaften attestiert werden, dass die Regeln der Fairness trotz der Bedeutung dieser Partie eingehalten wurden. Einzig der Freienbächler Carava sah in der ersten Hälfte für ein Foul die gelbe Karte (37.). Auffallend jedoch, dass der Unparteiische bei jedem Spielunterbruch rege das Gespräch mit den Fehlbaren suchte, dies sollte sich auf den weiteren Spielverlauf entscheidend auswirken. Doch zuerst setzte Kreuzlingen das erste Ausrufezeichen. Bei einem Eckball stieg Mittelfeldakteur Marco Suarez am vorderen Pfosten am höchsten und lenkte den Ball mit viel Gefühl in die Maschen (58.). Eine unmittelbare Reaktion der Gastgeber blieb vorerst aus. Die Partie wurde jedoch deutlich hektischer, die Fouls härter und selbst einfachste Entscheidungen des Schiris lösten Diskussionen und Rudelbildungen aus. Als dann Arifagic nach 74 Minuten auf einen Beran Pass am Flügel durchbrach und alleine vor Torhüter Dabic bestechend sicher das 2:0 erzielte, lief das Fass über. Im Mittelkreis lag ein verletzter Freienbach Akteur der vor der finalen Passabgabe offenbar regelwidrig von einem Kreuzlinger behindert wurde. Natürlich hätte hier den Kreuzlingern Fairness geboten. Doch ohne Pfiff nutzte Arifagic weitab vom Geschehen seine Chance; und als sowohl der Unparteiische als auch sein Assistent sofort auf Tor entschieden freute sich das Kreuzlinger Kollektiv überschwänglich, während wütende Protesten der Akteure und seinem zahlreichen Anhang auf sie niederprasselte. Kurz danach entglitt dem Unparteiischen die Partie endgültig: Als Qerfozi an der Seitenlinie, direkt vor der Hauttribüne von zwei Märchlern brutal niedergetreckt wurde, zeigte der Unparteiische ohne zu zögern dem bereits zuvor verwarnten Maurer die rote Karte. Doch als Qerfozi nach einer kurzen Behandlungspause wieder auf die Beine kam, zeigte er zur Verblüffung aller auch dem Kreuzlinger die rote Karte (81.). Ein in keiner Weise nachvollziehbarer Entscheid.

Fatale zwei Minuten
Das darf aus Thurgauer Sicht jedoch keineswegs als Entschuldung für die sportliche Entwicklung der verbleibenden Restminuten gelten. Bis zur 92. Minute bleiben sie nämlich vorerst ihrer Linie treu, kämpften abgeklärt und hatten das als eminent gefährlich eingestufte Sturmduo Syla/Perna das bereits 36 Tore (!) im laufenden Championat erzielt hat, sicher im Griff. Aber die dezimierten Gastgeber setzten in der Nachspielzeit alles auf eine Karte und kamen schliesslich zum Anschlusstreffer durch Verteidiger Hoxhaj der einen Querpass durch Freund und Feind in die Kreuzlinger Maschen hämmerte (93.). Plötzlich schien wieder alles möglich – so die klare Körpersprache der Freienbächler. Bei einem letzten Zuspiel von Torhüter Dabic aus der eigenen Platzhälfte zeigte Taulant Syla vor dem Tor seine Klasse. Akrobatisch kontrollierte er das Leder im Strafraum, zog mit vollem Risiko durch und traf genau ins hohe Eck zum 2:2. (95.). Dass an diesem Nachmittag Kreuzlingen eigentlich das bessere Team war verkam im allgemeinen Jubel der Gastgeber zur bitteren Makulatur.

Telegramm

Freienbach - Kreuzlingen 2:2 (0:0).
Chrummen - 225 Zuschauer. SR: Kanagasingam Anojen.
Tore: 58. Suarez 0:1, 74. Arifagic 0:2, 90+3 Hoxhaj 1:2, 90+5 Sylant 2:2.
Freienbach: Dabic; Hoxhaj, Hrkalovic, Di Dio (50. Bucher), Maurer; Döttling, Egger (73. Colombo), Carava (84. Museshabanaj), Palumbo; Perna, Syla.
Kreuzlingen: Kessler; Affentranger, Schröder, Narr, Wulf; Arifagic (89. A. Pajaziti), Tütünci, Vieira, Soarez (77. Dolce), Beran (90+1 Rettig); Qerfozi.
Verwarnungen: 37. Carava, 56. Egger, 64. Vieira, 77. Colombo, 83. Hoxhaj, 90+4 Dulce (alle Foul)12. Beran (Handspiel), 25. Bushati, 25. Vieira (Unsportlichkeit), 58. Kabashi, 73. Wilhelmsen, 84. Narr (Foul), 92. Kessler (Unsportlichkeit).
Bemerkungen: 81. Platzverweise für Maurer und Qerefozi. Freienbach komplett. Kreuzlingen ohne: Wilhelmsen (gesperrt), B. Pajaziti, (verletzt) und Knoll (abwesend).