Die Schweizerinnen verpassen den ganz grossen Coup
Faustball

Die Schweizerinnen verpassen den ganz grossen Coup

Die Schweizerinnen müssen sich im WM-Final den grossen Favoritinnen aus Deutschland mit 1:4 geschlagen geben. Dennoch darf das Schweizer Team mehr als zufrieden sein mit ihrem Auftritt an der Weltmeisterschaft in Linz.

Die Zuversicht vor dem ersten WM-Final seit 16 Jahren war gross im Schweizer Lager. Nach einem lockeren Training kurz vor dem Mittag fanden die Schweizerinnen gar noch die Zeit, um einige Ballwechsel des U10-Nachwuchsturniers zu verfolgen, das auf den Trainingsplätzen in Linz stattfand. Keine Spur von Anspannung oder Nervosität. Trainer Anton Lässer meinte wenige Minuten vor Spielbeginn: «Wir hatten noch nie ein so gutes Team und sind heiss auf den Final. Wir wollen diesen Pott unbedingt gewinnen.»

In der Startphase konnten dann allerdings beide Teams noch nicht ihr gewohntes Spielniveau erreichen und es schlichen sich auf beiden Seiten einfache Fehler ein. Es waren die Schweizerinnen, die mit 7:5 vorlegen konnten, diesen Vorsprung jedoch nicht über die Runden brachten. Mit 11:9 ging der erste Durchgang an die Weltmeisterinnen aus Deutschland.

Steigerungslauf von Deutschland
Im zweiten Satz waren es dann aber die Schweizerinnen, die einen Gang höher schalten konnten. Vor allem Celina Traxler zeigte immer wieder tolle Angriffsschläge und brachte ihr Team mit 9:3 in Führung. Wenig später hiess es 10:7, doch die Schweizerinnen vergaben alle drei Satzbälle – zwei davon mit Eigenfehlern im Angriff. Sollten sie diesen Satz trotz grossem Vorsprung tatsächlich noch aus der Hand geben? Nein, nach einem Fehler von Deutschlands Angreiferin Sonja Pfrommer glichen die Schweizerinnen das Spielgeschehen dank einem 12:10-Satzgewinn aus.

Ausgeglichen präsentierte sich dann auch das Spielgeschehen im dritten Durchgang. Es waren dann aber die Deutschen, die mit 6:4 in Führung gehen konnten, wodurch sich das Schweizer Trainerduo Anton Lässer und Benjamin Marti-Suter zu einem Time Out gezwungen sah. Dieses änderte jedoch nichts am Spielverlauf. Das Deutsche Team blieb immer leicht in Front und konnte den dritten Satz mit 11:7 für sich entscheiden. Gleiches Bild dann im vierten Satz: Die Weltmeisterinnen näherten sich immer mehr ihrer Bestform an, während sich die Schweizerinnen zunehmend schwerer taten, zu punkten. Die Konsequenz: Deutschland gewann Satz vier mit 11:6.

Trotzdem ein grossartiges Turnier
War das bereits die Vorentscheidung oder können die Schweizerinnen nochmals reagieren? Als das Spiel nach einer zehnminütigen Pause wieder aufgenommen wurde, war die Antwort auf diese Frage schnell gefunden. Die Schweizerinnen konnten nicht mehr reagieren und es waren die Deutschen, die zum Schaulaufen ansetzten. Plötzlich ging es ganz schnell und der fünfte Durchgang ging mit 11:1 sehr deutlich an Deutschland, das damit den dritten WM-Titel in Folge gewann.

Auch wenn die Schweizerinnen den ganz grossen Coup verpasst haben, können sie mit ihren Auftritten in Linz mehr als zufrieden sein, denn kaum jemand hatte ihnen vor dem Turnier den Finaleinzug zugetraut. «Wir können stolz sein auf unsere Leistung. Natürlich will man in einem Final immer gewinnen, auch wenn der Gegner Deutschland heisst. Wir hätten dafür aber noch mutiger und sauberer spielen müssen», so Angreiferin Tanja Bognar. Ähnlich sieht es Trainer Benjamin Marti-Suter. «Deutschland war heute einfach ein Stück besser. Sie waren kompakter und wissen, wie man Titel gewinnt. In den ganz grossen Finals fehlt uns noch etwas die Erfahrung. Unsere nächste Chancen kommt aber bestimmt und die werden wir dann packen», verspricht Marti-Suter.

Dem pflichtet auch sein Trainerkollege Anton Lässer bei. «Wir haben definitiv Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Wir haben uns gut verkauft und im Final über drei Sätze mitgehalten. Danach war Deutschland schlicht zu stark. Wir werden nun weiterarbeiten und es beim nächsten Mal besser machen.» Bevor die nächsten Trainings anstehen wird das Team nun aber die WM-Silbermedaille ausgiebig feiern. «Wir haben ein unglaubliches Turnier gezeigt und auch im Final alles gegeben. Auch wenn es nicht gereicht hat, sind wir trotzdem unglaublich stolz. Vize-Weltmeister zu sein, ist schlicht sensationell», zog Abwehrspielerin Tina Ferrat ein positives Schlussfazit.

Resultate:
Frauen. Weltmeisterschaft in Linz, Final: Deutschland vs. Schweiz 4:1 (11:9, 10:12, 11:7, 11:6, 11:1). – kleiner Final: Brasilien vs. Österreich 4:0 (11:9, 11:5, 15:14, 11:9). - Schlussrangliste:  1. Deutschland, 2. Schweiz, 3. Brasilien, 4. Österreich, 5. Argentinien, 6. Polen, 7. Italien, 8. Serbien, 9. Neuseeland, 10. Tschechien. 11. Belgien.