Als das Laufen noch reine Männersache war!
Leichtathletik

Als das Laufen noch reine Männersache war!

Interview mit Pius Brunschwiler vom LSC Wil zum 40. Jubiläum „Ufs Hörnli“. Wer hätte das gedacht! 2017 findet dieser Anlass bereits zum vierzigsten Mal statt.

OK-Chef Hans Ziegler darf stolz darauf sein, ebenso seine Vorgänger Martin Müller und Pius Brunschwiler. Was einst als interner Wettkampf des Laufsportclubs begann, ist heute fester Bestandteil des Wettkampfkalenders. Aus Anlass zu diesem Jubiläum haben wir dem wichtigsten Förderer, der den Lauf Ufs Hörnli während 30 Jahren organisierte, ein paar Fragen gestellt.

Fridolin Hinder

Pius Brunschwiler erklären Sie uns, wie es überhaupt zur Idee eines Berglaufes Ufs Hörnli kam.
Diese Art des Laufens war damals fast unbekannt. Lediglich auf die Kreuzegg gab es schon einen Berglauf. Zudem suchte der ganz junge Club neben militärischen Anlässen nach zivilsportlichen Herausforderungen. Der Wiler Geländelauf war die eine, der Lauf Ufs Hörnli mit Start im Tal und Ziel auf dem Berg die andere.

Welches waren die wichtigsten Aufgaben, die es zu bewältigen gab?
Aus organisatorischen Gründen wollten wir eine Strecke in der Nähe. Zudem versuchten wir den Genuss der Landschaft und die sportliche Leistung in Einklang zu bringen. Da bot sich das nahe Tannzapfenland mit seiner aussichtsreichen Höhe geradezu an.

Wie war die Reaktion der Behörden und der Anwohner? Gab es eher Unterstützung oder Ablehnung?
Man glaubt es kaum. Damals brauchte es keinerlei Bewilligungen, obwohl der gesamte Lauf über Wanderwege führte; lediglich ein öffentlicher Raum für ein Treffpunkt musste gesucht werden. Seitens der Anwohner stiess der Lauf Ufs Hörnli immer auf Interesse und Wohlwollen.

Was für Erfahrungen machten die Organisatoren bei der ersten Austragung?
Ufs Hörnli stiess von Anfang an auf grosse Begeisterung, denn er war damals eine Marktnische. Der Erfolg zeigte sich auch in den stetig wachsenden Teilnehmerzahlen. Beteiligten sich bei der ersten Austragung 90 Läufer – ausschliesslich Männer – steigerten sich die Teilnehmerzahlen bis gegen 300. Traditionell wird am Datum des Pfingstsamstags festgehalten.

Wie hat sich der Hörnli-Berglauf im Laufe der letzten 40 Jahre entwickelt?
Anfänglich war er ein reiner Männerlauf, wie es damals überall üblich war. Erst 1982 wagte sich erstmals eine Frau auf das Hörnli! Ursprünglich war der Start in Au und die Strecke mass lediglich 4,65 km mit 450 m Steigung. Da viele Läufer eine längere Strecke wünschten, verlegte man den Start nach Fischingen und gewann so 1,7 km und 100 m Höhendifferenz dazu. Anfänglich gab es auch keinen gesellschaftlichen Abschluss mit Rangverkündigung; lediglich in der darauffolgenden Woche wurde die Rangliste allen zugestellt. 2004 wurde parallel zum Berglauf das erste Bikerennen auf den Hörnligipfel als weiteres Standbein organisiert. Mit dieser Erweiterung erhöhte sich die Teilnehmerzahl schlagartig auf über 300, davon gut 90 Bikerinnen und Biker. 2012 resultierte man mit insgesamt 365 Teilnehmern einen Rekord, den man in diesem Jahr zu brechen hofft.

Was ist Ihre Faszination? Warum stellen Sie sich auch nach 40 Jahren immer noch als Helfer zur Verfügung?
Dieser Lauf ist mir ans Herz gewachsen. Faszinierend sind die unzähligen Begegnungen mit aufgestellten, fröhlichen Leuten. Dank der tatkräftigen Mithilfe der Clubmitglieder (bis zu 70 clubinterne Helfer) und dem begeisternden Mitmachen der Sporttreibenden hat der Event „Ufs Hörnli“ einen grossen Stellenwert in der Laufszene erworben. Schliesslich ist das Tannzapfenland mit seinen lieblichen Hügeln und Tälern mir seit der frühen Jugend ein Aufenthaltsgebiet ersten Ranges.

Was gibt es aus der vierzigjährigen Geschichte für bleibende Erinnerungen und Vorkommnisse?
Es ist weniger ein einzelnes Erlebnis als vielmehr das Gesamtpaket. Begannen wir ursprünglich mit einfachen Mitteln wie Zeitmessung per Hand, Maschinenschreiben und Vervielfältigungen, sind wir diesbezüglich auch im Computerzeitalter angekommen. Mit der Eröffnung der Hörnlihalle in Oberwangen und somit einem Laufzentrum konnte der Rahmen zu diesem Sportanlass merklich erweitert werden. Last but not least: All die Jahre hindurch verzeichneten wir dank einer umsichtigen Organisation und natürlich auch Glück keine Unfälle.

Zum Schluss noch dies: Warum sollten die Läuferinnen und Läufer bei der 40. Austragung unbedingt mitmachen?
Ufs Hörnli bietet das Erleben einer herrlichen Landschaft und eine tolle sportliche Herausforderung, die auch noch von einem durchschnittlichen Athleten bewältigt werden kann. Die Belohnung mit der grandiosen Rundumsicht vom Gipfel 1133 m.ü.Meer ist einmalig. Zudem erhält jeder Jubiläumsteilnehmer ein attraktives Finishershirt. Und was viele Sportler nicht wissen: Es gibt nichts Gesünderes für den Bewegungsapparat als bergauf zu laufen!