Das Ende einer schönen Serie
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Das Ende einer schönen Serie

Kreuzlingen muss die erste Niederlage der Rückrunde einstecken. Weil sie vom FC Winkeln eiskalt ausgekontert wurden, nützte ihnen auch die haushohe Überlegenheit für einmal nichts. In den dramatischen Schlussminuten wäre trotz numerischer Unterzahl beinahe noch der FCK Ausgleichstreffer geglückt.

Dass der Gastgeber auf heimischem Boden nicht bedingungslos die Initiative ergriff, schien auf Grund der Tabellenlage eigentlich klar. Nach einer beeindruckenden Siegesserie im Frühling hatte sich Winkeln aus einer schier aussichtslosen Lage vom Tabellenende ins hintere Mittelfeld hochgearbeitet. Mit einem Sieg gegen Kreuzlingen könnte man fünf Runden vor Schluss vielleicht den letzten, entscheidenden Schritt Richtung Ligaerhalt schaffen. Entsprechend Verhalten war der Auftakt in diese Partie. Die St. Galler überliessen den Kreuzlingen fast schon im Stil eines Unterklassigen nicht nur ihre Spielhälfte, sondern eigentlich kurzum das gesamte Spielgeschehen und blieben diesem Konzept bis zum Abpfiff treu. Kreuzlingen selber nutzte die ungewohnten Freiheiten weidlich, aber leider nicht immer zum eigenen Vorteil. So fiel auf, dass die Thurgauer (mindestens) ein gefühltes Dutzend Eckbälle meist planlos in die dicht besetzte Verteidigungszone unmittelbar vor Winkeln Torhüter Staub schlugen. Dort lauerten zwar mit den drei grossgewachsenen Kreuzlingern Qerfozi, Wilhelmsen und Pajaziti ausgewiesene Kopfballspezialisten, doch der Erfolg liess sich an diesem Nachmittag so nicht bewerkstelligen. Viel erfolgversprechender erschien es da, das Spielgerät flach am Boden zu halten. Und in der Tat erspielten sich die Seebuben so Chance um Chance. Unermüdlich angetrieben vom fleissigen Beran tauchte immer wieder ein Grün-Weisser in aussichtsreicher Position vor dem Tor auf, scheiterte aber vorerst.

Die Bemühungen der Gastgeber beschränkten sich allzu lange nur auf vereinzelte Zuspiele auf den spurtstarken Kobler. Doch weil die Genauigkeit fehlte, wendete der einsamste Mann auf dem Platz meist schon im Ansatz ab und die Thurgauer starteten umgehend den nächsten Angriffsversuch. Kurz vor der Pause enteilte Kobler jedoch einmal perfekt angespielt den Kreuzlingern, legte den Ball uneigennützig in die Mitte wo der mitgelaufene Schneider leichtes Spiel hatte alleine vor Kessler den Führungstreffer  zu erzielen (39.).

Für den FCK kommt‘s knüppeldick
Kurz nach dem Pausentee erlitten die Kreuzlinger den nächsten Rückschlag. Statt ruhig und mit Bedacht den Ausgleichstreffer zu suchen, ermöglichten sie den Gastgebern den nächsten Konter. Und wieder enteilte Kobler den Seebuben – und wieder legte er das Leder uneigennützig; diesmal für den mitgelaufenen Schneider auf. Er musste das Leder dann nur noch aus kurzer Distanz über die Linie drücken (50.). Und vier Minuten später schien die endgültige Entscheidung in diesem Spiel gefallen. Nach einem FCW Eckball brachte Verteidiger Rüber den Ball per Kopf ins Zentrum zurück, Sven Lehmann reagierte am schnellsten und drosch das Leder zum 3:0 in den Netzhimmel (61.). Zwar brachte Andi Qerfozi mit einem verwandelten Handelfmeter wieder Hoffnung in die FCK Reihen (73.), doch dann kam es knüppeldick für den FCK: Bei einem weiteren Konter der Winkler musste Torhüter Kessler nicht zum ersten Mal an diesem Nachmittag ausserhalb seines Strafraums in höchster Not klären, doch der Unparteiische wertete den eher harmlosen Zusammenstoss mit dem heranstürmenden St. Galler wohl als Notbremse. Die rote Karte brachte auch Trainer Ortancioglu in Verlegenheit, hatte er sein Auswechselkontingent doch bereits ausgeschöpft. So streifte einmal mehr Captain Wilhelmsen die Torhüterkluft über und parierte auch gleich spektakulär den fälligen Freistoss aus 16 Metern. Selbst in Unterzahl blieben die Seebuben die dominante Mannschaft, schafften mit einen Kopfballtreffer durch Abwehrchef Narr gar noch den Anschluss (86.).

Mit dieser Niederlage, der ersten seit dem 22. Oktober 2017 in Frauenfeld, hat sich der FCK endgültig aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet. Für Fans und Trainer kein Grund zu lamentieren. Der FCK wollte in der Rückrunde Stabilität, Kontinuität und schönen Fussball zeigen. Dieses Versprechen hat die Mannschaft in den vergangenen Wochen zu aller Zufriedenheit erfüllt.

 

Telegramm

Winkeln - Kreuzlingen 3:2 (1:0).
Gründenmoos - 170 Zuschauer. SR: Alessandro Ferri.
Tore: 39. Schneider 1:0, 56. Hofstetter 2:0, 61. Lehmann 3:0, 73. Qerfozi 3:1 (Handelfmeter), 86. Narr 3:2.
Winkeln: Staub: Broger, Rüber, Inauen, Herde; Hofstetter (64. Eberle), Sven Lehmann, Grünenfelder, Kargel, Schneider; Kobler (71. Rölli).
Kreuzlingen: Kessler; Wilhelmsen, Narr, A. Pajaziti (62. Knoll), Wulf; Arifagic, Vieira (66. Rettig), Suarez, Tütünci (62. Schröder), Beran; Qerfozi.
Verwarnungen: 24. Rüber (Foul), 25. Vieira (Foul), 72. Herde (Handspiel in Strafraum), 86. Sven Lehmann (Abstand).
Bemerkungen: 91. Pfostenschuss Eberle. 75. Rote Karte Kessler (Foul ausserhalb des Strafraums – Wilhelmsen wird Torhüter). Kreuzlingen ohne Affentranger, Keller (verletzt), Juchli, Mathys und Dolce (abwesend).