Ein zweites Leben bekommen
Funsport

Ein zweites Leben bekommen

Der 38-jährige Gossauer Roger Ammann fand nach einem schrecklichen Arbeitsunfall ins Leben zurück und kann sein grosses Hobby, das Quadfahren wieder ausleben. Mit einer Titan-Platte in der linken Schädelhälfte und einem Glasauge meistert er nun sein Leben.

Von Markus Schildknecht

Roger Ammann ist wieder im Schuss.

Roger Ammann ist wieder im Schuss.

Als Roger Ammann am 1. September 2011 seinen neuen Job bei der KA-TE Insituform in Waldkirch (SG) als Kanalsanierer anfing, ahnte er noch nicht, dass dies sein Leben für immer verändern würde. Sein Ziel war es, zu einem späteren Zeitpunkt einmal die Projektleitung zu übernehmen. Doch rund 14 Tage später passierte dann dieser schreckliche Unfall. Bei einer Baustelle machte sich ein Sanierungsschlauch selbständig und traf den neuen Mitarbeiter schwer am Kopf. Rund zehn Tage lag der sympathische Sportmann im Koma und die Ärzte konnten seinen Eltern nicht garantieren ob ihr Junge überleben oder gelähmt bleiben werde.

Komische Erfahrung gemacht

Nach siebenwöchigem Aufenhalt in der Uni Klinik Zürich konnte er ab Anfang November in der Rehaklinik  Zihlschlacht (TG) mit der Therapie beginnen. Nach der stationären Behandlung  musste der ehemalige Briefträger von Januar bis Juni zweimal wöchentlich zur Rehabilitation in den Thurgau gefahren werden. In Zihlschlacht musste er vorerst in die geschlossene Abteilung. "Dies war eine komische Erfahrung für mich". Doch der Anblick in der "Geschlossenen" hat es gebraucht damit der 38-Jährige seine Situation annimmt und das bestmögliche daraus macht. Es hat ihm die Augen geöffnet und gezeigt, dass sein Leben nicht vorbei ist. Er hat allerdings sein linkes Auge verloren und in seiner linken Kopfseite ist von der Schädelmitte bis über das Auge zur Wange und bis zu seinem Ohr eine Titan-Platte drin.

 "Es tut gut darüber zu reden"

Im Gespräch mit unserem Online Sportportal erzählt Roger über die schrecklichen Ereignisse und sagt:" Es tut gut darüber zu reden und mir ist lieber die Menschen sprechen mich an, als wenn sie Tuscheln und Unwahrheiten erzählen". Ammann bemerkt, dass Kinder viel ehrlicher sind und ihn direkt darauf ansprechen. "Erwachsene hingegen schauen mich lange an und dies kann dann mit der Zeit sehr unangenehm werden", sagt uns Roger. Es ist halt nicht alltäglich, wenn ein Mensch ein Glasauge trägt. Seine Ärzte prophezeiten ihm einen längeren Spitalaufenthalt von mehreren Monaten. Schlussendlich waren es aber nur gerade sieben Wochen. Für die Ärzte ist es ein Wunder. Sein Arbeitgeber steht voll und ganz hinter ihm und hat ihn nach seiner Genesung auch weiter beschäftigt. Momentan arbeitet Ammann 60 Prozent im Büro. Er versuchte es auch mal mit 80 Prozent, dies war ihm dann aber noch zu viel. Auch wieder auf einer Baustelle zu arbeiten versuchte der lebenslustige Mann wieder, doch dort fühlte er sich unwohl und liess es bleiben.

Roger Ammann kann trotz seines Handicaps noch lachen.

Roger Ammann kann trotz seines Handicaps noch lachen.

Eigene Homepage

Roger Ammann ist seit vier Jahren begeisternder Quadfahrer und hat auch eine eigene Homepage. Unter www.quad-team.ch kann man einiges über diesen Sport wie auch über ihn erfahren. Am vergangenen Wochenende erreichte Ammann beim Supermoto in Bäretswil den hervorragenden dritten Platz. Bis zu seinem Unfall fuhr Ammann in der Kategorie Quad-International, welche der höchsten Stufe entspricht. Seit seiner Rückkehr auf die Rennstrecke fährt er aber eine Stufe tiefer. Auf der Homepage ist zu erfahren, dass seine Partnerin Koch und Masseur für ihn ist. Auch seinen Mechaniker Rico Zollet ist auf dieser Seite zu finden. Die Quad-Saison dauert in diesem Jahr von April bis Mitte Oktober. Bleibt also Zeit für noch mehr Plätze auf dem Podest.